Muslime und Juden demonstrieren in Berlin für das Kopftuch

Mitglieder der muslimisch-jüdische Initiative Salaam-Schalom haben am Dienstag vor dem Neuköllner Rathaus für die Gleichbehandlung von Frauen mit Kopftuch demonstriert. Zuvor wurde einer Muslimin eine Referendariats-Station vorenthalten, weil sie ein Kopftuch trägt. Die Kundgebung wurde von 22 jüdischen, christlichen, muslimischen und politischen Organisationen unterstützt.

Mit einem Kopftuch könne keine Integration stattfinden, meinen einige Deutsche. (Foto:Flickr/CharlesFred)

Mit einem Kopftuch könne keine Integration stattfinden, meinen einige Deutsche. (Foto:Flickr/CharlesFred)

Die muslimisch-jüdische Initiative Salaam-Schalom hat am Dienstag vor dem Rathaus Neukölln in Berlin eine Kundgebung für Chancengleichheit und Diskriminierung abgehalten. Die Kundgebung wurde von insgesamt 22 Vereinen und Organisationen – unter anderem auch Du & Ich – Jüdisch-christlicher Theologiestudierendentreff, 1219 e. V. – franziskanische Initiative, das jüdische Bildungszentrum Chabad Lubawitsch Berlin oder die Islamische Föderation Berlin – unterstützt. Die jüdische Sprecherin der Initiative, Rebecca de Vries, sagt, dass die „Teilnehmenden Chancengleichheit für Frauen, die Kopftuch tragen wollen“, berichtet der Deutschlandfunk.

Auslöser der Kundgebung war ein Streit zwischen dem Neuköllner Bezirksamt und der Rechtsreferendarin Betül Ulusoy, die sich dort für eine Station beworben, die ihr aufgrund ihre Kopftuchs verwehrt bleiben sollte. „Würde mir das verweigert werden, käme das einem Berufsverbort gleich“, zitiert der rbb Ulusoy. Doch pauschale Kopftuchverbote in öffentlichen Einrichtungen sind nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts unzulässig. SPD-Bezirksbürgermeister Franziska Giffey und Neuköllns Vize-Bürgermeister Falko Liecke fordern „disziplinarische Maßnahmen“ gegen die angehende Juristin, da sie das Bezirksamt in Verruf gebracht habe. Das Verfahren gegen die junge Frau wird vom Kammergericht durchgeführt. Doch Ergebnisse sollen der Geheimhaltung unterliegen.

Liecke sieht ihn ihr offenbar ein Feindbild. „Jetzt hat sie, was sie wollte. Der Staat knickt vor ihr ein“, zitiert die Berliner Morgenpost CDU-Politiker. In dasselbe Horn bläst übrigens auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu. Mitte Juni passierte dann etwas sehr interessantes. Das Bezirksamt meldete, dass Ulusoy die Station auch mit Kopftuch antreten dürfe. Doch Ulusoy wollte nicht mehr, da es zuvor aus „dem Amt und von Mitgliedern der Bezirksverordnetenversammlung habe es islamophobe und vereinzelt gar sexistische Kommentare gegeben“ habe, berichtet der Tagesspiegel. Ulusoy hat mittlerweile mehrere Angebote von anderen Berliner Bezirksämtern. Sie wird ihr Referendariat auf jeden Fall abschließen.

Die Bürokraten in Neukölln hingegen dürfen weiterhin nach eigenem Gutdünken walten und schalten. Schließlich hat Ex-Bürgermeister Heinz Buschkowsky 14 Jahre lang darauf geachtet, dass der bürokratische Apparat von Neukölln mit Leuten besetzt wird, die „ganz besonders“ geeignet sind.

In diesem gesamten Kontext sollten Muslime und Juden wissen, dass sie in Deutschland und Europa in einem Boot sitzen.

Den notorischen Antisemiten der salafistischen Szene sei gesagt: Wenn es in Deutschland keine mutigen Rabbiner geben würde, hätten die antimuslimischen Eliten dieses Landes die islamisch-religiöse und jüdische Beschneidung längst verboten. Einen Vorwand hätten sie schon gefunden.

Deshalb muss gelten: Gegenseitig den Rücken frei halten!

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