Gewalt gegen Ärzte: Türkische Regierung macht Krankenhäuser zu Festungen

Nach einer Reihe von Gewalttaten gegen türkische Ärzte und medizinisches Personal plant die Regierung in Ankara nun offenbar die Krankenhäuser des Landes sicherer zu machen. Die Gebäude sollen künftig mit Polizisten und Röntgenscannern geschützt werden. Allein zwischen 2012 und 2015 sollen mehr als 31.000 Gewalttaten gegen medizinisches Personal verübt worden sein.

Türkische Ärzte und Krankenschwestern werden häufig Opfer von Angriffen wütender Verwandter und Freunde der Patienten. Erst im vergangenen Mai wurde ein Krankenhaus-Arzt in der nordtürkischen Stadt Samsun erschossen. Jetzt will die Regierung offenbar handeln.

Wie die türkische Zeitung Sabah berichtet, sollen allein in der Zeit zwischen 2012 und 2015 mehr als 31.000 Gewalttaten gegen medizinisches Personal verübt worden sein. Ziel der Attacken seien vor allem Ärzte. In der Mehrzahl bleibe es bei verbalen Angriffen. In 14.250 Fällen sei jedoch körperliche Gewalt im Spiel gewesen. Allein in den vergangenen zehn Jahren seien vier Krankenhaus-Ärzte ermordet worden.

Bislang werde versucht, über private Wachdienste die Sicherheit in Krankenhäusern zu gewährleisten. Da diesen aber meist keine Waffen zur Verfügung stünden, seien sie in der Regel sehr ineffizient. Deshalb soll sich das türkische Gesundheitsministerium mittlerweile in Gesprächen mit dem Innenministerium befinden, um Polizeibeamte in Krankenhäusern einzusetzen. Als eine weitere wichtige Maßnahme zur Krankenhaus-Sicherheit sei die Installation von Röntgenscannern angedacht. Bislang können Besucher das Gelände frei betreten, ohne dass sie auf Waffen durchsucht würden. Noch sei nicht klar, wie diese Geräte tatsächlich eingesetzt werden sollen. Die Frage stelle sich hier insbesondere bei den Notaufnahmen.

Unterdessen haben Gewerkschaften für medizinisches Personal eine radikale Maßnahme vorgeschlagen, um die Gewalt einzudämmen. Sie forderten, dass diejenigen, die Gewalttaten gegen das medizinische Personal verüben, für sechs Monate von den Sozialleistungen ausgeschlossen würden.

Der Tausch von privaten Wachen gegen Polizisten ist übriges Teil der Pläne der Regierung, private Sicherheits in anderen öffentlichen Einrichtungen, einschließlich Gerichtsgebäuden, abzuschaffen.

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