Islam: Beliebteste Religion unter jungen Chinesen

Obschon die Regierung zum diesjährigen Ramadan wieder hart durchgriff und es eine historische Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren gibt, ist der Islam derzeit offenbar die beliebteste Religion unter jungen Chinesen. Gleich danach kommt bei den unter 30-Jährigen der Katholizismus. Zu Tage gefördert wurde dieses Ergebnis mittels einer Umfrage des Forschungszentrums an der Renmin Universität in Peking.

Die meisten Gläubigen des Islam gehören ethnischen Minderheiten an. (Foto: Flickr/ reading girl by Ernie CC BY 2.0)

Die meisten Gläubigen des Islam gehören ethnischen Minderheiten an. (Foto: Flickr/ reading girl by Ernie CC BY 2.0)

Der atheistische Staat erkennt derzeit fünf Religionen an. Der Islam hat im Augenblick mit 22,4 Prozent den größten Anteil an Anhängern bei der chinesischen Bevölkerung unter 30 Jahren. Das geht aus einer China Religions-Umfrage eines Forschungszentrums an der Renmin Universität in Peking hervor.

Rund 23,3 Millionen Muslime leben gemäß den Daten des Pew Research Centers von 2010 derzeit in China. Das entspricht gut 1,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bis zum Jahr 2030 werde deren Prognosen zufolge die muslimische Bevölkerung auf rund 30 Millionen an wachsen, so die Newsweek.

Neben dem Islam sind der Katholizismus, Protestantismus, Buddhismus und Taoismus die anderen offiziell anerkannten Religionen in China. Der Katholizismus sei demanch die zweitbeliebteste Religion bei der Gruppe der unter 30-Jährigen gewesen. Die traditionellen chinesischen Religionen Buddhismus und Taoismus waren hingegen die beliebtesten Glaubensrichtungen bei den über 60-Jährigen.

Nach Einschätzung von Wei Dedong, Professor für buddhistische Studien an der Renmin-Universität, sei der Hauptgrund für das Wachstum des Islams unter jungen Chinesen demographischer Natur. Die meisten Gläubigen des Islam gehören ethnischen Minderheiten an. Es ist hier üblich, dass eine Frau mehrere Kinder zur Welt bringt. Diese Kinder würden dann auch Muslime zu werden. Dass ein Erwachsener, der zum Islam konvertiert, ist hingegen sehr selten.

Laut Pew sei die Fruchtbarkeitsrate unter Muslimen in China höher als unter Nicht-Muslimen. Sie hätten im Durchschnitt 1,7 Kindern. Zum Vergleich: Der nationale Durchschnitt läge bei 1,4 Kindern. Das Forschungszentrum habe zudem herausgefunden, dass chinesische Muslime in der Regel weniger gebildet seien und in ländlichen Gebieten lebten, so das Blatt weiter. Dass seien zwei Faktoren, die mit höheren Geburtenraten assoziiert würden.

Der Islam hat eine lange, aber bewegte Geschichte in China. Die Uiguren, eine einheimische ethnische Bevölkerung, die überwiegend muslimisch sind, bewohnen die nordwestlichen Provinz Xinjiang. Allerdings sehen sie sich kulturell näher an den zentralen asiatischen Nationen. Xinjiang wurde im 18. Jahrhundert Teil Chinas. Eine Unabhängigkeitsbewegung wurde von den chinesischen Behörden im Jahr 1949 niedergeschlagen.

Die neueste chinesischen Volkszählung setzt die uigurische Bevölkerung, die in der Region seit Tausenden von Jahren lebt, mit mehr als elf Millionen an. Die Uiguren American Association schätzt allerdings, dass es mehr als 15 Millionen Menschen sind.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben 200 Personen das Generalkonsulat Thailands in Istanbul gestürmt. Die Haupttür und mehrere Fenster wurden zerstört. Zuvor hatte Thailand angekündigt, eine Gruppe von Flüchtlingen mit uigurischem Hintergrund an China auszuliefern.

Im Istanbuler Stadtteil Şişli sind 200 Mitglieder des Ost-Turkestan Maarif Vereins in das Generalkonsulat von Thailand eingedrungen. Beim Eindringen hat die Gruppe einige Fenster des Konsulat-Gebäudes und die Haupttür zerstört, berichtet die Zeitung Hürriyet.

Zuvor hatte die Türkei 173 Uiguren aufgenommen, die aus China nach Thailand geflüchtet waren. Doch 200 Uiguren sollen von Thailand an China ausgeliefert werden. China soll Thailand im Gegenzug einen Kredit über zehn Milliarden Dollar versprochen haben, meldet Aktifhaber.

Am Montag gab das chinesische Konsulat in Istanbul nach Protesten am Wochenende eine Reisewarnung für seine Bürger heraus. Türkische Muslime zeigten sich solidarisch mit den Uiguren, die ihrer Ansicht nach von Peking unterdrückt würden.

Ankara kontaktierte in der vergangenen Woche auch den chinesischen Botschafter. Grund waren Berichte, wonach Uiguren in Xinjiang das Fasten während des Ramadans verboten worden sei. Die chinesische Regierung wies das zurück.

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