Gebeutelte Griechen: Krisenland bekommt volle Rückendeckung aus der Türkei

Die zugespitzte Lage im Nachbarstaat Griechenland lässt auch die türkische Politik nicht kalt. In seiner ersten Ansprache seit den Parlamentswahlen am 7. Juni sendete Premier Ahmet Davutoğlu nun ein Signal gen Athen. Ankara werde alles tun, um das Land in der akuten Finanzkrise zu unterstützen.

Geschlossene Banken, eine geschlossene Börse und Ratlosigkeit auf den Straßen. Nach dem Chaos-Wochende in Griechenland schwankt die Stimmung der Bürger zwischen Wut, Hilflosigkeit und Unterstützung für die Regierung Tsipras. In Ankara hat das Schicksal der Griechen Regierung und Opposition geeint. Man ist sich einig: Man wolle helfen, so gut es ginge.

Wir sind bereit, in Bezug auf die Zusammenarbeit im Tourismus, Energie und Handel das zu tun, was uns möglich ist“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den türkischen Premier Davutoğlu. Außerdem soll ein Kooperationsrat mit Griechenland auf höchster Ebene einberufen werden, sobald die neue Regierung in der Türkei stehe.

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hat inzwischen mit seinem griechischen Amtskollegen, Nikos Kotzias, gesprochen. Beide hätten sich über griechische Wirtschaftskrise und die bilaterale Zusammenarbeit ausgetauscht, so das Blatt weiter. Nach Angaben des griechischen Außenministeriums habe das Treffen in einer sehr „warmen Atmosphäre“ stattgefunden. Herr Çavuşoğlu habe Herrn Kotzias die Solidarität des türkischen Volkes und der politischen und Staatsführung der Türkei versichert.

Der türkische Abgeordnete der HDP, Ertuğrul Kürkçü, hat am Montag unterdessen vorgeschlagen, dass die Türkei die griechischen IWF-Kredite in Höhe von 1,6 Milliarden Euro, welche am Dienstag fällig werden vollständig übernehmen soll. „Das ist die größte Hilfe, die wir unserem Nachbarn bieten können. Entweder wir übernehmen Griechenlands Kredit oder aber wir vergeben einen zinslosen Kredit an die Griechen, damit sie ihren Verpflichtungen nachkommen können“, zitiert CNN Turk Turk Kürkçü.

Der HDP-Abgeordnete ist der Ansicht, dass insbesondere Deutschland, der IWF und die EZB Griechenland nicht helfen, sondern die eigenen Kredite sichern möchte. Kürkçü wörtlich: „Dies verstößt gegen die Prinzipien der EU. Die EU hat eine Pflicht, Griechenland zu retten. Wenn Griechenland untergehen sollte, wird das sowohl den Euro als auch die EU in große Schwierigkeiten bringen.

Die griechische Regierung hatte am Montag gemeldet, dass sie den IWF-Kredit nicht zurückzahlen werde. IWF-Chefin Christine Lagarde muss die Nichtbezahlung innerhalb einer bestimmten Frist bestätigen. Anschließend hat der IWF 30 Tage Zeit, die Nicht-Zahlung zu konstatieren, berichtet Reuters. Dann könnte es bis zu drei Monaten dauern, bis man sich auf ein bestimmtes Procedere einigt.

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