Anschlag von Suruç: Türkischer Geheimdienst hatte vor IS-Attacken gewarnt

Einen Tag nach dem furchtbaren Anschlag von Suruç mit mindestens 32 Toten stellt sich offenbar die Frage, ob dieser wohl hätte verhindert werden können. Türkische Sicherheitskräfte sollen im Vorfeld wiederholt vor sieben IS-Anhängern gewarnt haben, die illegal in die Türkei eingereist seien. Sie sollen tödliche Angriffe gegen türkische Ziele geplant haben.

In Berlin war die Solidarität mit den türkischen Opfern am Montagabend groß. (Screenshot YouTube)

In Berlin war die Solidarität mit den türkischen Opfern am Montagabend groß. (Screenshot YouTube)

Der türkische Geheimdienst (MİT) habe die hiesigen Sicherheitskräfte am 22. Juni und 3. Juli über mögliche Angriffe von ISIL Mitglieder, heißt es am Dienstag in den türkischen Medien. Weitergegeben worden seien demnach unter anderem die Namen von sieben IS-Anhängern, darunter drei Frauen.

Nach der Übermittlung der Informationen durch den MİT hätten die türkischen Sicherheitskräfte reagiert, so die türkische Zeitung Hürriyet. Gleich in mehreren Städten, darunter İstanbul, Ankara, Şanlıurfa, Konya und İzmir, habe es Polizeieinsätze gegen die Terrormiliz gegeben. Im Zuge dessen seien gut 97 Personen festgenommenn worden. Offenbar war es den Beamten jedoch nicht gelungen, die potentiellen Attentäter dingfest zu machen.

Unterdessen liegen auch erste Einschätzungen von Sicherheitsexperten vor. Derzeit herrscht die Auffassung, dass es sich bei dem Anschlag um einen strategischen Schritt der IS handle, so das Blatt weiter. Es gehe offenbar unter anderem darum, die türkische Regierung und die kurdische Bewegung auf Konfrontationskurs zu bringen. Dem Anschlag am Montag käme fast der gleiche strategische Stellenwert zu wie die Attacke während einer HDP-Wahlkampfveranstaltung in Diyarbakır vor den Parlamentswahlen am 7. Juni. Damals starben vier Menschen (mehr hier). Im gleichen Zusammenhang seien auch die Attacken auf HDP-Wahlbüros in Adana und Mersin zu sehen. Einen weiteren Grund für den Anschlag sieht die Fachwelt im zunehmenden der türkischen Regierung gegen den IS.

Am Montagabend kam es auch zu einer Solidaritätskundgebung in Berlin. Dort versammelten sich geschätzt über tausend Menschen, um für die mehr als 30 Todesopfer von Suruç zu demonstrieren. Einige Demonstranten trugen Plakate mit sich, die den aktuellen türkischen Präsidenten kritisierten.

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