Erdoğan zur Flüchtlingsfrage: Die EU besteht aus Heuchlern und Lügnern

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan kritisiert die EU in der Flüchtlingsfrage scharf. Europa bestehe aus Heuchlern, die im Ausland Predigten über Menschenrechte halten würden. Doch gleichzeitig lehne die EU Hilfen für Menschen in Not ab. Die Türken hingegen seien bereit, auch ihr letztes Brot mit den Flüchtlingen zu teilen. Das sei keine Gnädigkeit, sondern eine Pflicht.

Geliebt und verhasst: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan löst zwiespältige Gefühle im In- und Ausland aus. (Foto: flickr/francediplomatie)

Geliebt und verhasst: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan löst zwiespältige Gefühle im In- und Ausland aus. (Foto: flickr/francediplomatie)

Am Samstag hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan die EU aufgrund ihrer mangelhaften Flüchtlingsaufnahme scharf kritisiert.

Die Nachrichtenagentur Anadolu zitiert Erdoğan:

„Mit der Flüchtlingssituation gehen wir wesentlich besser um als Länder, die weitaus größere Ressourcen und Möglichkeiten haben. Jene Länder nehmen die Flüchtlinge nicht nur nicht auf, sondern verweigern der Türkei auch ihre Unterstützung, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Derzeit haben wir zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Europa hat noch nicht mal 200.000 dieser Menschen aufgenommen. Wo sind eure Predigten über Menschenrechte geblieben? Ihr habt doch die Kraft, diese Menschen aufzunehmen. Solange diese Heuchelei andauert, wird der Weltfrieden bedroht bleiben. Wir scheuen uns nicht davor, pflichtgemäß auch unser letztes Brot mit unseren Geschwistern zu teilen. Doch diese Misere ist das Problem der gesamten Welt. Der Westen soll wissen, dass sein Führungszeugnis sowohl in der Ägypten-Frage als auch in Bezug auf die ausgebliebene humanitäre Hilfe für Syrien endgültig befleckt wurde.“

In diesem Zusammenhang sprach sich der türkische Präsident gegen eine regionale Politik auf den ethnischen oder religiösen Ebenen aus:

„Ethnische und konfessionelle Beharrlichkeiten führen zu noch mehr Blutvergießen. In Syrien wird ein Spiel gespielt, wonach lediglich eine Seite unterstützt wird, um sie gegen andere auszuspielen. Wir werden nicht zulassen, dass diese Umtriebe weiter andauern. Wir werden bis zum Ende an der Seite unserer Geschwister stehen, die in unserem Hause eine Zuflucht gesucht haben.“

Die Flüchtlingsfrage reißt der professionellen Politik in den EU-Staaten die Maske vom Gesicht. In faktisch allen EU-Staaten beobachten wir schwere Ausfälle gegen Flüchtlinge und Asylanten. Man muss von der allgemeinen Verfassung der politischen Klasse in Europa schockiert sein. Denn die Mandatsträger überbieten sich mit barbarischem Verhalten. Man schreckt nicht einmal mehr vor wüsten Aktionen gegen konkrete Menschen zurück. Hinzu kommt, dass Flüchtlings-Boote im Mittelmeer von Marineeinheiten der EU abgeschossen werden.

Wo sind eigentlich die ganzen Moral-Apostel hin? Wohlgemerkt: Es sind nicht irgendwelche rechtsradikalen Randgruppen, die sich hier so schäbig verhalten. Es sind die honorigen Politiker, die im Wahlkampf von Vielfalt und Solidarität sprechen.

Es geht hier um ein Minimum an Menschlichkeit, das jeder Politik innewohnen muss, wenn sie nicht zu einer totalitären Ideologie verkommen will. Auch der hedonistische Egoismus kann eine totalitäre Ideologie sein. Die Unterwerfung der Politik unter das Diktat der „einfachen Lösung“ ist totalitär – „einfach“ heißt in diesem Fall, dass man die Flüchtlinge einfach nicht hier haben will, obwohl sie da sind.

Immerhin kann an dieser Stelle gesagt werden, dass Deutschland – wie auch Schweden – eine Haltung an den Tag legt, die sich positiv abhebt von dem unwürdigen Treiben in Europa.

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