Erhöhtes Verkehrsaufkommen: Alle 20 Sekunden fliegt ein Flugzeug über die Türkei

Die Anzahl der Flüge und der Passagiere, die innerhalb der Türkei über den Wolken unterwegs sind, hat sich in den vergangen Jahren deutlich erhöht. Geschuldet ist die Steigerung einschlägiger Investitionen in die Infrastruktur der zivilen Luftfahrt. Die Frequenz am türkischen Himmel wird zusehends dichter.

Die Anzahl der Flüge im türkischen Luftraum ist allein im ersten Halbjahr 2015 um 7,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gestiegen. (Foto: Flickr/ Arial View on airplane by bytekut CC BY 2.0)

Die Anzahl der Flüge im türkischen Luftraum ist allein im ersten Halbjahr 2015 um 7,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gestiegen. (Foto: Flickr/ Arial View on airplane by bytekut CC BY 2.0)

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der Passagiere im türkischen Luftraum von 56 auf heute 166,2 Millionen gesteigert. Im Durchschnitt gab es eine jährliche Steigerungsrate von 12,8 Prozent. Dass das türkische Potential noch lange nicht ausgeschöpft ist, das machte Turkish Airlines Chef Temel Kotil erst vor kurzem erneut deutlich.

Während im Jahr 2002 nur Turkish Airlines Flüge von zwei Zentren zu 26 Standorten anbot, gebe es nun 13 Jahre später, bereits sechs Fluggesellschaften die von sieben Zentren aus Inlandsflüge zu 53 Destinationen im Flugplan hätten, so die türkische Zeitung Sabah. Seien es überdies im Jahr 2002 lediglich 60 Länder gewesen, die von der Türkei aus angeflogen wurden, habe sich diese Zahl auf mittlerweile 237 Destinationen in 108 Ländern  erhöht.

Die Anzahl der Flüge im türkischen Luftraum sei allein im ersten Halbjahr 2015 um 7,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gestiegen. Waren es von Januar bis Juni 2014 771.47 Flüge, einschließlich Transitpässe, sei das Aufkommen in diesem Jahr nun auf 831.578 gestiegen. „Mit anderen Worten, im ersten Halbjahr 2015 kreuzte alle 20 Sekunden ein Flugzeug den türkischen Luftraum“, so das Blatt.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres bestand 87 Prozent des Flugverkehrs an den Flughäfen der Türkei aus kommerziellen Flügen. Das entspräche demnach einem Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Unterdessen wächst der Druck auf Luftfahrt-Drehkreuze in Europa: 2017 soll der Mega-Airport in Istanbul eröffnen. Schon jetzt droht Frankfurt abgehängt zu werden, warnt der Chef von Turkish Airlines (mehr hier).

Der geplante Mega-Flughafen in Istanbul wird nach Ansicht des Chefs von Turkish Airlines eine ernste Bedrohung für etablierte Drehkreuze wie Frankfurt werden. Schon jetzt verlören westeuropäische Flughäfen den Anschluss an die Konkurrenz in Istanbul und den Golfstaaten, sagte Temel Kotil, der auch Präsident des Verbands Europäischer Fluggesellschaften (AEA) ist, der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul. «Europäische Politiker verstehen das nicht.»

Der neue Istanbuler Flughafen soll in zweieinhalb Jahren den Betrieb aufnehmen und nach den Worten Kotils besonders mit Dubai konkurrieren. Nach einer mehrjährigen Ausbauphase soll er bis zu 150 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen und damit eines der größten Drehkreuze der Welt werden. Turkish Airlines fliegt inzwischen nach eigenen Angaben mehr ausländische Ziele an als jede andere Airline. Vor wenigen Tagen nahm die Fluggesellschaft mit San Francisco ihr 223. Ziel außerhalb der Türkei ins Programm.

Das derzeitige Turkish-Airlines-Drehkreuz – der Atatürk-Flughafen in Istanbul – droht bereits in diesem Jahr, Frankfurt bei den Passagierzahlen abzuhängen. Kotil rechnet für 2015 mit 65 Millionen Reisenden – ein Anstieg von knapp 15 Prozent verglichen mit dem vergangenen Jahr (57 Millionen). Der Frankfurter Flughafen, wo die Lufthansa ihre Basis hat, hatte im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 2,6 Prozent auf knapp 60 Millionen Passagiere. In diesem Jahr sollen es erneut lediglich zwei bis drei Prozent mehr werden.

Der neue Flughafen in Istanbul – der den Atatürk Airport ersetzen soll – soll am Ende der Ausbauphasen vier Terminals und sechs Landebahnen haben. Umweltschützer hatten gegen den Neubau in einem Waldgebiet protestiert, so die dpa.

Kotil sagte, Punkt-zu-Punkt-Verbindungen reichten für etablierte Fluggesellschaften nicht mehr aus, um zu wachsen. Ein funktionierendes «Speichennetz» – also ein Zubringernetz für einen zentralen Drehkreuzflughafen – sei essenziell. «Transit ist die einzige Möglichkeit, dass das Geschäft aufrechterhalten werden kann.» Die Lage Istanbuls am Übergang von Europa nach Asien sei für viele Umsteiger ideal.

Turkish Airlines hat die Passagierzahlen nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren fast vervierfacht (plus 367 Prozent) – und ist damit weit überdurchschnittlich gewachsen. Weltweit nahm die Zahl der Flugreisenden zwischen 2004 und 2014 laut dem Weltluftfahrtverband IATA «nur» um rund 60 Prozent zu. Im vergangenen Jahr transportierte die türkische Fluggesellschaft 54,7 Millionen Reisende, 13,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2023 peilt sie 120 Millionen Passagiere an. Die Airline wurde 2006 privatisiert. Nach wie vor sind gut 49 Prozent der Anteile in staatlicher Hand.

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