Bundesbank: Abkühlung in Schwellenländern verschärft sich

Die Wachstumsraten der Schwellenländer haben sich in den vergangenen fünf Jahren fast halbiert. Neben einem natürlichen Anpassungsprozess spielen der Bundesbank zufolge auch zurückgehende Investitionen und ein Überangebot am Ölmarkt eine Rolle. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Industrieländer wie Deutschland müssen mit Exportrückgängen rechnen.

Vor allem in den Schwellenländern, die auf Rohstoffexporte gesetzt haben, ist das Wachstum deutlich zurückgegangen. (Foto: Flickr/ Grand port de Rouen by Frédéric BISSON CC BY 2.0)

Vor allem in den Schwellenländern, die auf Rohstoffexporte gesetzt haben, ist das Wachstum deutlich zurückgegangen. (Foto: Flickr/ Grand port de Rouen by Frédéric BISSON CC BY 2.0)

Die Absatzmärkte in den Schwellenländern haben für die Industrienationen in den vergangenen 15 Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Doch wie in Europa und den USA hat sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern ebenfalls seit 2010 deutlich abgekühlt. Der IWF erwartet für dieses Jahr nur noch einen BIP-Zuwachs in Höhe von 4,25 Prozent für die Schwellenländern. Im Jahr 2010 lag der Zuwachs noch bei 7,5 Prozent und kurz vor der Finanzkrise sogar noch fast doppelt so hoch.

Ähnlich wie der BIP-Zuwachs ist auch die mittlere Wachstumsrate aller Schwellenländer gemessen anhand des Medians deutlich zurückgegangen: von 6 Prozent im Schnitt 2006/2007 auf 3,75 Prozent in den vergangenen zwei Jahren. Dies zeigt, dass der Rückgang der Wachstumsraten nicht nur auf wirtschaftliche Rückgänge in den BRIC-Staaten zurückzuführen ist. „Vielmehr hat sich die Dynamik in allen sechs vom IWF betrachteten Hauptregionen (europäische Schwellenländer, Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, Lateinamerika, Naher Osten, aufstrebende Volkswirtschaften Asiens und Afrika südlich der Sahara) merklich abgeschwächt“, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank.

 Beim Vergleich verschiede- ner Prognosevarianten für das Schwellenländer-  Aggregat zeigen sich im Ergebnis nur vernach- lässigbare Unterschiede. (Grafik: Bundesank)

Der IWF rechnet damit, dass das Wirtschaftswachstum mit etwa fünf Prozent in den kommenden fünf Jahren weiter verhalten ausfallen wird. Ein Blick auf das so genannte Trendwachstum zeigt eine ähnliche Entwicklung. „In etwa zwei Dritteln der insgesamt 135 betrachteten Volkswirtschaften hat sich das trendmäßige Wachstum seit 2006/2007 verlangsamt.“ In China beispielsweise hat sich das Trendwachstum von rund 12 auf 7,5 Prozent verringert. Auffallend ist beim Betrachten des Trendwachstums, dass sich unter den Ländern mit geringerem Wachstum „auffallen viele“ Länder befinden, die auf den Rohstoffexport gesetzt haben. Hier sank das aggregierte Trendwachstum von sechs Prozent 2006/2007 auf zwei Prozent. In den übrigen Schwellenländern verringerte es sich nur von acht auf sechs Prozent.

„China und die Rohstoffe exportierenden Volkswirtschaften zusammen können etwa drei Viertel der trendmäßigen Wachstumsverlangsamung in den Schwellenländern erklären, obwohl sie vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise lediglich knapp 60% der gesamtwirtschaftlichen Erzeugung dieser Gruppe generierten“, so die Bundesbank. Die osteuropäischen Schwellenländer hatten in den vergangenen zehn Jahren auch stark an Bedeutung gewonnen. Hier spielten vor allem kurzfristige Kapitalzuflüsse eine Rolle. Diese Länder – mit Ausnahme von Polen – kämpfen derzeit jedoch mit einer massiven Überschuldung im privaten und unternehmerischen Bereich sowie mit platzenden Immobilienblasen.

Beiträge zur Wachstumsverlangsamung  in den Schwellenländern. (Grafik: Bundesbank)

„Die Hartnäckigkeit der Wachstumsschwäche in den Schwellenländern lässt es zunehmend unwahrscheinlicher erscheinen, dass ein einziger nachfrageseitiger Faktor oder auch eine Kette negativer Ereignisse dafür ausschlaggebend ist“, so die Bundesbank. Während bei den Rohstoffexporteuren die „Rohstoffhause zu Ende gegangenen ist“” und die osteuropäischen Schwellenländer beispielsweise mit sinkenden Auslandsinvestitionen konfrontiert sind, haben wir es auch mit Konvergenzprozessen zu tun. Fehlende nationale Investitionen und Reformen machen sich nun ebenfalls bemerkbar.

Vor allem mit Blick auf die Direktinvestitionen aus dem Ausland könnte sich der Abwärtstrend in den kommenden noch beschleunigen. „Seit der globalen Finanzkrise sind die externen Finanzierungsbedingungen für die Schwellenländer infolge der außerordentlich expansiven Geldpolitik in den Industrieländern sehr günstig.“ Eine Normalisierung der Geldpolitik, speziell in den USA, könnte jedoch zu verringerten Kapitalzuflüssen in die Schwellenländer führen.                                                                                                                                                                          Angesichts der starken Exportverflechtungen sowie Investitionen in Unternehmen vor Ort und in eigene Außenstellen könnte dies europäische und amerikanische Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen. Immerhin ist der Anteil der Schwellenländer an der globalen Wirtschaftsleistungen von 43 Prozent im Jahr 2000 auf 57 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Das sinkende Wachstum wird über kurz oder lang dazu führen, dass die Schwellenländer ihre Importe aus den Industrieländern entsprechend verringern.

„Das würde auch die deutsche Exportwirtschaft treffen, die angesichts einer starken Marktstellung in den Schwellenländern von dem kräftigen Aufschwung dieser Ländergruppe in der Vergangenheit in erheblichem Maße profitiert hat.“ Zwischen 2000 und 2010 haben die wertmäßigen Warenlieferungen Deutschlands in die Schwellenländer auf Euro-Basis um durchschnittlich zehn Prozent jährlich zugelegt. Und bereits in den letzten Jahren haben sich die entsprechenden Zuwächse auf etwa die Hälfte reduziert.

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