In syrischer Hand: Die Türkei gehört nicht länger den Türken

Der seit Jahren tobende Bürgerkrieg in Syrien hat nicht nur massenhaft Flüchtlinge in die Türkei getrieben. Auch findige Geschäftsleute aus dem Nachbarstaat sind ins Land gekommen und spielen nun eine entscheidende Rolle. Ein türkischer Wirtschafts-Experte warnt: Die Türkei gehöre nicht mehr den Türken und niemand habe es gemerkt.

Mischen Syrer derzeit zu sehr im türkischen Geschäftsleben mit? (Foto: Flickr/ Piercing The Crowd by Miguel Virkkunen Carvalho CC BY 2.0)

Mischen Syrer derzeit zu sehr im türkischen Geschäftsleben mit? (Foto: Flickr/ Piercing The Crowd by Miguel Virkkunen Carvalho CC BY 2.0)

Der Türkei-Fachmann Dr. Ahmet Refii Denner vertritt derzeit eine provokante These. In einem aktuellen Blogbeitrag mahnt er, wenn auch überspitzt: „Das Land ist unbemerkt von den Syrern besetzt worden.“ So schlimm das Flüchtlingsdrama auch sei, nun gelte es, Prioritäten zu setzen.

Der Wirtschaftsexperte fasst die derzeitige Situation in der Türkei wie folgt zusammen:

„Nach dem die Schlüsselindustrien der Türkei in ausländischer Hand sind, musste man noch dafür sorgen, dass das Kleinunternehmertum auch noch den Türken weggenommen wird. Dieses passiert momentan. Die Ordnungshüter lassen sie überall agieren und die Syrer tun es. Warum der Erdogan den Syrern von Anfang an diese Freiheiten gelassen hat, ist kaum zu verstehen.“

Mittlerweile würde auch der Dachverband der Händler und der Kunsthandwerker (TESK) Alarm schlagen. Über zwei Millionen Syrer seien im türkischen Geschäftsleben „schwarz“ aktiv. Wie dramatisch das in den Augen Denners tatsächlich ist, belegt er sogleich. Wenn man berücksichtige, dass 1,7 Millionen türkische Händler und Kunsthandwerker in der Türkei aktiv seien, könne man seiner Meinung nach durchaus von einer Eroberung des Marktes durch die Syrer sprechen. Für ihn steht fest: „Nichts wird mehr so sein wie früher.“

Probleme gebe es ihm zufolge auch im Taxi- und Transport-Geschäft. Syrische Bürger kämen mit ihrem PKW bzw. LKW in die Türkei und würden hier ohne Anmeldung und ohne die Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen ihre Dienste anbieten. Abgaben dafür würden sie ebenfalls nicht entrichten. „Mersin, Adana, Konya und Sanliurfa können ein Lied davon singen. Es vergeht kein Tag ohne Schlägereien zwischen den türkischen und syrischen Taxifahrern.“ Darüber hinaus berichte der TESK-Verbandspräsident von 200 Tante-Emma-Läden, die allein in Ankara schwarz von den Syrern betrieben würden. Doch niemand würde etwas dagegen unternehmen.

Das Fazit Denners fällt eindeutig aus. Ihm sind seine Landsleute viel zu gleichgültig:

„Türkei gehört nicht mehr den Türken und keiner hat es gemerkt. Die meisten Schlüsselindustrien haben ausländische Mehrheitsgesellschafter oder sind ganz in ausländischer Hand. Der Ausverkauf geht weiter. Die Invasion der syrischen Flüchtlinge wird die Kleinbetriebe ebenfalls in die ausländischen Hände treiben.“

Andere Eindrücke hat die DTN jedoch bereits vor einiger Zeit in den südtürkischen Städten Mersin und Adana sammeln können. Die türkischen Händler und Einkaufsmärkte zeigten sich hier hoch erfreut über die gut betuchten „Gäste“ aus dem Nachbarstaat, die investierten und sich äußerst spendabel zeigten. Auch weniger wohlhabende Flüchtlinge waren als billige Arbeitskräfte durchaus willkommen (mehr hier).

Bereits seit Jahren gibt es zudem Berichte, wie sich qualifizierte Syrer in der Türkei einbringen, um die eigene Situation zu verbessern und die Gastgeber zu entlasten. Das verschafft finanzielle Sicherheit und gibt den Flüchtlingen etwas Entscheidendes, nämlich ihre Würde zurück (mehr hier).

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