Rente mit 63 gefährdet deutschen Mittelstand

Die Rente mit 63 ist für viele Betriebe in Deutschland ein Problem. Professionelle, gut eingearbeitete Mitarbeiter verlassen das Unternehmen früher als gedacht. Besonders große Betriebe und Branchen mit fehlendem Nachwuchs sind betroffen. Viele versuchen ältere Mitarbeiter nun mit speziellen Angeboten zu halten.

Es ist gerade einmal ein Jahr her, dass die Rente mit 63 eingeführt wurde. Für Angestellte, die die Voraussetzung für die frühere Rente erfüllen, ist die Neuregelung ein Gewinn. Für den deutschen Mittelstand bedeutet das aber neue Probleme. Konfrontiert mit Fachkräftemangel in etlichen Branchen und dem demographischen Wandel stellt es die Betriebe vor große Herausforderungen.

Im Westen Deutschlands sind 10,6 Prozent und im Osten Deutschlands 14,8 Prozent davon betroffen, wie der aktuelle Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Grund hierfür ist die deutlich höhere Zahl älterer Mitarbeiter in den Betrieben aufgrund der Abwanderung nach 1990 und des demographischen Wandels.

Seit dem 1. Juli 2014 ist ein abschlagsfreier Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren, frühestens aber mit  63 Jahren möglich. Von Juli 2014 bis Ende März 2015 sollen der Deutschen Rentenversicherung zufolge 279.000 Anträge für die Rente mit 63 eingegangen sein. „Die Summe von bereits ausgeschiedenen und voraussichtlich in den kommenden drei Jahren ausscheidenden Mitarbeitern beträgt nach Angabe der Betriebe hochgerechnet etwa 560.000 Personen“, so das IAB.

Die Problematik der Frühverrentung ist vor allem in kleinen Betrieben und in der Öffentlichen Verwaltung zu spüren. 31,5 Prozent der Betrieb in der Öffentlichen Verwaltung sind betroffen. In der Wasserver- und Abfallentsorgung sind es immerhin noch 28,7 Prozent und im Verarbeitenden Gewerbe um die 26 Prozent.

Auch aufgrund seiner Größe  weist der Sektor Handel/Kfz mit 92.500 Personen die größte Anzahl an ausscheidenden Mitarbeitern auf. Danach folgen das Gesundheits-/Sozialwesen mit 52.000 Personen und der Wirtschaftszweig Maschinen, Elektrotechnik, Fahrzeuge mit 48.500 Personen.

Wie die Betriebe auf das Ausscheiden der Mitarbeiter bisher reagiert haben, ist unterschiedlich. 52,9 Prozent der von der IAB befragten Betriebe gab an, die Stellen der in Rente gehenden mit Externen neu zu besetzen und etwa 30,7 Prozent reagieren mit Umstrukturierungsmaßnahmen im eigenen Betrieb. Und immerhin fast ein Viertel setzte darauf, die eigentlich ausscheidenden Mitarbeiter zu halten (23,9 %).

Hierbei spielt natürlich auch die Größe des Betriebes eine Rolle. Je größer ein Unternehmen, desto einfacher ist es für dieses, auf interne Umstrukturierungsmaßnahmen zu setzen. Kleinstbetriebe und kleine Unternehmen haben da mehr Schwierigkeiten. Bei den Kleinstbetrieben setzt daher immerhin ein Drittel darauf, die Mitarbeiter weiter zu halten. 15,3 Prozent unternehmen gar nicht, besetzen die Stelle also auch nicht neu. Von den großen Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern machen dies lediglich 8,7 Prozent.

Bei der Wahl der Mittel, um Mitarbeiter zu halten, bieten 83 Prozent der Betriebe den potentiell ausscheidenden Mitarbeitern kürzere bzw. flexiblere Arbeitszeiten an, so der IAB-Bericht. Auf Prämien oder eine höhere Entlohnung setzen hingegen nur 16,7 Prozent. Der Ausbau des Gesundheitsschutzes, Beförderungen oder eine verbesserte Weiterbildung sind ebenfalls Möglichkeiten.

In Sachsen beispielsweise sind etliche Betriebe mit der früheren  Rente konfrontiert. Jeder 5. sächsische Beschäftigte ist mittlerweile über 55 Jahre alt, so die Vereinigung der sächischen Wirtschaft. Während das sächsische BIP zwischen 2004 und 2013 um 7,5 Prozent zulegte, stieg die Zahl der Beschäftigten um 10,5 Prozent. Waren es in Sachsen 2004 noch 146.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, die älter als 55 Jahre waren, so sin des 2014 mit 291.000 fast doppelt so viele. „Das stellt vor allem die mittelständischen Unternehmen in Sachsen vor große Herausforderungen: Der Fachkräftebedarf muss weiterhin gedeckt werden können, damit sich die sächsische Wirtschaft fortgesetzt positiv entwickeln kann.“

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