Wer für die Homo-Ehe ist, muss auch für das Kopftuch sein

Die Zustimmung für die komplette Gleichbehandlung von Homosexuellen in Deutschland ist groß. Dies nimmt die Öffentlichkeit als Vorwand, um sich der Welt als besonders tolerant zu verkaufen. Doch die Rechte, die die Mehrheitsgesellschaft für Homosexuelle einfordert, will sie den Muslimen komplett vorenthalten. Und genau an dieser Stelle liegt die Verlogenheit.

Schwedinnen ergriffen im Jahr 2013 Partei für Kopftuch tragende Frauen. Damals kam es zu einer Welle von Gewaltakten gegen muslimische Frauen. (Screenshot via Twitter)

Schwedinnen ergriffen im Jahr 2013 Partei für Kopftuch tragende Frauen. Damals kam es zu einer Welle von Gewaltakten gegen muslimische Frauen. (Screenshot via Twitter)

Das Prinzip der rechtlichen Gleichbehandlung von Minderheiten findet in Deutschland nur selektiv Anwendung. Während Kritiker der gleichgeschlechtlichen Ehe als „Nazis“ oder „Ewiggestrige“ abgestempelt werden, genießen Kopftuch- und Islamgegner eine große Zustimmung und werden als „Kämpfer für die Freiheit“ oder „echte Demokraten“ gefeiert. Doch wer für die gleichgeschlechtliche Ehe ist und sogar das Adoptionsrecht auf Homosexuelle erweitern möchte, der muss auch uneingeschränkt für die Freiheit des Kopftuchs und die Gleichbehandlung von Muslimen in Deutschland einstehen. Die Gleichbehandlung von Homosexuellen hat sich mittlerweile zum einzigen Maßstab für Toleranz durchgesetzt.

Dabei wird von oftmals sehr schlichten Geistern das Argument angebracht, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun habe. Was übersehen wird: Es geht hier um eine rechtliche Frage. Es geht um die Gleichstellung von ethnischen, religiösen und sexuellen Minderheiten. Es geht um das Recht, welches nicht der subjektiven Wahrnehmung unterworfen werden kann – zumindest nicht in Demokratien.

Leider ist es durchaus möglich, Muslime zu hassen und gegen den Islam zu hetzen und gleichzeitig als Bollwerk der Toleranz zu gelten, weil man für die Rechte von Homosexuellen einsteht. An dieser Stelle lassen sich eine bodenlose Verlogenheit und ein tief verwurzelter Chauvinismus feststellen. Dabei müssten sich insbesondere die Mitglieder der LGBT-Community für die Rechte der Muslime und das Kopftuch einsetzen. Schließlich verlangen sie von den Muslimen, dass diese sich für die LGBT-Rechte einsetzen, was die Muslime auch tun. Gleichbehandlung und Toleranz ist keine Einbahnstraße.

Dann gibt es noch ein weiteres Missverständnis. Jemand der homosexuell ist, muss nicht zwangsläufig tolerant sein. In der LGBT-Community gibt es eine Reihe von Personen, die zutiefst islamophob oder/und antisemitisch sind. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der sexuellen Orientierung und der Weltanschauung. Umso amüsanter erscheint es, dass Homosexuelle in der öffentlichen Wahrnehmung automatisch als tolerant wahrgenommen werden. Ein Trugschluss.

Historisch gesehen bestand ein nicht unerheblicher Teil der SA aus Homosexuellen. Die Führung im Dritten Reich hatte die eigenartige Angewohnheit, die homosexuellen Antisemiten in ihren eigenen Reihen zu schützen und alle anderen Homosexuellen zu verfolgen.

Dazu eine Buchempfehlung: Homosexualität und Staatsräson. Männlichkeit, Homophobie und Politik in Deutschland 1900-1945, Susanne zur Nieden.

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