Platz für 55.000 Menschen: Türkei baut neues Flüchtlingscamp

Der türkische Katastrophenschutz (AFAD) arbeitet momentan an einem neuen Flüchtlingscamp in der Grenzstadt Kilis. Die neue Anlage soll Platz für weitere 55.000 Menschen bieten. Auch vier Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs reißt der Flüchtlingsstrom nicht ab - im Gegenteil.

Startet IS eine neue Offensive, droht ein gigantischer Flüchtlingsstrom in die Türkei. (Foto: Flickr/ Syrian children who fled by Freedom House CC BY 2.0)

Startet IS eine neue Offensive, droht ein gigantischer Flüchtlingsstrom in die Türkei. (Foto: Flickr/ Syrian children who fled by Freedom House CC BY 2.0)

Seit Anfang 2011 hat die Türkei bereits rund zwei Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Nun muss das türkische Katastrophenschutzministerium (AFAD) noch einmal an den Kapazitäten schrauben. Rund 278.000 Flüchtlinge werden in 25 Lagern meist in Grenzprovinzen der Türkei versorgt. Jetzt wird Platz für weitere 55.000 geschaffen.

Dem AFAD zufolge könnten im Falle eines Angriffs der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Grenzregion Azaz binnen 24 Stunden 100.000 Flüchtlinge über die Grenze strömen. Aus diesem Grund habe man sich zum Bau eines weiteren Camps entschlossen, so die türkische Zeitung Hürriyet. Der Bau der neuen Anlage wurde durch den AFADVorsitzenden Fuat Oktay bestätigt.

AFAD-Vorbereitungen folgen einer strategischen Risikobewertung durch den Nationalen Sicherheitsrat (MGK) in der vergangenen Woche, der sich in einem Meeting über die Zusammenarbeit zwischen dem Assad-Regime und IS ausgestauscht hatte. Demnach habe das Regime der Terrormiliz den Weg geebnet, um die Kontrolle über den Norden von Aleppo zu erlangen. Seit Mitte Juni habe es nun immer wieder Luftangriffe gegeben. Die größte Bedrohung für die Türkei bestünde dem Blatt zufolge nun in der Tat in einer IS-Offensive, die einen massiven Zustrom von Flüchtlingen aus der gesamten Region – immerhin Heimat von 4,5 Millionen Menschen, nach sich ziehen könnte.

Ein solcher Flüchtlingszufluss erschreckt uns. Das wäre ein großes Risiko auf unserer Seite, auch wenn wir die hierfür nötigen Kapazitäten haben“, heißt es gegenüber der Zeitung. In der Tat ist die Lage gerade in Kilis schon jetzt sehr angespannt. Die 108.000 Einwohner starke Stadt beherbergte insgesamt bereits 123.000 Syrer. Das Zusammenleben verbessern will der Katastrophenschutz vor allem durch Bildungsprogramme für die Flüchtlinge. So gebe es dem AFAD-Vorsitzenden zufolge ein enormes Interesse unter den Flüchtlingen die türkische Sprache zu lernen. Der Zustrom auf entsprechende Kurse sei gigantisch und kaum zu bewältigen.

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