Tödliches Eid al-Fitr: Verkehrsunfälle in der Türkei fordern fast 70 Tote

Die Feierlichkeiten zum Ende des heiligen Fastenmonats Ramadan wurden in der Türkei auch in diesem Jahr wieder von zahlreichen Verkehrsunfällen überschattet. Zum Eid al-Fitr zog es die Massen für einen Kurzurlaub hinaus aus den Städten. 69 Menschen überlebten die Feiertage nicht.

Nach Angaben der Polizei vom Sonntag starben landesweit 69 Personen und weitere 386 wurden in den vier Tagen verletzt. (Foto: Flickr/ DSCF3555 by Ted Kerwin CC BY 2.0)

Nach Angaben der Polizei vom Sonntag starben landesweit 69 Personen und weitere 386 wurden in den vier Tagen verletzt. (Foto: Flickr/ DSCF3555 by Ted Kerwin CC BY 2.0)

Für 69 Türken sind die viertätigen Feierlichkeiten zum Ende des Ramadans zur tödlichen Falle geworden. Hunderttausende befanden sich am Wochenende auf den Straßen, um Familie und Freunde zu besuchen oder schnell ein paar Tage an der Küste zu verbringen.

Die türkische Polizei beobachtet während dieser Feiertage, die diesmal von Donnerstag bis Sonntag stattfanden, Jahr für Jahr ein Ansteigen der Verkehrsunfälle – auch mit Todesfolge. Warnungen der Behörden, etwas weniger rücksichtslos zu fahren, werden offenbar in den Wind geschlagen.

Nach Angaben der Polizei vom Sonntag starben landesweit 69 Personen und weitere 386 wurden in den vier Tagen verletzt, so die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Bei einem Verkehrsunfall am Samstag seien fünf Mitglieder derselben Familie in der Provinz Eskisehir ums Leben gekommen. Am Donnerstag, dem Vorabend des Eid, seien 24 Personen auf den türkischen Straßen getötet worden.

Verkehrsunfälle in der Türkei fordern Jahr für Jahr gut 10.000 Todesopfer. Geschuldet ist das oftmals aber nicht nur schlechten Straßenbedingungen oder dem Zustand der Fahrzeuge, auch die Mentalität der Verkehrsteilnehmer trägt maßgeblich zu diesem erschreckenden Ergebnis bei. „Es gibt wirklich keine Kultur der Sicherheit im Straßenverkehr in der Türkei. Sie ist einfach noch nicht Teil der Mentalität“, sagte Dr. Etienne Krug von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2012 (mehr hier).

Um den aktuellen Zahlen entgegenzuwirken, ist die Türkei bereits im Juni 2010 im Rahmen des so genannten „Road Safety Project“, das von der WHO koordiniert und von der Bloomberg Foundation finanziert wird, gemeinsam mit neun anderen Staaten aktiv geworden. Zusammen sind die zehn beteiligten Staaten – die Türkei, Mexiko, Brasilien, Ägypten, Kenia, China, Indien, Kambodscha, Vietnam und Russland – für 60 Prozent aller Todesfälle durch Verkehrsunfälle verantwortlich.

Das Problem speziell in der Türkei hängt auch mit der Durchsetzung der bestehenden Gesetze zusammen. Es ist allgemein bekannt, dass sich in Europa lebende Türken strikt an die dort herrschenden Regeln halten. Anders als ihre Verwandten in der Türkei, wo eine liberalere Situation im Straßenverkehr herrscht. Der Grund: In Europa lebende Türken wissen, dass die bestehenden Gesetze strikt durchgesetzt werden. Die Chance hier ungeschoren davon zu kommen ist sehr gering. In der Türkei, so fasst Krug zusammen, sehe das allerdings ganz anders aus: „Die Gesetzgebung ist zwar mehr oder weniger völlig ausreichend, aber sie wird nicht durchgesetzt. Sicherheitsgurte sind Pflicht, aber wie viele Menschen tragen sie in der Türkei?“

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