Sicherheitsdenken: Deutsche sind lieber angestellt

Deutschland fehlen auf lange Sicht neue Gründer. Die Zahl der gewerblichen Neugründungen geht erheblich zurück, das schwächt den Mittelstand. Die Gründungstätigkeit in Deutschland ist deutlich geringer als in anderen Industrieländern. Immer mehr Selbständige würden eine Festanstellung vorziehen.

Eine sichere Festanstellung ist in Deutschland in den Augen vieler mehr Wert als der Schritt in die Selbstständigkeit. (Foto: Flickr/ Wendy bonds with Alicia by Gangplank HQ CC BY 2.0)

Eine sichere Festanstellung ist in Deutschland in den Augen vieler mehr Wert als der Schritt in die Selbstständigkeit. (Foto: Flickr/ Wendy bonds with Alicia by Gangplank HQ CC BY 2.0)

Im vergangenen Jahr sanken die IHK-Gründungsgespräche um drei Prozent auf 227.703, so wenig wie noch nie. Die DIHK sieht darin einen drohenden Mangel an neuen Unternehmern. Ein Rückschluss, der Sonja Höpfner von der KfW Bankengruppe zufolge nachvollziehbar ist. „Allerdings für die Entwicklung im darauffolgenden Jahr und auch nur für gewerbliche Gründungen“, sagte Sonja  Höpfner den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Zum einen bezögen sich die Zahlen des DIHK fast ausschließlich auf gewerbliche Existenzgründer und zum anderen würden sich Gründer im Durchschnitt acht Monate mit der Gründung beschäftigen, bevor sie den Schritt wagen. „Der Anteil von Gründungsplanern ist auch im KfW-Gründungsmonitor zurückgegangen.“ Aus diesem Grund geht die KfW für dieses Jahr auch von einer sinkenden Anzahl von Gründern aus. Man erwarte jedoch keinen „Einbruch, sondern nur einen allgemeinen leichten Rückgang“.

Tatsächlich gibt es bei den Neugründungen in Deutschland aber zwei verschiedene Trends. Während die Zahl der gewerblichen Gründer zurückgeht, steigt die Zahl der Gründungen in freiberuflichen Branchen. Letztere stiegen 2014 um 61.000 auf 368.000, so die KfW. 2014 erreichten die Gründungen in freiberuflichen Branchen erstmals einen Anteil von mehr als 40 Prozent. Bei den Gewerblichen gingen die Gründungen um 14.000 auf rund 547.000, wie die aktuellen Zahlen der KfW zeigen.

„Ein Grund für die Zunahme von Existenzgründungen in freiberuflichen Tätigkeitsfeldern ist die größer gewordene Nachfrage nach Dienstleistungen in den Bereichen Erziehung, Bildung und Software“, so Höpfner. Der allgemeine Trend hin zu akademischen Bildungsabschlüssen spiele ebenfalls eine Rolle. „Dieser schlägt sich aufgrund der Nähe von akademischer Bildung und freiberuflichen Tätigkeiten sowie der hohen Gründungsneigung von Akademikern entsprechend im Gründungsgeschehen nieder.“

Der Rückgang der gewerblichen Gründungen ist jedoch trotz zunehmender freiberuflichen Gründungen nicht unerheblich für die deutsche Wirtschaft. Der deutsche Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft und „ein fehlender Unternehmens- und Unternehmernachwuchs wird aber langfristig zu einem Ausdünnen des Mittelstands führen“, sagt Höpfner im Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

„Eine höhere Gründungstätigkeit vor allem in technologisch innovativen Bereichen und für Übernahmen wäre daher wünschenswert.“ Zumal die gewerblichen Tätigkeiten eine bessere Bilanz direkter volkswirtschaftlicher Effekte hätten. „So steht bei ihnen beispielsweise häufiger der Aufbau eines Unternehmens im Vordergrund anstatt ein zeitlich befristeter Hinzuverdienst“ und es würden häufiger Mitarbeiter beschäftigt.

Eine positive Entwicklung der vergangenen Jahre ist jedoch die gestiegene Lebensdauer der Unternehmen. Das liege Höpfner zufolge auch daran, dass der Anteil von Gründern aus einer Arbeitslosigkeit heraus, abgenommen hat. „Diese Gründer geben ihre Selbstständigkeit schneller auf, wenn sich eine bessere Jobmöglichkeit bietet.“

Trotz gemeinhin wirtschaftlicher Stärke ist Deutschland in Bezug auf Gründungen im internationalen Vergleich nicht so stark. Die Gründungstätigkeit ist Höpfner zufolge geringer als in anderen Industrieländern. Hier spiele vor allem die aktuelle Arbeitsmarktsituation eine Rolle. Für Gründer würden gute Jobmöglichkeiten höhere Opportunitätskosten bedeuten. „Opportunitätskosten stehen für den entgangenen Nutzen nicht gewählter Alternativen.“ Und bei einer selbstständigen Tätigkeit entspricht dieser Nutzen besonders „den Vorteilen einer abhängigen Beschäftigung, also Dingen wie Arbeitsplatzsicherheit, planbares Einkommen oder feste Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen“, so Höpfner zu den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Eine Umfrage der KfW verdeutlicht diesen Umstand. Nur 29 Prozent der beruflich Selbstständigen gaben demnach an, dass sie, wenn sie frei wählen könnten, die Selbstständigkeit wählen würden. 2009 waren das immerhin noch 41 Prozent. In den USA hingegen würden auch trotz leichtem Rückgang immerhin noch 51 Prozent die Selbstständigkeit  wählen. Mit 77 Prozent ist bei den Deutschen Selbstständigen zudem das finanzielle Risiko der meistgenannte Grund gegen eine Selbstständigkeit. Die Zahl zunehmender Verschuldung bei Selbstständigen in Österreich gibt ihnen Recht.

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