Istanbuler Verkehr macht erfinderische Unternehmer reich

Mobile Anwendungen für das Handys machen das Leben leichter - vor allem wenn es um den Verkehr in der türkischen Millionenstadt Istanbul geht. Findige Köpfe, die die geplagten Verkehrsteilnehmer mit ihren digitalen Lösungen unterstützen, machen derzeit mächtig Umsatz. Zu Recht - denn weltweit ist nur in Moskau der Verkehr noch dichter.

Pfiffige Lösungen für den Istanbuler Verkehr sind gefragt. (Foto: Flickr/ by Bev Sykes CC BY 2.0)

Pfiffige Lösungen für den Istanbuler Verkehr sind gefragt. (Foto: Flickr/ by Bev Sykes CC BY 2.0)

In jüngster Zeit sind zahlreiche Anwendungen entwickelt worden, die den Verkehrsteilnehmern in Istanbul behilflich sein sollen. Die Anwendungen reichen von der optimierten Taxisuche, über das Erstellen mobiler Unfallberichte, das schnellere Finden eines Parkplatzes, bis hin zur Anzeige der Verkehrsdichte.

Die Anwendungen haben die entsprechenden Software-Entwickler reich gemacht. Nach Angaben des türkischen Patentamtes seien in den vergangenen vier Jahren 715 Patentanmeldungen im Gesamtwert von 24,29 Millionen US-Dollar eingegangen, so die türkische Zeitung Sabah. Die interessantesten Anwendungen seien nach Ansicht der Zeitung die Folgenden:

Parkvar (Parkplätze vorhanden): Benutzer können den Ort, an dem sie ihre Fahrzeuge abstellen, mit anderen Menschen, die Parkplätze suchen, teilen.

Akıllı güzergâh (Smarte Strecke): TRAFI Türkei, ist für den öffentlichen Verkehr bestimmt und bietet Routen an, so dass der Benutzer leicht von Punkt A nach Punkt B kommt.

Mobil kaza tutanağı (Mobiler Unfallbericht): Mehr als 36 Stunden vergeudete Zeit dank des Umgangs mit der türkischen Bürokratie werden dank dieser App verhindert.

Radara yakalanma (nicht vom Radar erwischt): Başarsofts App namens „Safe Driving Guide“ sendet Informationen über Radarstellen, Verkehrsdichte, Straßenarbeiten, Unfälle und Naturereignissen auf das Handy.

Takis: Ein Taxifahrer auf der Suche nach einem Kunden und Kunden auf der Suche nach einem Taxi treffen sich in Echtzeit dank der BiTaksi App, die einen Hauch von frischer Luft in den Istanbuler Verkehr gebracht hat. Die Kunden können mit ein Taxi durch einfaches Klicken auf eine Schaltfläche in der App aufrufen und das Ganze in bar oder per Kreditkarte, BKM Express, PayPal oder Mobile Payment bezahlen.

Pfiffige Lösungen für den Istanbuler Verkehr lohnen sicherlich auch weiterhin. In einer Studie des Anbieters von Navigationsprodukten und -diensten TomTom kommt die türkische Millionenstadt Istanbul 2013 weltweit auf Platz zwei, was ihre Verkehrsdichte angeht. Heftiger geht es derzeit nur in Moskau zu.

Im Schnitt benötigen Istanbuler Autofahrer für eine Strecke rund 55 Prozent mehr an Zeit, als sie dafür eigentlich einkalkulieren müssten. Und das selbst während der ruhigeren Verkehrszeiten. Während der klassischen Stoßzeiten steigt die Staurate dann noch einmal deutlich an. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Insgesamt hat TomTom die Situation in 120 Städten weltweit unter die Lupe genommen. Ausgewertet wurden die Staus in den Städten zu unterschiedlichen Zeiten des Tages und an verschiedenen Tagen der Woche. Besonders schlimm ginge es in Istanbul demnach in den Morgenstunden zu – dann steige die Staurate auf 80 Prozent. Noch heftiger sei die Situation allerdings am Abend. Dann komme es zu Überlastungsraten von 125 Prozent. Methodisch wurden Reisezeiten während der Nicht-überlasteten Perioden mit Fahrtzeiten zu Stoßzeiten verglichen. Die Differenz wurde dann als prozentuale Zunahme der Fahrtzeit ausgedrückt. Berücksichtigt wurden dabei örtlichen Straßen, Hauptverkehrsadern und Autobahnen.

Alle Daten basieren auf tatsächlichen GPS-basierten Messungen. Im Schnitt würden die Menschen in der Stadt jährlich ganze 118 Stunden im Straßenverkehr stecken.

Getoppt wird Istanbul nur von einer russischen Megacity. In Moskau liegt die durchschnittliche Verlängerung der Reisezeit nicht bei 55, sondern gar bei 66 Prozent. Auf den nachfolgenden Rängen finden sich Warschau, Marseille und Palermo.

In der Studie wurde die gesamte Netzlänge der Verkehrswege in Istanbul auf rund 2.000 Kilometer berechnet. Autobahnen machten 401 km aus während einfache Straßen mehr als 1.600 Kilometer des Netzes bestritten. Die Studie umfasse 99,5 Prozent der gesamten Stadt, so TomTom Türkei-Manager Enis Yücesan. Seiner Ansicht nach liege die Lösung des Verkehrsproblems nicht in der Verbindung zwischen den beiden Kontinenten, sondern eher im Anschluss von Straßen auf der asiatischen Seite. Derzeit arbeitet Istanbul bereits an einigen Großprojekten, darunter etwa ein Kanal für Autos, der unter dem Bosporus hindurch führt. Auch eine dritte Brücke soll entstehen. Die Zeit drängt. Denn in Istanbul kommen derzeit täglich mehr als 800 neue Fahrzeuge hinzu (mehr hier).

Mitte Oktober 2012 hatte TomTom die Ergebnisse seines so genannten Congestion Index vorgestellt, der die Situation in europäischen Städten zwischen April und Juni 2011 untersuchte. Die türkische Metropole nahm in dieser Staustudie den Spitzenplatz ein. Nirgendwo war der Verkehr so dicht wie am Bosporus (mehr hier).

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