Vandalismus an Moschee in Welzheim

Am Abend des 9 Juli gab es einen Angriff auf eine Moschee in Welzheim. Es wurden Hackenkreuze und die Zahl 88 an fast alle Wände und Fenster gesprüht. Nach dem Alphabet ist die achte Zahl ein H, was Heil Hitler bedeuten soll. Die Gemeinde ist geschockt von dem Vorfall.

Unklar bleibt, ob es sich bei den Urhebern der Hakenkreuzschmierereien tatsächlich um Rechte handelt. (Foto: privat)

Unklar bleibt, ob es sich bei den Urhebern der Hakenkreuzschmierereien tatsächlich um Rechte handelt. (Foto: privat)

Die Schmierereien an der Moschee in Welzheim haben die Gemeindemitglieder aufgewühlt. Die Anschlagszahlen auf Moscheen in Deutschland seien erschreckend, und verlangten Handlung, so Muhammed K. in einer Email, die den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegt. Seine Botschaft: Muslime fühlten sich in Deutschland nicht sicher.

Er selbst lebe in der dritten Generation in Deutschland. „Ich bin hier geboren, habe einen akademischen Abschluss und bin voll integriert. Und trotzdem wurde auch ich selber schon aufgrund meiner Herkunft verbal beleidigt“, schreibt er.

Allein in Berlin sei es zu sechs Attacken auf die Sehitlik-Moschee gekommen. Die neue Moschee in Elsenfeld in Bayern sei 2009 mit Schweineblut geschändet worden. „Muslime werden zur Zielscheibe des Hasses: 219 Anschläge gegen Moscheen gab es seit 2001. So steht es in einem aktuellen Schreiben der Bundesregierung auf Anfrage der Linkspartei.
Die Angst der Muslime steigt“, zieht der Schreiber Bilanz.

Nur jeder fünfte Anschlag sei bisher aufgeklärt. Dort, wo ermittelt worden sei, hätten die Recherchen ergeben, dass die Täter aus dem neonazistischen Milieu kämen. Auffallend sei für ihn die Parallele zu den Ermittlungen im Fall des Nationalsozialistischen Untergrunds.
Auch hier sei die Polizei trotz Hinweisen auf eine rassistische Motivation der Spur nicht nachgegangen. Von den zehn Opfern sein neun Migranten und Muslime gewesen. Er fragt: „Wird in Deutschland rechter Terror bewusst verharmlost?“

Unklar bleibt, ob es sich bei den Urhebern der aktuellen Hakenkreuzschmierereien jedoch tatsächlich um Rechte handelt. Die Täter und Drahtzieher sind bislang unbekannt. Eine bewusste Sabotage, um Unruhe und Angst unter Muslimen zu verbreiten, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

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Als 2011 die NSU-Mordserie aufgedeckt worden sei, habe das unter Muslimen in Deutschland einen Schock ausgelöst, der kaum zu überschätzen sei. Damals sei etwas zu Bruch gegangen, was noch lange nicht wieder geheilt sei, so Muhammed K. weiter. Sein Fazit:

„Für viele Muslime waren die Morde und das fragwürdige Versagen der deutschen Behörden der grausame Beweis für eine Gleichgültigkeit, die ihnen hierzulande entgegengebracht wird. Eine Ignoranz, die selten in Freundschaft, aber häufig in Argwohn und Verdächtigungen kippt.Und von wem man sich bedroht fühlt, für dessen brennende Gotteshäuser bringt man offenbar nur schwer Mitgefühl auf. In weiten Teilen der Gesellschaft sei es leider normal geworden, Muslime zu Sündenböcken für eine ganze Reihe politischer und sozialer Missstände zu machen.“

Pediga, Hogesa, NSU, Anschläge auf Moscheen….. Der Islam sei ein Teil von Deutschland, das habe schon damals Ex-Bundespräsident Wulff gesagt. Und selbst die Kanzlerin sage dies. Getan habe sich allerdings nichts.

Die Polizei bittet nun um Hinweise, berichten die Stuttgarter Nachrichten. Gegen 23.22 Uhr habe ein Augenzeuge der Polizei gemeldet, dass mindestens zwei Personen die Moschee beschmierten. Zur Tatzeit sei das Haus gut besucht gewesen. Die Besucher hätten jedoch von der Tat nichts mitbekommen. Die Täter hätten aber bemerkt, dass sie beobachtet wurden und seien vom Tatort geflüchtet.

Insgesamt sollen ander Tat drei Männer beteiligt gewesen sein. „Die Täter sind zwischen 18 und 20 Jahren alt und trugen Kapuzenpullis. Die Polizei bittet um Mithilfe. Hinweise werden unter der Telefonnummer 07181/2040 entgegen genommen.“

Dem Blatt zufolge erklärte der Bürgermeister von Welzheim: „Wir sind beschämt über diese Schmiererei an einem Gotteshaus und stehen an der Seite des türkisch-islamischen Kulturvereins.“ Dessen Vorsitzender, Tuncay Cetin, habe in einer von der Stadt verbreiteten Mitteilung zudem betont, dass er von einem Versuch ausgehe, das harmonische und gute Miteinander in Welzheim zu stören. Die Tat habe aber nichts mit dem Luftkurort mit seinen rund 11.000 Einwohnern zu tun, sondern andere Hintergründe. Man werde auf diese Provokation nicht eingehen, heißt es weiter.

„Der Rems-Murr-Kreis war immer wieder wegen rechtsextremer Vorfälle in den Schlagzeilen. So hatte ein rechter Mob nach einem Grillfest im April 2011 mehrere Opfer türkischer und italienischer Herkunft verfolgt und geschlagen. Bei der Jagd ging eine Gartenhütte in Flammen auf, in die sich fünf Verfolgte geflüchtet hatten“, so die Stuttgarter Nachrichten abschließend.

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