Live um 4.55 Uhr: Bayerisches Fernsehen überträgt erstmals islamisches Festgebet

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der Nacht zu Freitag sendet das Bayerische Fernsehen erstmals live ein islamisches Festgebet. Zelebriert wird es von Imam Benjamin Idriz in der Moschee im oberbayerischen Penzberg. Der TV-Sender hat sich einen ganzen Monat lang dem Themenschwerpunkt Ramadan gewidmet.

Der Ramadan 2015 neigt sich dem Ende entgegen. (Foto: Flickr/ Muslim chaplain by DVIDSHUB CC BY 2.0)

Der Ramadan 2015 neigt sich dem Ende entgegen. (Foto: Flickr/ Muslim chaplain by DVIDSHUB CC BY 2.0)

Für Muslime sei die Übertragung im Fernsehen von besonders hoher Bedeutung, teilte das Islamische Forum Penzberg am Mittwoch mit. Andere hätten die Chance, das Geschehen in einer Moschee kennenzulernen und zu verstehen. Das überwiegend auf deutsch abgehaltene Festgebet zum Zuckerfest beginnt frühmorgens um 4.55 Uhr. Der Bayerische Rundfunk (BR) ist nach eigenen Angaben der erste Sender in Deutschland, der das Festgebet überträgt.

„Das Festgebet ist der Beginn und gleichzeitige Höhepunkt des Festes des Fastenbrechens – auch ‚Zuckerfest‘ genannt – nach Ende des Monats Ramadan“, so der Sender. Der Ablauf des Festgebetes könne nach regionaler und kultureller Herkunft und Zugehörigkeit der Muslime variieren. In Penzberg können die Gläubigen und die TV-Zuschauer am Bildschirm Folgendes erleben:

„Das tägliche Morgengebet geht dem Festgebet voraus, daher beginnt die Übertragung schon um 4:55 Uhr. Vor dem Gebet vollzieht der/die Gläubige die Waschung (wudu‘) und legt für den Moscheebesuch festliche Kleidung an. Wie jedem Gebet geht auch hier der Gebetsruf (adhān) voraus. Wie das rituelle Gebet selbst wird er in arabischer Sprache verkündet. (…)

Zum Festgebet werden üblicherweise Koranverse rezitiert, die der Imam frei auswählt. Es folgt eine Art stiller Andacht, genannt dhikr („Gedenken“, „Besinnen“), meistens durch häufige Wiederholung von kurzen Anrufungen wie al-hamdulillah („Gott sei gelobt!“), subhan Allah („Preis Gottes!“), Allahu akbar („Gott ist groß!“), Aufzählungen der 99 Namen Gottes, oder anderer Formeln. Ein Kinderchor singt traditionelle geistliche Lieder zum Preis des Propheten Muhammad, genannt ilahi.“

Nach dem Fest-Gebet wird Imam Benjamin Idriz seine Predigt auf Deutsch halten. Der Geistliche freut sich sehr auf die besondere Gelegenheit. Schon im Vorfeld richtet er sich an die Bevölkerung:

„Ich lade Sie alle ein: die Muslime, die vielleicht verhindert sind, persönlich am Festgottesdienst teilzunehmen – und alle Zuschauerinnen und Zuschauer, zu ungewohnter Stunde eine außergewöhnlichen Live-Übertragung zu erleben. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind – denn damit kommen wir uns als Menschen näher, die einen gemeinsamen Gott teilen – der Muslime, Christen und Juden verbindet – und eine gemeinsame Heimat teilen, bei uns in Bayern. Überzeugen Sie sich selbst: der Islam ist angekommen – und das ist gut so!“

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