Türkei: PKK greift erneut Stützpunkt an, Militär verhält sich ruhig

Die PKK hat am Dienstagabend erneut einen Militärstützpunkt der Türkei angegriffen. Es handelt sich offenbar um eine Provokation, um die Türkei zu einer Überreaktion zu drängen. Doch die wird allem Anschein nach ausbleiben. Das dürfte die Befürworter eines türkisch-kurdischen Bruderkriegs traurig stimmen.

Die PKK will die Türkei zu einer Überreaktion provozieren. (Screenshot)

Die PKK will die Türkei zu einer Überreaktion provozieren. (Screenshot)

In der türkischen Provinz Hakkari soll die Terror-Organisation PKK den Militärstützpunkt Dağlıca
angegriffen haben. Tote oder Verletzte habe es nicht gegeben, meldet die Zeitung Hürriyet.

In den vergangenen Wochen ist es immer wieder zu Angriffen gegen türkische Stützpunkte gekommen.

Erstaunlich ist: Die PKK hat bei den Angriffen eine Weile auf die Stützpunkte geschossen oder mit Raketenwerfern attackiert und ist anschließend wieder abgezogen. Nun kennt sich die PKK in der Gebirgsregion des Kandil-Gebirges sehr gut aus. Bei offenen Gefechten hätte die Organisation keine Chance gegen das Militär. Allerdings hätte sie den Dağlıca-Stützpunkt auch ohne Probleme von den Anhöhen durchgehend mit Raketenwerfern angreifen können.

Denn der Dağlıca-Stützpunkt liegt nicht am höchsten Punkt der Gegend. Das hat die PKK aber nicht gemacht. Somit kann das Ziel der Angriffe nicht die Tötung von türkischen Soldaten gewesen sein. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Streitkräfte zu einer Überreaktion provoziert werden sollen. Denn Dienstagabend hat das PKK-nahe Blatt Özgür Gündem gemeldet, dass die türkische Luftwaffe als Reaktion auf den PKK-Angriff auf den Stützpunkt das Kandil-Gebirge bombardiert habe. Damit sei der Waffenstillstand zwischen dem türkischen Staat und der PKK gebrochen worden, so die Terror-Organisation. Doch die türkische Luftwaffe hat diese Meldung dementiert.

Erschwerend hinzu kommt, dass mittlerweile nicht klar ist, wer nun das Sagen innerhalb der PKK hat. Der inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan hat immer wieder deutlich gemacht, dass er einen Waffenstillstand anordnet. Doch innerhalb der PKK gibt es einen Flügel, der behauptet, dass Öcalans Worte nicht mehr maßgeblich seien.

Dieser Flügel glaubt, dass die Passivität des türkischen Militärs ein Anzeichen der Schwäche ist. Eine eklatante Fehleinschätzung. Denn es geht dem türkischen Staat um die Lösung des Kurdenproblems. Das kann nicht militärischen Mitteln gelöst werden.

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