Zweites Türkisches AKW: Wird Anlage in Sinop günstiger als gedacht?

Das zweite türkische Atomkraftwerk wird offenbar weniger kostspielig, als ursprünglich angenommen. Die Anlage in Sinop an der Schwarzmeerküste wird jüngsten Schätzungen zufolge Kosten in Höhe von 16,3 Milliarden US-Dollar verusachen. Ursprünglich war von Ausgaben zwischen 22 und 25 Milliarden US-Dollar die Rede.

Bislang gingen die Verantwortlichen davon aus, dass das höchst umstrittene, zweite türkische Atomkraftwerk rund 22 Milliarden US-Dollar verschlingen und von einem französisch-japanischen Konsortium errichtet wird. Nun sollen nicht nur die Kosten geringer ausfallen, auch zwei oder drei türkische Unternehmen sollen sich offenbar am Bau beteiligen.

Laut wurden die jüngsten Zahlen von der japanischen Zeitung Nikkei, so die türkische Sabah. Eine japanisch-französische Allianz, bestehend aus den japanischen Unternehmen Taisei und Obayashi sowie dem französischen Baukonzern Bouygues, solle das Ganze mit Hilfe von zwei oder drei Unternehmen aus der Türkei stemmen. Aktionär werde überdies die Stromerzeugungsgesellschaft der Türkei. Gründe für die korrigierten Zahlen wurden allerdings nicht genannt. Es wurde lediglich deutlich gemacht, dass nur rund 20 bis 25 Prozent der Gesamtsumme auf den tatsächlichen Bau entfallen würden.

Ankara hatte im Oktober 2013 trotz der Katastrophe von Fukushima eine offizielle Vereinbarung über den Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks in der Schwarzmeer-Provinz Sinop mit Japan unterzeichnet (mehr hier). Der damalige türkische Premier Erdoğan versuchte anlässlich des Besuches seines japanischen Amtskollegen Shinzo Abe zu beschwichtigen, indem er auf die beim AKW zum Einsatz kommende, moderne Technologie verwies:

„Wir wissen, dass man unmöglich sagen kann: ‘Einen Unfall wird es nie geben.’ Selbst, wenn die Chance dafür eins zu einer Million steht. Solch eine Gefahr, solch ein Unfall könnte passieren und es ist unmöglich das zu ignorieren. Es gibt keine Investitionen ohne Risiko, in jedem Bereich. Doch jede Firma, jedes Unternehmen sollte Maßnahmen für eine 100-prozentige Sicherheit ergreifen.“

Ideal wäre es in der Tat den Fehlerspielraum zu minimieren. Er sei jedoch überzeugt, dass Japan die modernste Technologie im Kernkraftwerk in Sinop einsetzen werde. Das sei sowohl für die Türkei als auch für Japan wichtig.

Das japanisch-französische Konsortium unterhielt bereits seit Mitte 2012 Gespräche mit Ankara. Damals noch mit im Rennen: Kanada, Süd-Korea und China. Zudem stiegen zwei französische Unternehmen in den Bieterring. Im Zuge der Streitigkeiten rund um die französische Völkermord-Gesetzgebung wurden diese Angebote aber abgelehnt.

Beide AKWs haben zu bitterer und anhaltender Kritik von Umweltgruppen in der Türkei sowie einer breiten Palette von Analysten geführt. Diese warnen davor, dass das AKW in Akkuyu auf seismisch instabilen Land gebaut werde. Umweltschützer bringen zudem immer wieder die Frage auf, wo die Türkei eigentlich ihren Atommüll lagern wolle. Offiziell heißt es, dieser würde nach Russland verbracht. Bereits Anfang 2012 appellierte Greenpeace an die Türkei, doch lieber auf Solar- und Windkraft zu setzen. Rufe, die übrigens auch aus Deutschland laut wurden.

Die erste Einheit des Kernkraftwerks in Sinop soll bis zum 100-jährigen Jubiläum 2023 fertig gestellt sein. Vollständig am Netz soll die Anlage dann 2028 sein. Das AKW soll eine Kapazität von 4.500 bis 5.000 Megawatt (MW) haben (mehr hier). Das erste türkische AKW entsteht derweil unter russischer Ägide in Akkuyu in der südöstlichen Provinz Mersin. Dessen Leistung soll bei 4800 Megawatt (MW) liegen.

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