Erdoğan bezeichnet Flüchtlingsaufnahme als religiöse Pflicht

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat am Sonntag in einer neuen Rede die Aufnahme von Flüchtlingen als religiöse Pflicht eingestuft. Die aufgenommenen Menschen seien von Gott in die Obhut des türkischen Volkes gegeben worden. Damit bezog sich Erdoğan unmissverständlich auf die Sure „Die Versammlung (Al-Haschr)“, die die Flüchtlingsfrage behandelt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei einer Jahrgangsveranstaltung ausländischer Studierender in der Türkei. Unter den Studenten befinden sich auch Flüchtlinge, deren Diplome in der Türkei anerkannt werden. (Screenshot)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei einer Jahrgangsveranstaltung ausländischer Studierender in der Türkei. Unter den Studenten befinden sich auch Flüchtlinge, deren Diplome in der Türkei anerkannt werden. (Screenshot)

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat am Sonntag eine neue Rede zur internationalen Flüchtlingsfrage gehalten.

Haberturk zitiert Erdoğan:

„Derzeit haben wir über zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Wir konnten schlichtweg nicht wie diejenigen handeln, die nach dem Credo ,Lasst sie ihn der Ägäis und im Mittelmeer sterben´ vorgehen. Unser Volk wird niemals auf der Seite der Tyrannen stehen. Jeder Mensch, der bei uns Zuflucht sucht, ist eine göttliche Gabe. Er entsendet diese Menschen in unsere Obhut. Es ist egal, was andere Länder in dieser Frage machen. Es mag sein, dass einige dieser Staaten diese Menschen sterben lassen oder sie nicht haben wollen. Doch wir haben die Pflicht, nach den Vorgaben unseres Glaubens und unserer Geschichte, alle Bürden auf uns zu nehmen.“

Der Hinweis Erdoğans auf die Flüchtlingsaufnahme als religiöse Pflicht, ist besonders interessant. Damit weist er bewusst im Monat Ramadan auf die Sure „Die Versammlung (Al-Haschr)“ hin.

„(Es ist) für die armen Flüchtlinge, die von ihren Heimstätten und ihren Besitztümern vertrieben wurden, indes sie nach Gottes Huld und Wohlgefallen trachteten und Gott und Seinem Gesandten beistanden. Diese sind die wahrhaft Treuen (…)Und jene, die vor ihnen in der Stadt wohnten und im Glauben (beharrten), lieben jene, die bei ihnen Zuflucht suchten, und finden in ihrer Brust keinen Wunsch nach dem, was ihnen gegeben ward, sondern sehen (die Flüchtlinge gern) vor sich selber bevorzugt, auch wenn sie selbst in Dürftigkeit sind. Und wer vor seiner eignen Habsucht bewahrt ist – das sind die Erfolgreichen.“

Doch was sagt der Koran über jene, denen der türkische Präsident Heuchelei vorwirft und sie als Lügner bezeichnet – in dem Fall die EU.

„Die Versammlung (Al-Haschr)“:

„Hast du nicht die beobachtet, die Heuchler sind? Sie sprechen: «Wenn ihr vertrieben werdet, so werden wir sicherlich mit euch ziehen, und wir werden nie jemandem gegen euch gehorchen; und wenn ihr angegriffen werdet, so werden wir euch sicherlich helfen.» Doch Gott ist Zeuge, daß sie gewißlich Lügner sind.
Wenn sie vertrieben werden, sie würden nie mit ihnen ausziehen; und wenn sie angegriffen werden, sie würden ihnen niemals helfen. Und helfen sie ihnen schon, so werden sie sicherlich den Rücken wenden; und dann sollen sie (selbst) keine Hilfe finden.“

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