Gesundheit geht vor: Zwei Kliniken in NRW schaffen pharmakologische Hotline zum Ramadan

Der gerade begonnene Fastenmonat Ramadan stellt viele Krankenhäuser vor besondere Herausforderungen. Im neunten Monat des islamischen Mondkalenders sollen Muslime von Tagesanbruch bis Sonnenuntergang auf den Verzehr von Essen und Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr verzichten. Wenn sich gläubige Muslime gleichzeitig gegen die Einnahme von Medikamenten entscheiden, kommt es zwischen Arzt und Patienten immer wieder zu Diskussionen. Die HELIOS Kliniken in Wuppertal und Schwelm schaffen deshalb per Ramadan-Pharma-Hotline ein Beratungsangebot für ihre Ärzte.

Sollte ein Patient die Medikamentenvergabe ablehnen, sei der Pharmakologe von montags bis freitags erreichbar. (Foto: Flickr/ Drugs by Brandon Giesbrecht CC BY 2.0)

Sollte ein Patient die Medikamentenvergabe ablehnen, sei der Pharmakologe von montags bis freitags erreichbar. (Foto: Flickr/ Drugs by Brandon Giesbrecht CC BY 2.0)

Für gläubige Muslime ist das Fasten einer der fünf Eckpfeiler des Islams. Die Fastenvorschrift gilt für jeden Muslim, der die Pubertät erreicht hat. Im  Allgemeinen gibt es Ausnahmeregelungen für Kranke, Reisende, schwangere Frauen und stillende Mütter. Das Fasten kann je nach Möglichkeit nachgeholt oder ausgesetzt werden.

Einige muslimische Patienten möchten auf das Fasten aber trotzdem nicht verzichten. „Während der Fastenzeit wird von manchen Muslimen zum Beispiel auch die Einnahme von Arzneimitteln tagsüber abgelehnt“, so Dr. Sven Schmiedl, Facharzt für Klinische Pharmakologie am HELIOS Klinikum Wuppertal, in einer Mitteilung, die den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegt. „Hierdurch können bei einigen Medikamenten Krankheitssymptome verstärkt werden oder Nebenwirkungen auftreten. In Einzelfällen kommt es zu Diskussionen, weil es schwierig ist zu entscheiden, ob eine Medikamenteneinnahme verschoben werden kann oder das Medikament wie verordnet eingenommen werden muss“, so der Facharzt.

Aus diesem Grund stehe den Ärzten des Helios Klinikums Wuppertal und Schwelm in den kommenden vier Wochen eine Hotline zur Verfügung, heißt es weiter. Sollte ein Patient die Medikamentenvergabe ablehnen, sei der Pharmakologe von montags bis freitags erreichbar und versuche eine für den Patienten befriedigende Lösung zu finden, die aber auch die medizinischen Bedürfnisse berücksichtige.

Dies könne in Einzelfällen bedeuten, dass der Patient seine Medikamente erst nach Sonnenuntergang einnehmen müsse. Wenn aber Medikamente auch tagsüber eingenommen werden müsse und auf Flüssigkeit nicht verzichtet werden dürfe, berate die muslimische Assistenzärztin Sohayla Sleiman aus dem Helios Klinikum Schwelm die Patienten.

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