Ausländische Investoren verwirklichen wieder mehr Projekte in Deutschland

Im vergangenen Jahr haben ausländische Investoren die Zahl ihrer Projekte in Deutschland wieder deutlich erhöht. Ein Trend der sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres fortgesetzt hat. Zumal auch Unternehmenseinkäufe im Fokus stehen. Viele der Käufer kommen aus den USA, der schwache Euro beflügelt das Kaufinteresse. Von besonderem Interesse ist derzeit Baden-Württemberg.

2014 ist die Zahl der von ausländischen Investoren geschaffenen Projekte weiter gestiegen. Das führte auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. (Grafik: EY)

2014 ist die Zahl der von ausländischen Investoren geschaffenen Projekte weiter gestiegen. Das führte auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. (Grafik: EY)

Finanzinvestoren geben in Deutschland wieder mehr Geld für Unternehmenskäufe aus. Im ersten Halbjahr 2015 erwarben die Private-Equity-Gesellschaften 72 deutsche Unternehmen für zusammen 8,6 Milliarden Euro, wie die Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater von Ernst & Young (EY) errechnet haben. Deutschland ist mittlerweile für Finanzinvestoren einer der drei attraktivsten Standorte weltweit – nur China und die USA sind beliebter.

Damit hielt sich der Wert der Käufe und Verkäufe zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren wieder die Waage, wie es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie heißt. Zuletzt hatten die Finanzinvestoren sich vorwiegend bemüht, ihre im Boom vor der Finanzkrise teuer zugekauften Unternehmen wieder zu Geld zu machen.

Nun würden die Private-Equity-Gesellschaften gerne noch mehr Unternehmen in Deutschland kaufen. Die relativ gute Konjunktur und der schwache Euro machten Deutschland für die vor allem in den USA ansässigen Käufer attraktiv. Doch die hohen Preise und die wachsende Konkurrenz durch Käufer aus der Industrie machten es Private Equity schwer, das eingesammelte Geld zu investieren. „Es gibt mehr Liquidität im Markt als Anlagemöglichkeiten“, sagte EY-Partner Alexander Kron. „Den Finanzinvestoren gehen die Ziele aus, während immer weiter Geld in ihre Fonds fließt.“

Daher hofften sie verstärkt darauf, bei Großkonzernen zum Zuge zu kommen, die Sparten oder Tochterfirmen verkauften. Für solche abgespaltenen Konzernteile seien Finanzinvestoren oft die idealen Abnehmer, weil sie Erfahrung mit der Sanierung oder dem Umbau von Unternehmen haben.

Im ersten Halbjahr dominierten allerdings zwei Übernahmen, bei denen ein Finanzinvestor ein Unternehmen an den nächsten weiterreichte. Advent verkaufte die Parfümeriekette Douglas für 2,8 Milliarden Euro an CVC, BC Partners bekam für den Labordienstleister Synlab 1,7 Milliarden Euro von Cinven.

„Deutschland kann in der Fläche gleich mehrere attraktive Standorte vorweisen“, so Peter Englisch von EY. Das sei der Vorteil gegenüber zentraler geführten Ländern wie England oder Frankreich, wo sich die Auslandsinvestitionen vor allem auf die jeweiligen Hauptstädte konzentrieren. „In Deutschland ist unter anderem auf Grund des Föderalismus der Wettbewerb höher – das hält die Immobilienpreise auf einem vergleichsweise vernünftigen Niveau und verteilt die Stärken auf die Regionen.“ Ausländische Investoren realisierten 2014 mit 763 Projekte, neun Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekord.

Vor allem Baden-Württemberg ist für Investoren interessant. Wie eine andere Analyse von EY gezeigt hat, realisierten Investoren im vergangenen Jahr allein in dem Bundesland 224 Projekte. Hessen war das Land mit den meisten Projekten nach Baden-Württemberg (129). „Vor allem Schweizer Investoren halten die Anzahl der Direktinvestitionen in Baden-Württemberg hoch“, so die Analyse. „In 48 Fällen haben sie 2014 in das direkt angrenzende Bundesland investiert – mehr als in allen anderen Bundesländern zusammen.“ Aber auch amerikanische, französische und österreichische Unternehmen haben in Baden-Württemberg mehr investiert als in jedes andere Bundesland.

Unter den Städten war Berlin die beliebteste deutsche Stadt für Investitionen. Im vergangenen Jahr war hier die Zahl der Investitionsprojekte um 220 Prozent gestiegen. Wies Berlin 2013 nur 25 Auslandsinvestitionen auf waren es 2014 hingegen 80. Europaweit waren nur London und Paris noch erfolgreicher beim Buhlen um Direktinvestitionen.

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