«Grexit»-Gefahr: Südeuropa bewahrt einen kühlen Kopf

Die Sorge vor Turbulenzen an den Finanzmärkten ist angesichts des Griechenland-Dramas groß. Doch bisher reagieren Investoren gelassen. Das hat mit der Europäischen Zentralbank zu tun - aber nicht nur.

Von Panik keine Spur: Die Eskalation der Griechenlandkrise lässt die Börsen zwar nicht kalt. An den europäischen Anleihemärkten behalten die Investoren aber trotz der Gefahr eines Euro-Ausstiegs Athens («Grexit») kühlen Kopf. Von stark steigenden Zinsen für angeschlagene Länder der Währungsunion ist bisher nichts zu sehen. Verglichen mit dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise 2012 ist die jüngste Entwicklung ein Klacks. Damals mussten Länder wie Italien oder Spanien am Kapitalmarkt so hohe Zinsen für frisches Geld zahlen, dass ihnen das Wasser bis zum Hals stand.

Marktkenner sagen, die Gelassenheit der Investoren hat vor allem mit der Europäischen Zentralbank zu tun – aber nicht nur. «Die Eurozone hat in den vergangenen vier Jahren ihre Abwehrkräfte gestärkt und sich gegen Ansteckungsrisiken gewappnet», sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg. Zu den Schutzmechanismen zählt der Euro-Rettungsschirm ESM, der angeschlagenen Euroländern im Notfall finanziell unter die Arme greifen kann. Dazu gehört auch die europäische Bankenunion, die das Finanzsystem der Eurozone krisensicherer machen soll.

Eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielt die Europäische Zentralbank: Seit EZB-Chef Mario Draghi auf dem Höhepunkt der Krise 2012 versprach, alles in seiner Macht stehende zum Erhalt des Euro zu tun, sind Spekulanten gewarnt. Sie wissen, dass Großangriffe auf schwächere Euroländer von der EZB abgewehrt werden. Und an den Märkten gilt: «Wette niemals gegen eine Zentralbank». Denn Notenbanken verfügen mit ihrer Notenpresse über schier unbegrenzte finanzielle Feuerkraft.

Ihre Euro-Garantie hat die Zentralbank am vergangenen Wochenende bekräftigt. «Der EZB-Rat ist entschlossen, alle verfügbaren Instrumente im Rahmen seines Mandats einzusetzen», heißt es in einer Erklärung. Die Wortwahl kommt dem Versprechen Draghis von 2012 nah. Zusammen mit dem wenig später installierten Anleihenkaufprogramm OMT wirkt dies bis heute als Schutzwall. Die EZB erklärt sich mit OMT unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Dass die Euro-Schuldenkrise trotz des Griechenland-Dramas nicht wieder hochschwappt, liegt aber auch an den Ländern selbst. Eurostaaten wie Spanien, Portugal und Irland, die ebenfalls Hilfe von den internationalen Geldgebern erhalten haben, können sich nicht zuletzt dank ihrer Reformen und der Wirtschaftserholung zu rekordniedrigen Zinsen refinanzieren.

Im Ex-Krisenland Spanien beispielsweise wuchs die Wirtschaft zu Jahresbeginn so stark wie in keinem anderen Euroland, so die dpa. Auch Zypern, das Griechenland kulturell und sprachlich sehr nah steht, scheint das Schlimmste hinter sich gelassen zu haben. Deshalb konnten die Anfang 2013 eingeführten Kapitalverkehrskontrollen in diesem Jahr aufgehoben werden.

Zu den größten Ansteckungseffekten, also massiv steigenden Zinskosten, kam es in den Jahren 2011 und 2012 in Italien. Davon ist jetzt wenig zu spüren. Auch das hat seine Gründe: «Italien ist jetzt in einem besseren Zustand als vor der Krise», sagt Berenberg-Ökonom Schmieding. Die Arbeitsmarktreform von Premierminister Matteo Renzi sei für das Land ein Durchbruch gewesen. Renzi sagte der Zeitung «Il Sole 24 Ore», Italien sei aus der Schusslinie: «In der Vergangenheit gehörten wir zu den Problemen, jetzt zu denjenigen, die sie zu lösen versuchen.»

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