Türkische Gold-Importe gehen um fast 95 Prozent zurück

Im Vergleich zum Juni 2014 sind die türkischen Gold-Importe in diesem Juni um satte 94,4 Prozent zurückgegangen. Zuletzt erreichten das Land noch 1,35 Tonnen. Das waren noch einmal 18,1 Prozent weniger als im Mai 2015.

Insgesamt seien im ersten Halbjahr 2015 nur noch rund 11,33 Tonnen Gold in die Türkei importiert worden. (Foto: Flickr/ NBP Gold by Giorgio Monteforti CC BY 2.0)

Insgesamt seien im ersten Halbjahr 2015 nur noch rund 11,33 Tonnen Gold in die Türkei importiert worden. (Foto: Flickr/ NBP Gold by Giorgio Monteforti CC BY 2.0)

Noch im Juni 2014 importierte die Türkei 24 Tonnen Gold. Zurückzuführen sei das auf einen dramatischen Anstieg der Goldnachfrage während der letztjährigen Hochzeitssaison gewesen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres, sah das offenbar ganz anders aus. Die Gold-Exporte, etwa nach Großbritannien, erreichten hingegen Spitzenwerte.

Insgesamt seien im ersten Halbjahr 2015 nur noch rund 11,33 Tonnen Gold in die Türkei importiert worden. Das entspräche einem Rückgang von 77,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, so die türkische Zeitung Hürriyet unter Bezug auf Daten der Borsa Istanbul. 2014 hätten die Goldimporte noch bei 131,3 Tonnen gelegen. Doch schon zu jener Zeit sei ein Rückgang von gut 57 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2013 verzeichnet worden.

2013 gehörte die Türkei in die Top 20 der weltweiten Träger von Goldreserven. Um 13 Tonnen erhöhte die Türkei im Dezember 2013 ihre Goldreserven. Dies entsprach einem Zuwachs von 2,6 Prozent. Mit ihrem offiziellen Bestand von 503,2 Tonnen Gold stand die Türkei damit auf Platz 12 der Rangliste des World Gold Council (WGC), noch vor der EZB auf Platz 13. Gold hatte damit einen Anteil von 16 Prozent der türkischen Reserven.

Grund für den Anstieg war der gestiegene Bedarf an Zentralbank-Anleihen. Die türkische Zentralbank akzeptiert seit 2011 die Hinterlegung von Gold als Sicherheit für solche Anleihen, wie die Financial Times berichten. Mithilfe solcher Anleihen stützen türkische Banken die Spareinlagen ihrer Kunden.

Doch die Gold-Offensive hatte noch einen ganz anderen Grund. Die Türkei brauchte das Gold, um es gegen iranisches Gas einzutauschen. Durch das Embargo gegen den Iran war der Türkei der Handel mit Geld nicht möglich. Die Türkei unterlief das Embargo, indem sie ihre Verbindlichkeiten gegenüber iranischen Gasanbietern mit Gold beglich (mehr hier). Laut einem Bloomberg-Bericht von 2014 soll die Türkei nach 2013 insgesamt 200 Tonnen Gold in den Iran geliefert haben, so goldreporter.de.

Während die Importe 2015 deutlich zurückgingen, stand es um die Gold-Ausfuhren völlig anders. „Die Goldexporte der Türkei haben einen Rekordwert erreicht. Im Falle von Großbritannien sind die Goldexporte sogar um das Hundertfache gestiegen“, meldete das Fachblatt Gold in diesem April. Demnach habe die Türkei in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres eine Gesamtmenge von 13,5 Tonnen Gold in Form von Barren nach Großbritannien exportiert. Im selben Zeitraum 2014 seien lediglich 108 Kilogramm Gold in Form von Barren nach Großbritannien exportiert worden. Das entspräcche einer Steigerung um mehr als das Hundertfache.

„Der Wert der Goldexporte nach Großbritannien im Zeitraum Januar bis Februar wird den Angaben zufolge auf rund 545 Millionen Dollar geschätzt. Im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor waren es lediglich 5 Millionen Dollar. Auch beim Wert der Goldexporte fällt damit der Anstieg mehr als hundertfach aus.“ Großbritannien sei damit nach der Schweiz der zweitwichtigste Abnehmer für die Goldexporte der Türkei. Die steigende Nachfrage in Großbritannien nach Gold in Form von Barren habe vor allem mit der Abwertung einiger wichtiger Währungen, einschließlich des Euro, zu tun, zitiert das Blatt Arif Ünser, Präsident des Verbandes Türkischer Kapitalmarktanleger (SPYD).

„Nicht ganz überraschend ist die Schweiz der größte Abnehmer der türkischen Goldexporte. Zwei Drittel der Goldexporte der Türkei mit einem Wert von fast zwei Milliarden Dollar flossen in den ersten zwei Monaten des Jahres in die Alpenrepublik. Gegenüber demselben Vorjahreszeitraum entspricht das einer Steigerung von mehr als 170 Prozent“, so das Portal abschließend.

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