Türkei macht Druck: Thailand sorgt sich endlich um abgeschobene Uiguren

Die Abschiebung muslimischer Uiguren nach China hat Thailand viel Kritik eingebracht. Nun reagiert Bangkok darauf. Die Türkei, die sich der Minderheit eng verbunden fühlt, erhebt schwere Vorwürfe.

Nach weltweiter Empörung über die Abschiebung muslimischer Uiguren nach China will Thailand nun nachträglich sicherstellen, dass die Abgeschobenen dort nicht in Gefahr sind. Diplomaten würden nach China fliegen und sich vergewissern, dass die Uiguren gut behandelt werden, berichtete die «Bangkok Post» unter Berufung auf das Außenministerium am Freitag. Peking betrachtet viele Angehörige der muslimischen Minderheit als Separatisten und wirft ihnen zahlreiche Anschläge vor.

Die Türkei kritisierte die Abschiebung der Uiguren scharf. «Wir verurteilen diese Tat der thailändischen Regierung, die auch einen Verstoß gegen internationales humanitäres Recht darstellt», teilte das Außenministerium in Ankara mit. Die Türkei fühlt sich den turkstämmigen Uiguren eng verbunden.

Die Uiguren sind eine muslimische Minderheit im Westen Chinas, wo sie Verfolgung fürchten müssen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will Ende des Monats nach China reisen, wo das Thema nach Berichten Erdogan-treuer Medien prominent auf der Tagesordnung stehen soll. Nach Angaben von Exilgruppen wollte die Türkei die nun abgeschobenen Uiguren aufnehmen.

Das türkische Außenministerium hatte Ende vergangenen Monats kritisiert, Uiguren in China würden daran gehindert, während des Ramadan zu fasten. Entsprechende Berichte «rufen Betrübnis im türkischen Volk hervor», hieß es aus Ankara.

In den darauffolgenden Tagen kam es zu Angriffen auf thailändisch oder chinesisch aussehende Menschen in der Türkei, so die dpa. Vor der thailändischen und der chinesischen Botschaft in Ankara kam es zu Demonstrationen. In Istanbul wurden die Scheiben des thailändischen Konsulats eingeworfen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu kritisierte am Freitag, solche Angriffe widersprächen der türkischen Gastfreundschaft und diplomatischen Grundsätzen.

In einer Nacht- und Nebelaktion hatte Thailand am Donnerstag rund 100 Uiguren gegen ihren Widerstand in Flugzeuge nach China gesetzt. Sie waren illegal eingewandert und vergangenes Jahr aufgeflogen. Die Uiguren befürchten Repressalien in China. Die Vereinten Nationen, die US-Regierung und Menschenrechtler kritisierten die Abschiebung.

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