Konvertiten in Deutschland: Zeynap hat Angst, ein Kopftuch zu tragen

Früher war Zeynap in engen Jeans und mit offenen Haaren unterwegs, feierte und trank Alkohol. Dann ist sie zum Islam konvertiert. Eine befreiende und erleichternde Entscheidung sei das gewesen, sagt sie. Trotzdem hat die junge Frau Angst.

Es sei ein Tabu gewesen, dass die Tochter einer gutbürgerlichen Familie zum Islam konvertiert ist. (Foto: Flickr/ Woman by Andrij Bulba CC BY 2.0)

Es sei ein Tabu gewesen, dass die Tochter einer gutbürgerlichen Familie zum Islam konvertiert ist. (Foto: Flickr/ Woman by Andrij Bulba CC BY 2.0)

Zeynap traut sich nicht, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen. Noch nicht. Lediglich beim Beten trägt sie ein Tuch über den Haaren. Eine Muslimin, die sich nicht traut, ein Kopftuch zu tragen? Zeynap hat Angst. Sie hat Angst vor Vorurteilen und davor, ausgeschlossen und benachteiligt zu werden.

Zeynap, die auch einen deutschen Namen hat und evangelisch getauft wurde, ist zum Islam konvertiert. Das war vor drei Jahren. Seitdem lebt die 22-Jährige aus Nordrhein-Westfalen hin- und hergerissen zwischen innerer Befreiung und der Sorge vor einer Stigmatisierung, so die dpa.

Mit wallenden, ungebändigten Haaren, hautenger Jeans und geschminktem Gesicht betrat Zeynap vor etwa vier Jahren – ziemlich nervös – das erste Mal eine Moschee. Trotz ihres für den Islam unüblichen Aufzugs habe man sie dort mit lächelnden Gesichtern empfangen, sagt sie.

In ihrem früheren Leben, wenn man es so nennen kann, verstieß sie eigentlich gegen jede Regel des Islams für Frauen: Alkohol, Diskotheken, kurze Röckchen. Frei setzte sie sich den Blicken der Männer aus. Heute ist ihre schmale, hochgewachsene Figur von weiter Kleidung umhüllt.

Junge Frauen, die in Deutschland aufgewachsen sind und schließlich zum Islam konvertieren, machen sonst vor allem negative Schlagzeilen, etwa wenn sie als «Terrorbräute» dem Ruf des Dschihad folgen. Monika Wohlrab-Sahr, Religionssoziologin an der Universität Leipzig, hält die Angst vor der Radikalisierung von Konvertiten aber nicht für begründet: «Es gibt keine genuine Verbindung zwischen Konversion und Radikalisierung. Das sind nur ganz wenige Fälle.»

Allerdings gebe es eine Verbindung zur Striktheit, denn wer konvertiere statt mit einer Religion aufgewachsen zu sein, neige zu einer purifizierten Form der Religiosität. Diese Menschen verändern – so wie Zeynap – ihr ganzes Leben und richten es auf den Glauben aus, sagt die Professorin.

Religiös war Zeynap schon immer, auch als Christin. Schon als Kind betete sie vor dem Schlafengehen mit gefalteten Händen zu Gott. Die Bibel hat sie ganz gelesen, dennoch habe sie nie Antworten gefunden auf die Fragen, die sie plagten, erzählt sie. Sie begann, über den Islam zu recherchieren, las auch den Koran, fragte sich immer wieder: Ist dies das Wort Gottes?

Irgendwann kam dann dieser Tag, an dem sie mit wallenden Haaren die Moschee betrat. Wenig später entschied sich die junge Frau und konvertierte. Zuerst war es ihr Geheimnis. Irgendwann musste sie es ihren Eltern erzählen.

Es sei ein Tabu gewesen, dass die Tochter einer gutbürgerlichen Familie zum Islam konvertiert ist, erinnert sie sich. Ob sie jetzt komplett verschleiert herumlaufen würde, war die erste Frage der entsetzten und geschockten Mutter. «Eigentlich sollte Mama sich freuen, ich trage keine Miniröcke mehr, trinke keinen Alkohol», sagt Zeynap und lacht. Es kam zu Diskussionen und Streit, auch zu Versöhnung. Wenn das Wort «Islam» fällt, ist es für ihre Eltern immer noch schwierig.

Langsam passt sie nun ihr Leben dem Islam an. «Es soll kein Zwang sein im Glauben», besagt der Koran. Sie erfindet keine Notlügen mehr, fastet im Ramadan, besucht Koranschule und Arabischunterricht. In der Uni betet sie in stillen Räumen. Dann hat sie einen bunten Schal und ihren Gebetsteppich dabei. Das Wort Gottes hat sie gefunden. Sich selbst als Muslimin noch nicht ganz. Eins fehlt noch, das Kopftuch. «Dann wäre ich so selbstbewusst mit meiner Religion, wie ich es sein sollte.»

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