IT-Branche: Die Türkei braucht dringend 70.000 Fachkräfte

Die Türkei braucht dringend rund 70.000 qualifizierte IT-Experten. Um den Bedarf zu stillen, will die türkische Regierung vor allem in die Weiterbildung ihrer Universitäts-Absolventen investieren. Die Einsicht kommt nicht von Ungefähr: In den vergangenen Jahren ist der Internetsektor zu einem mächtigen, türkischen Industriezweig avanciert.

Der türkische Minister für Industrie, Technologie und Wissenschaft Fikri Işık kündigte die Bildungs-Offensive für den IT-Nachwuchs in einem Interview mit Bloomberg HT an. Zielgruppe seien vor allem arbeitslose Hochschulabsolventen.

Im Gespräch mit den Journalisten macht er deutlich: „Die Türkei braucht unmittelbar rund 70.000 qualifizierte Informatik- und Technologie-Arbeitnehmer. In den kommenden zehn Jahren soll sich ihre Zahl auf über 300.000 erhöhen.“ Zunächst sei geplant, jungen Leuten ein so genanntes Kodierungs-Training anzubieten. Gemeinsam mit der türkischen Agentur für Arbeit (İŞKUR) habe man Untersuchungen durchgeführt, um auch tatsächlich die richtige Zielgruppe zu erreichen. Das Fazit: Die türkische Regierung will dem Minister zufolge nun offenbar internationale Zertifikatsprogramme für arbeitslose Hochschulabsolventen anbieten, die sich für IT-Unternehmen in der nordwestlichen Provinz Kocaeli interessierten. Umgesetzt werden soll das internationale Zertifikat-Programm mittels einer Kooperation der Technischen Universität Gebze, der Universität von Kocaeli und İŞKUR.

Die Ausbildung solle zunächst mit einigen hundert Studenten beginnen, so Işık. Sukzessive solle deren Anzahl jedoch gesteigert werden. Das Hauptziel solle es ihm zufolge sein, es jungen Menschen zu ermöglichen, Fähigkeiten zur Problemlösung zu erwerben. Ginge es nach ihm, sollten IT-Kenntnisse bereits in den Lehrplänen, etwa als freiwillige Kurse, verankert sein.

Der türkische IT-Sektor wird zunehmend für Investoren attraktiv. Kapital soll derzeit vor allem von Business Angels, aber auch von innovativen Web basierten Unternehmen, die durch private Kapitalfonds gegründet wurden, angezogen werden. Das stellte die internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bereits 2013 fest. Demnach war die türkische IT-Branche hinsichtlich ihrer Fusionen und Übernahmen schon 2012 der zweitgrößte Sektor des Landes nach der Energiesparte.

Die steigende Tendenz von Drittanbieter-Investitionen in IT-Unternehmen zur Steigerung der Effizienz sei auch weiterhin zu erwarten, so die Experten damals. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erwarte entsprechend vor allem in den Bereichen Cloud Computing, Zahlungssysteme und mobile Anwendungsbereiche mittlere und große Fusionen und Übernahmen – und das weltweit.

Ernst & Young rechnet in der Türkei mit Fusionen und Übernahmen hauptsächlich im Bereich der Online-Shopping-Websites (mehr hier), andere Schwerpunkte würden demnach Computer- und IT-Beratung sein, in denen Unternehmenstransaktionen zentriert werden sollen. Auch Data-Technologien würden zunehmend wichtiger werden, ebenso wie E-Commerce. Mit diesen Änderungen einher gehend werde auch erwartet, dass sich die Anleger in den einzelnen Sektoren stärker institutionalisierten.

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