Ein Fall für den Bundesgerichtshof: Eltern bringen schwerkrankes Kind jahrelang nicht zum Arzt

Trotz unheilbarer und schwerer Krankheit bekam ein Kind von seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten keine Medikamente. Auch zum Arzt gingen sie nicht mit ihm. Drei Jahre sollen die beiden dafür ins Gefängnis. Nun beschäftigt sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall.

Meditation statt Medizin: Drei Jahre lang sollen eine Mutter und ihr Lebensgefährte mit einem schwerkranken Kind nicht zum Arzt gegangen sein und ihm keine Medikamente gegeben haben. Sie waren der Ansicht, dass man dem Jungen, der die Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose hat, auch mit anderen Mitteln helfen könne: Sie ließen den damals Zwölfjährigen etwa meditieren.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte die Frau und den Mann deswegen vor knapp einem Jahr wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen zu drei Jahren Haft verurteilt. Am Dienstag (7. Juli) wird der Fall vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt.

Der Angeklagte war als «Guru von Lonnerstadt» bekanntgeworden. Das Landgericht konnte seine Zugehörigkeit zu der Sekte «Neue Gruppe der Weltdiener» jedoch nicht beweisen. Er und seine Lebensgefährtin betonten, dass sie Begriffe wie «Guru» und «Sekte» als diffamierend empfinden; er bezeichnete sich als «Lehrer der zeitlosen Weisheit». Auch die Landgerichts-Kammer sah eine Vorverurteilung und Ächtung durch die Medien und berücksichtigte dies als strafmildernd.

Dennoch war sich der Vorsitzende Richter sicher, dass das Kind ohne Behandlung gestorben wäre. Von November 1999 bis Dezember 2002 soll der Junge keine Medikamente bekommen haben, so die dpa. Stattdessen hielten die Angeklagten das Kind zum Meditieren an. Zudem musste der Junge immer wieder fasten, obwohl bei Mukoviszidose eine kalorienreiche Ernährung nötig ist.

Die Angeklagten hätten es dem Kind überlassen, ob es Medikamente nimmt oder zum Arzt geht, sagte der Richter. Dabei hätten sie selbst dafür sorgen müssen. Bei Mukoviszidose verstopfen die Atemwege in der Lunge, die Ausführungsgänge an der Bauchspeicheldrüse und die Gallenwege mit zähem Schleim. Schließlich wog das Kind nur noch knapp 30 Kilogramm – 20 Kilo weniger als für seine Größe normal. Als er 15 Jahre alt war, floh der Sohn zu seinem leiblichen Vater.

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