Mehr als 50 Millionen Dollar investiert: Araber haben ihr Herz an den Norden der Türkei verloren

Personen aus arabischen Ländern haben in diesem Jahr immens auf dem türkischen Immobilienmarkt zugeschlagen. In der Schwarzmeer-Provinz Ordu gaben sie 2015 bereits 50 Millionen US-Dollar aus. Im Vergleich zum Vorjahr ein dramatischer Anstieg.

Idylle ade? Ordu lockt mittlerweile zunehmend arabische Investoren an. (Foto: Flickr/Ordu by Christine und Hagen Graf CC BY 2.0)

Idylle ade? Ordu lockt mittlerweile zunehmend arabische Investoren an. (Foto: Flickr/Ordu by Christine und Hagen Graf CC BY 2.0)

Der Gouverneur von Ordu, İrfan Balkanlıoğlu, kann zufrieden sein. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurde seine Region bereits von mehr als 300.000 Arabern besucht. Und diese schlugen kräftig zu. Die offenbar betuchten Kunden erwarben Immobilien im Wert von 50 Millionen US-Dollar.

Wir konnten einen schnellen Anstieg bei der Zahl der arabischen Investoren und Touristen in diesem Jahr auf Ordu beobachten, vor allem nach der Eröffnung des ersten europäischen Flughafens auf einer künstlichen Insel vor Ordu im Mai“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Balkanlıoğlu. Geschuldet sei dies auch der Stadtverwaltung, die bereits damit begonnen habe, intensive Werbeaktivitäten im Ausland zu installieren. So seien auf Einladung der Stadtverwaltung im vergangenen Monat zahlreiche Medienvertreter aus Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, Oman, Libanon, Ägypten und Marokko in der Stadt zu Gast gewesen.

 „Dank der zusätzlichen Werbeaktivitäten hat sich die Zahl der arabischen Touristen in Ordu von insgesamt 15.000 im Jahr 2014 auf 30.000 in diesem Jahr erhöht. Araber haben zudem Immobilien im Wert von 50 Millionen Dollar in Ordu erworben und wir erwarten einen weiteren Anstieg der Verkäufe in den kommenden Monaten“, so Balkanlıoğlu weiter.

Der Grund für die frühe Nachfrage liegt auf der Hand: Die ausländischen Investoren wollen die Gunst nutzen und zuschlagen, bevor die Preise nach der Flughafeneröffnung vermutlich rasant ansteigen. Besonders interessant seien den türkischen Medien zufolge die Bezirke Akkuş, Ünye, Fatsa und Kabadüz. Begehrt seien aber auch Grundstücke auf dem Cambasi Plateau. Die Lokalregierung rechne bis Ende des Jahres mit mindestens 700 allein an Araber verkaufte Häuser (mehr hier).

Erst im vergangenen Mai wurde der erste auf dem Wasser gebaute Flughafen Europas in der  Türkei eröffnet (mehr hier). Der Multi-Millionen-Dollar Flughafen Ordu-Giresun (Ordu-Giresun Havalimanı) befindet sich vor der türkischen Schwarzmeerküste. Die Anlage ist der mittlerweile 52. türkische Flughafen.

Der für den Flughafen betriebene Aufwand ist immens. Rund 35 Millionen Tonnen Gestein wurden verwendet, um die gut 1,8 Millionen Quadratmeter große Fläche im Meer aufzufüllen. Um Beschädigungen des Flughafens durch schweren Seegang zu vermeiden, sei State-of-the-art-Technologie verwendet worden, so Balkanlioglu. Um eine komfortable Abreise- und Landung auf der 3000 Meter langen und 45 Meter breiten Piste zu bieten, sei überdies ein besonderes Material namens Splittmastixasphalt verwendet worden. Dieser besteht aus einem Gesteinsgemisch mit einem hohen Anteil an Edelsplitt, Polymerbitumen und stabilisierenden Zusätzen für das Bitumen. Sein Einsatz verspricht eine lange Lebensdauer und eine große Verformungsbeständigkeit der von ihm befahrenen Oberfläche. Das gesamte Flughafengebiet wird über sieben Kilometer lang und fast einen Kilometer breit sein.

Der Bau der künstlichen Insel, die etwa 360 Millionen Türkische Lira, umgerechnet 132.600.000 Dollar, gekostet hat, begann im Juli 2011. Dem Gouverneur zufolge mache der auf die See ausgelagerte Flughafen durchaus Sinn. Ein Bau auf dem Festland hätte demnach höhere Kosten verursacht. Details für seine These nennt das Blatt allerdings nicht.

 

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