Blowjob-Debatte: Türkische Theologen streiten über Auslegung des Koran

Alles begann mit einer streitbaren Aussage eines Imam und einem darauffolgenden Lachanfall einer türkischen TV-Moderatorin. Mittlerweile ist um die Frage, ob gläubigen Muslimen der Oralsex erlaubt sei, eine handfeste Diskussion geworden. Jetzt meldet sich die Gegenseite zu Wort und sagt: Alles Unsinn.

Das Auftreten des türkischen Imam Ali Riza Demircan war bestimmt. In einer TV-Show des staatlichen Senders TRT legte er am 10. Juli dar, dass „Oralsex in fortgeschrittener Dimension“ genauso wie Sadismus und auch Analsex zu den „sündhaften Praktiken“ zu rechnen und damit für Muslime tabu seien. Rund 160.000 User haben sich seine Ausführungen mittlerweile allein auf YouTube angesehen. Und sie alle erlebten mit, wie sich das Haupt von Moderatorin Pelin Çift zunächst senkt und das Ganze schließlich in einem Lachanfall gipfelt.

Hat der Gelehrte Recht? Oder ist das alles Quatsch? Die Türkei amüsiert sich prächtig über diese theologische Frage. Nun meldet sich der bekannte türkische TV-Prediger Ahmet Mahmut Ünlü zu Wort. Und der sagt in der Tat: Das ist alles Unsinn.

Ünlü wendet sich direkt an seinen Gegenspieler und appelliert im Rahmen seiner jüngsten Fernseh-Messe: „Erfinde keine Lüge im Namen von Allah“, zitiert ihn an diesem Freitag die türkische Zeitung Hürriyet. Ahmet Mahmut Ünlü zufolge gebe es im Koran überhaupt keine Verse, die Oralsex als Sünde bezeichnen würden. Er erklärt: „Brüder, lasst uns offen sprechen. Die schafiitische Rechtsschule erlaubt den Akt.“ Diese Rechtsschule, so der Gelehrte weiter, betrachte den menschlichen Samen als reine Substanz. Zwar bezeichne die hanafitische Schule den Samen als unrein, sie füge aber hinzu, dass die Kleidung durch das Abwischen des Samens gereinigt werden könne, wenn er getrocknet sei.

Die Debatte, so lässt Ünlü durchblicken, könne er durchaus verstehen – auch, dass einige diese Praktik für unangemessen halten. Doch keine islamische Rechtsprechung bezeichne das als Haram, also als nach dem islamischen Gesetz verboten. Wie könne Demircan also behaupten, es sei Haram? Er fragt sich, was wohl dessen Quelle sei. Immerhin gebe es selbst im konservativen Indonesien und Malaysia Kleriker, die nichts dagegen einzuwenden hätten.

Ünlü gilt in der türkischen TV-Landschaft in der Tat als liberaler und humorvoller Geist. Immer wieder tauchen in seinen Predigten auch sexuelle Themen auf. Überflügelt wurde er in jüngster Zeit allerdings von dem selbsternannten Medien-Evangelisten Mücahid Cihad Han. Er warnte seine männlichen Zuschauer im Mai davor, sich mit der Hand einen „runterzuholen“. Denn die vergewaltigte Hand werde am Tag des Jüngsten Gerichts vor ihren Peiniger treten und Zeugnis ablegen. Noch dubioser ist: Die Hand wird zu diesem Zeitpunkt schwanger sein (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Sex-Shop für Mekka: Muslime können jetzt „halal“ ihrer Lust frönen
Sex und Islam: Selbst für Imame ist das kein Tabu mehr
Neues Online-Angebot: Türkei eröffnet seinen ersten „helal“ Sexshop

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.