Urlaubssaison 2015: Die Türkei erwartet ein „eiskalter Sommer“

Der türkischen Tourismusbranche steht offenbar einer der kältesten Sommer der vergangenen zehn Jahre bevor. Branchenvertreter versuchen derzeit vehement gegen die drohenden Verluste vorzugehen. Doch ob ihre Bemühungen ausreichen, um den Sektor nachhaltig zu stärken, ist ungewiss.

Die türkischen Branchenvertreter versuchen das Ruder noch herum zu reißen. (Foto: Flickr/Antalya - Miracle Resort by Cristian Bortes CC BY 2.0)

Die türkischen Branchenvertreter versuchen das Ruder noch herum zu reißen. (Foto: Flickr/Antalya – Miracle Resort by Cristian Bortes CC BY 2.0)

Das Geschäft mit den Türkeiurlaubern droht in diesem Jahr nicht ganz so rosig auszufallen wie sonst. Schuld daran scheinen vor allem die fehlenden Touristen aus Russland. Um den Markt wieder anzukurbeln muss dieser künftig stärker diversifiziert werden.

Deutlich zu spüren bekommt den Rückgang der russischen Gäste vor allem der türkische Ferienort Antalya. Nach offiziellen Angaben ging die Zahl der russischen Touristen allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Dieses Schicksal gebürt in dieser Saison zwar nicht nur der Türkei – immerhin ging die Reisefreude der Russen nach Angaben des Russischen Staatlichen Statistikamtes (Rosstat) im ersten Quartal 2014 in Gänze um 40,3 Prozent zurück – doch die Folgen fallen hier empfindlich aus. Der bislang beliebten Urlaubsregion könnten in der Saison 2015 finanzielle Einbußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar drohen (mehr hier).

Insgesamt haben sich in den ersten drei Monaten 2015 ganze 1,3 Millionen russische Touristen entschieden, nicht in den Urlaub außerhalb von Russland zu fahren. Im vergangenen Jahr waren das noch 3,1 Millionen. Ergo sank die Zahl der Reisefreudigen binnen eines Jahres um satte 1,8 Millionen. Für die Türkei ist das ein harter Schlag. Immerhin ist Russland der zweitgrößte Tourismusanbieter für das Land, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Nach Angaben des türkischen Tourismusministeriums besuchten über 39 Millionen ausländische Touristen das Land im vergangenen Jahr. Diese Zahl machte die Türkei zum sechst meistbesuchten Land der Welt. Russland landete in der Zusammensetzung der Besucherzahlen auf dem zweiten Platz mit 4,5 Millionen Touristen, just nach Deutschland mit 5,2 Millionen Türkei-Touristen. Wenn sich dieser allgemeine Abwärtstrend bei der Zahl der russischen Touristen in der Türkei nicht ändere, müsse die Türkei mit einer Million weniger russischen Touristen als im Jahr 2014 rechnen, so das Blatt weiter. Das entspräche einem geschätzten Verlust von mehr als zwei Milliarden US-Dollar für die gesamte Türkei.

Bereits im Frühjahr hatte die türkische Regierung verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung des Tourismussektors angeboten (mehr hier). Doch offenbar blieb es bislang bei einem Angebot. Branchenvertreter würden daher selbst aktiv werden, um die Saison 2015 anzukurbeln und insbesondere russische Touristen ins Land zu locken, so das Blatt. So halten es einige Branchenvertreter mittlweile für unvermeidlich Hotelpreise zu senken und All-inclusive-Angebote zu erweitern, um Umsatzverluste zu minimieren. Noch hat die Türkei ein gutes Polster. Sie erhöhte ihre Tourismus-Einnahmen von acht Milliarden US-Dollar im Jahr 2000 auf 34 Milliarden Dollar im Jahr 2014 und wurde in dieser Zeit zum zwölft größten Tourismusverdiener der Welt. Die Branche kann also einige Verluste in diesem Jahr kompensieren. Allzu lange darf der Abwärtstrend allerdings nicht dauern.

Die ausbleibenden russischen Touristen sind jedoch nicht der einzige Sorgenfaktor. Auch der Zusammenfall des Ramadans mit einem heißen Sommermonat spiele der Hürriyet zufolge eine Rolle. Vor allem Einheimische würden lieber zuhause bleiben. Doch der von einigen progostizierte Aufschwung nach dem Ramadanfest spielt nicht für alle eine entscheidende Rolle. Immerhin würden die lokalen Touristen nicht immens an der Gesamtbilanz drehen können. Im Gegenteil würde der Trend türkischer Urlauber zunehmend zu einer Reise ins Ausland gehen. Und das trotz der dramatischen Verlust  der Türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar und dem Euro. Auch für dieses Jahr soll es allein für Griechenland bereits rund eine Million Reservierungen geben.

Neben günstigeren Preisen denken türkische Hoteliers derzeit offenbar auch darüber nach, die Diversifizierung der Märkte weiter voranzutreiben. Verstärkt werde derzeit in Promoaktionen investiert, um Touristen aus den arabischen Ländern sowie dem Fernen Osten zu gewinnen. Im Iran seien diese Anstrengungen bereits auf fruchtbaren Boden gefallen, heißt es. Die Zahl der iranischen Touristen in Istanbul sei in den ersten fünf Monaten des Jahres im Vergleich zu 2014 um 35 Prozent gestiegen.

Auch neue Bereiche sollen stärker erschlossen werden. Zu den vielversprechendsten gehört derzeit wohl der Medizintourismus. Noch ist der Anteil dieser Gäste klein. Von den rund 40 Millionen Besuchern 2014 waren gerade einmal 500.000 der Gesundheit wegen in der Türkei. Gekommen sind sie jedoch vor allem wegen chirurgische Eingriffe, wegen Haartransplantationen und Fettabsaugung,Krebs und orthopädischer Behandlungen.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Grund sei auch die derzeitige Außenwahrnehmung der Türkei, so das Blatt abschließend. Offenbar fürchten Türkeiurlauber derzeit stärker um ihre Sicherheit. Nach Angaben des World Economic ForumThe Travel and Tourism Competitiveness Index 2015 Rang“ rangiert die Türkei auf Rang 44. in Sachen Wettbewerbsfähigkeit, obwohl das Land das sechst beliebteste Reiseziel sei. Beim Sicherheitsindex fiel die Platzierung noch dramatischer aus. Hier kam die Türkei nur auf Rang 121 in der 141Länderliste

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