Win-Win-Strategie: So könnten Türken die Griechen retten

Der türkische Wirtschaftsexperte Dr. Ahmet Refii Dener schlägt derzeit eine unorthodoxe Maßnahme vor, wie die Türken dem griechischen Nachbarstaat aus der Krise helfen könnten. Seiner Ansicht nach solle sich jeder Türke in Griechenland ein Grundstück kaufen. Das wäre eine echte Win-Win-Situation. Neu ist der Ansatz allerdings nicht. Ähnliche Ideen sorgten bereits 2012 für Verstimmung bei griechischen Diplomaten.

Überwindung der Krise einfach gemacht? Jeder Türke kauft ein Grundstück in Griechenland. (Foto: Flickr/Loutro Village by Miguel Virkkunen Carvalho CC BY 2.0)

Überwindung der Krise einfach gemacht? Jeder Türke kauft ein Grundstück in Griechenland. (Foto: Flickr/Loutro Village by Miguel Virkkunen Carvalho CC BY 2.0)

Wie Griechenland gerettet und davon profitiert werden könne, ist nach Ansicht von Dr. Ahmet Refii Dener schnell erklärt. In seinem Blog gibt er einen ungewöhnlichen Denkanstoß zur akuten Finanzkrise in Griechenland. Zuvor hatte sich bereits die türkische Politik solidarisch mit dem Nachbarstaat geäußert.

„Jeder Türke geht hin und kauft sich in Griechenland ein Grundstück. So viel oder so wenig, wie er sich leisten kann. So fließt Geld nach Griechenland. Die Griechen bekommen die  finanziellen Probleme in den Griff. Durch die Landzukäufe gehört dann Griechenland den Türken. So wie das mit der Sponsoring beim Sport läuft, wird der Sponsor vorneweg genannt : ‚Türkisch – Griechenland’”, erläutert er seine Win-Win-Strategie.

„Na ja, ganz gleichmäßig sind die Vorteile und die Nutzen nicht verteilt, ich weiß, aber wir werden so tun, als wären sie gerecht verteilt. Wenn das alles so funktioniert hat, dann ist die Türkei in der EU und Griechenland gerettet. Die Griechen haben dann nichts davon, aber darum geht es ja auch nicht. Es geht um die richtige Umsetzung der Win-Win-Strategie.”

Neu ist Deners wahrscheinlich nicht ganz ernst gemeinter Ansatz übrigens nicht. In abgewandelter Form wurde er schon vor einigen Jahren eingeworfen. Christoph Leitl, Präsident der österreichischen Wirtschaftskammer, erklärte bereits Anfang 2012, Griechenland solle auf Staatsterritorium zugunsten der Türkei verzichten. Das wäre ein großes Zeichen der Dankbarkeit gegenüber Europa, meint er. Nebenbei wäre so auch endlich der Zypern-Konflikt gelöst, so die Ansicht Leitls. Sein Masterplan zum überwinden der Krise lautete schon damals: Griechenland soll „abgelegene, unbewohnte Inseln“ einfach an die Türkei verkaufen (mehr hier).

Ob damit genügend Geld in die griechische Staatskasse fließen könnte? Das glaubte auch er nicht. „Es geht um die Symbolik: dass ein Land, das dringend Hilfe braucht, bereit ist, ein Stückchen seiner Souveränität abzugeben“, argumentierte er.

Die griechische Botschaft in Wien bezeichnete den Vorschlag Leitls zu jener Zeit jedoch als „Witz schlechter Qualität“ und als „Kakophonie“. „Weil Österreich keine Inseln hat“, lasse sich Leitl zu solchen Aussagen hinreißen, zitierte diePresse aus einer schriftlichen Stellungnahme der Botschaft.

Doch Leitl hielt daran fest, dass die Anti-Griechenland-Stimmung in Europa so besänftigt werden könne, auch wenn sich die Türkei gar nicht am EU-Rettungsschirm beteilige. Als Ausweg aus der Krise sehen allerdings viele Griechen einen Job in der Türkei (mehr hier). „Der Verzicht auf Teile der eigenen Souveränität wäre ein Zeichen der Dankbarkeit für die Hilfe“, betonte er.

Nebenbei hätte der Insel-Verkauf noch einen weiteren Vorteil. Leitl meinte: „Langfristig sehe ich eine sehr wichtige Konvergenz zwischen der EU – also Griechenland – und der Türkei. Man könnte mit einer solchen Geste vielleicht sogar den Zypern-Konflikt lösen.“ Der griechische Botschafter in Wien, Themistoklis Dimidis, zeigte sich äußerst verstimmt nach den naiven Ratschlägen des Wirtschaftskammer-Präsidenten. „Sicher ist, dass das griechische Volk vorziehen würde zu hungern statt auch nur auf ein Stück seines Territoriums zu verzichten“, erklärte er.

Die zugespitzte Lage im Nachbarstaat Griechenland lässt derzeit auch die türkische Politik nicht kalt. In seiner ersten Ansprache seit den Parlamentswahlen am 7. Juni sendete Premier Ahmet Davutoğlu nun ein Signal gen Athen. Ankara werde alles tun, um das Land in der akuten Finanzkrise zu unterstützen.

Wir sind bereit, in Bezug auf die Zusammenarbeit im Tourismus, Energie und Handel das zu tun, was uns möglich ist“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den türkischen Premier Davutoğlu. Außerdem soll ein Kooperationsrat mit Griechenland auf höchster Ebene einberufen werden, sobald die neue Regierung in der Türkei stehe.

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hat inzwischen mit seinem griechischen Amtskollegen, Nikos Kotzias, gesprochen. Beide hätten sich über griechische Wirtschaftskrise und die bilaterale Zusammenarbeit ausgetauscht, so das Blatt weiter. Nach Angaben des griechischen Außenministeriums habe das Treffen in einer sehr „warmen Atmosphäre“ stattgefunden. Herr Çavuşoğlu habe Herrn Kotzias die Solidarität des türkischen Volkes und der politischen und Staatsführung der Türkei versichert.

Der türkische Abgeordnete der HDP, Ertuğrul Kürkçü, hat am Montag unterdessen vorgeschlagen, dass die Türkei die griechischen IWF-Kredite in Höhe von 1,6 Milliarden Euro, welche am Dienstag fällig werden vollständig übernehmen soll. „Das ist die größte Hilfe, die wir unserem Nachbarn bieten können. Entweder wir übernehmen Griechenlands Kredit oder aber wir vergeben einen zinslosen Kredit an die Griechen, damit sie ihren Verpflichtungen nachkommen können“, zitiert CNN Turk Turk Kürkçü.

Der HDP-Abgeordnete ist der Ansicht, dass insbesondere Deutschland, der IWF und die EZB Griechenland nicht helfen, sondern die eigenen Kredite sichern möchte. Kürkçü wörtlich: „Dies verstößt gegen die Prinzipien der EU. Die EU hat eine Pflicht, Griechenland zu retten. Wenn Griechenland untergehen sollte, wird das sowohl den Euro als auch die EU in große Schwierigkeiten bringen.

Die griechische Regierung hatte am Montag gemeldet, dass sie den IWF-Kredit nicht zurückzahlen werde. IWF-Chefin Christine Lagarde muss die Nichtbezahlung innerhalb einer bestimmten Frist bestätigen. Anschließend hat der IWF 30 Tage Zeit, die Nicht-Zahlung zu konstatieren, berichtet Reuters. Dann könnte es bis zu drei Monaten dauern, bis man sich auf ein bestimmtes Procedere einigt.

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