Vom Linksterroristen zum Taliban – die Wandlung des Bernhard Falk

Er war Kommunist und Linksterrorist, saß fast 13 Jahre im Gefängnis. Doch heute schlägt das Herz von Bernhard Falk für die Taliban. Seine neue Berufung: Er steht islamistischen Straftäter bei. Sein Feindbild ist dasselbe geblieben.

Alle 120 Stühle im Gerichtssaal in Düsseldorf sind leer, aber Bernhard Falk (48) steht. Der große füllige Mann mit dem grauen Bart setzt sich in den Besucherreihen erst dann hin, wenn die Richter Platz genommen haben. So muss er sich nicht vor der ungeliebten Justiz der aus seiner Sicht Ungläubigen erheben. Falk ist bekennender Salafist, Al-Kaida-Sympathisant und hält große Stücke auf Taliban-Führer Mullah Omar. Sein Rechtsstaat ist die Scharia.

Früher war das ganz anders, da war Falk zehn Jahre lang Messdiener und Vorzeige-Abiturient, Abi-Note 0,7. Er stammt aus einer katholischen Familie in Hamburg, sein Bruder ist Priester geworden. Er habe massive Konflikte mit seinem Vater ausgetragen, der der NS-Ideologie verhaftet gewesen sei, sagt Falk, Sohn einer Lehrerin. Die Abgrenzung zu seinem Vater hätte radikaler nicht ausfallen können: Bernhard Falk wurde Kommunist und Linksterrorist. Er begann zu bomben, als sogar die RAF darin keinen Sinn mehr sah.

Als Terrorist der Anti-Imperialistischen Zellen (AIZ) hat er wegen vierfachen Mordversuchs fast 13 Jahre hinter Gittern gesessen. Zugegeben hat er die Taten nie. Verurteilt hat ihn das Düsseldorfer Oberlandesgericht, das er nun wieder so eifrig frequentiert, nun durch den Besuchereingang.

Noch vor seiner Inhaftierung konvertierte er zum Islam. Jahrelang betreute ihn ein Imam der Kölner Abubakr-Moschee in der Haft. Nun ist es Falk, der betreut. In Gerichtssälen, in Gefängnissen landauf, landab ist er da, stärkt Islamisten den Rücken. Er ist die Ein-Mann-Gefangenen-Hilfsorganisation des Dschihad. Wo Islamisten vor Gericht stehen, nickt Falk ihnen freundlich zu.

Die Behörden sind dagegen machtlos: ««Ich bewege mich im gesetzlichen Rahmen und wäre auch blöd, wenn ich das nicht tun würde», sagt Falk. Wer von ihm betreut werden möchte, muss dichthalten und darf nicht auspacken, hat der Verfassungsschutz festgestellt. Falk gibt das freimütig zu: «Geständnisse sind nicht akzeptabel, wenn sie zum Verrat von Betriebsgeheimnissen führen und andere belasten. Dann ist eine rote Linie überschritten.»

«Falk versucht, die Leute in der Szene zu halten», sagt ein Sprecher des NRW-Verfassungsschutzes. «Er ist einer der aktivsten bundesweiten Unterstützer von Gefangenen aus der salafistischen Szene.»

Falk selbst wurde das Geständnis seines AIZ-Komplizen in den 1990er Jahren zum Verhängnis. Seitdem hat er mit seinem früheren AIZ-Genossen gebrochen. Aber was treibt einen Kommunisten zu den Taliban? «Zugegeben, mein Weg ist ein bisschen exotisch», sagt der 48-Jährige. «Die unterdrückten Weltmassen suchen sich halt ihren Weg.» Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus sei dies nun der radikale Islam.

Falks Feind ist dabei immerhin derselbe geblieben: der kapitalistische Westen. Natürlich hätten die Islamisten mit der Freiheit nicht so viel am Hut wie die Linke, sagt Falk. «Aber an dieser Freiheit wird der Westen auch zugrunde gehen.» Falks politische Vision: «eine Bewegung Taliban 2.0»

Der Mann mit dem angegrauten Vollbart distanziert sich vom Islamischen Staat, deren Anhänger er «Bekloppte» und «Desperados» nennt, nicht aber von Al-Kaida, so die dpa. Nach dem Terroranschlag auf Urlauber in Tunesien argumentiert Falk: «Das ist zweifellos unvorstellbar grausam, andererseits: So viel Geschrei, wenn mal ein paar Touristen zu Schaden kommen.»

Ob er es auch gut findet, wenn die Taliban kleinen Mädchen in den Kopf schießen, weil die zur Schule gehen möchten? «Der Fall Malala. Da hat sich die westliche Propaganda natürlich drauf gestürzt», sagt Falk. «Das waren die pakistanischen Taliban.»

Überhaupt: Die Behandlung der Frauen durch die Islamisten. Falk seufzt. «Ja gut, die Frauen.» Natürlich seien die Taliban nicht so freiheitsorientiert wie der Westen: «Diese Freiheit wird dem Westen aber auch zum Verhängnis werden.» Ob er manchmal daran denkt, dass er heute im Wohlstand leben könnte, anstatt auf Spenden angewiesen zu sein, wenn er damals weiter Physik studiert hätte? «Ja», sagt Falk. «Natürlich.»

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