Die Türkei verdankt ihren wirtschaftlichen Erfolg nur Erdoğan

In der EU ist der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan eine Persona non grata. Doch auch in der Türkei gibt es Gegner wie die Gezi-Aktivisten und der Industrieverband TÜSIAD. Dabei beweisen Statistiken, dass die Türken den wirtschaftlichen Erfolg des Landes nur Erdoğan zu verdanken haben. Trotzdem möchten die Eliten der alten Türkei den Mann isolieren oder am besten stürzen.

Das EU-Land Griechenland leidet unter einer massiven Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Türkei hingegen konnte auch ohne EU-Mitgliedschaft erfolgreich werden. (Grafik: http://www.jjahnke.net/)

Das EU-Land Griechenland leidet unter einer massiven Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Türkei hingegen konnte auch ohne EU-Mitgliedschaft erfolgreich werden. (Grafik: http://www.jjahnke.net/)

Der Wirtschaftswissenschaftler Joachim Jahnke, der zuvor sechs Jahre lang Vizepräsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London gewesen ist, hat einen direkten wirtschaftlichen Vergleich zwischen dem EU-Mitglied Griechenland und der Türkei im Rahmen einiger Grafiken angestellt.

Als Vergleichszeitraum gilt die AKP-Ära unter dem ehemaligen türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan. Dabei fällt auf, dass sich die Exportwirtschaft und die Arbeitsproduktivität der Türkei im Gegensatz zu Griechenland stetig verbessert haben (mehr Informationen zur EU-Krise, Schuldenquoten, Staatsanleihen etc. auf dem Infoportal von Jahnke – hier).

Jahnke schreibt: „Der Graben in der Arbeitsproduktivität gegenüber dem Hauptkonkurrenten Türkei hat sich seit dem Jahr 2002 um fast 30 % zum Nachteil Griechenlands entwickelt (Abb. 18687). Außerdem konnte die Türkei ihre Lira erheblich gegenüber dem Euro abwerten, seit dem Jahr 2000 auf ein Fünftel des ursprünglichen Wertes, und damit ihre Lohnstückkosten zum Nachteil des nicht mehr abwertungsfähigen griechischen Konkurrenten niedrig halten (Abb. 18713). Wie unterschiedlich sich die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands im Euro und des Wettbewerbers Türkei außerhalb entwickelt hat, zeigen mit großer Deutlichkeit auch die Daten über den beiderseitigen Export in alle Welt; dabei stiegen die griechischen Export im Jahresdurchschnitt nominal um etwa 6 %, doch die griechische Inflationsrate von 3 % ließ real wenig Zuwachs übrig (Abb.18714).“

Zudem hat sich die Türkei unter Erdoğan erstmals seit 52 Jahren vom IWF befreit, indem alle Verbindlichkeiten beglichen wurden.

Allerdings leidet die Türkei aktuell unter einem Handelsbilanzdefizit. Von Januar bis April 2015 wuchs das Handelsbilanzdefizit auf etwa 14, 5 Milliarden Dollar an, berichtet das türkische Statistikamt. Hinzu kommt die enorme Verschuldung der türkischen Privathaushalte, die schlussendlich nur entlastet werden können, wenn der türkische Staat durch eine Sonderregelung einen Teil der privaten Schulden übernimmt.

Derzeit beträgt die Staatsschuldung der Türkei am BIP 36 Prozent. In Griechenland liegt sie bei 171, in Portugal bei 125, in Irland bei 123, in den USA bei 106, in Belgien bei 100, in Spanien bei 102, in Frankreich bei 96 und in Deutschland bei 71 Prozent, berichtet der IWF.

In diesem Zusammenhang sind die aktuellen Koalitionsgespräche in der Türkei durchaus brisant. Der größte türkische Industrieverband TÜSIAD, der aus Geschäftsleuten besteht, hat mehrmals angedeutet, dass Erdoğan politisch isoliert werden müsse, damit die Türkei erneut auf den Pfad der EU findet. Diesen Oligarchen vom Bosporus schwebt eine Türkei vor, die vor den Toren Europas in Bettelstellung steht. Eine Türkei, in der sie als Handlanger europäischer Unternehmen den türkischen Markt weiterhin mit EU-Waren fluten können, um daran zu verdienen.

Hier sei eine rhetorische Frage erlaubt: Warum haben die TÜSIAD-Mitglieder derart vehement die Gezi Park-Proteste unterstützt? Eine demokratische Motivation kann jedenfalls nicht dahinter gesteckt haben. Denn TÜSIAD hat bisher alle Militär-Putsche in der Türkei unterstützt und hat die Assimilationspolitik der Vorgängerregierungen gegenüber den Kurden gefördert.

Übrigens war es ebenfalls Erdoğan, der mit dieser chauvinistischen Politik Schluss gemacht hat. Der Mann ist nicht nur gegen die Assimilationspolitik Deutschlands gegenüber seinen eigenen ethnischen Minderheiten, sondern lehnt dies auch in seinem eigenen Land ab.

Sollte Erdoğans geplante politische Isolation scheitern, könnten vielleicht neue Gezi Park-Proteste in Gang gebracht werden. Das Zentrum für angewandte gewaltlose Aktion und Strategien (Canvas) hatte jedenfalls die vergangenen Proteste massiv unterstützt und organisiert, berichtet die Zeitung Milliyet.

Aus Wikileaks-Dokumenten geht hervor, dass Canvas unter anderem von den US-Organisationen Freedom House, the International Republican Institute, NED, Open Society Institute, United States Institute of Peace und USAID finanziert wird. Das französische Institut Centre français de recherche sur le renseignement (CF2R) berichtet, dass der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey für die Ausbildung von Canvas-Aktivisten zuständig ist.

Diese Organisationen waren maßgeblich am Sturz der Janukowitsch-Regierung beteiligt. Und das geben sie sogar mittlerweile zu. Das Ergebnis lässt sich in der Ost-Ukraine beobachten.

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