Saarland führt Islam-Unterricht an Grundschulen ein

Das Saarland führt versuchsweise islamischen Religionsunterricht ein. Im kommenden Schuljahr 2015/2016 beginne er an einigen Grundschulen mit hohem Anteil muslimischer Schüler, teilten am Dienstag die Minister für Bildung und Familie, Ulrich Commerçon (SPD) und Monika Bachmann (CDU), in Saarbrücken mit.

Der Lehrplan orientiert sich an den Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen. (Foto: Flickr/ studying in math class by woodleywonderworks CC BY 2.0)

Der Lehrplan orientiert sich an den Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen. (Foto: Flickr/ studying in math class by woodleywonderworks CC BY 2.0)

Der Unterricht sei in deutscher Sprache, die Inhalte müssten mit dem Grundgesetz vereinbar sein, hieß es. Der Lehrplan orientiere sich an den Vorgaben von Nordrhein-Westfalen. Der Modellversuch „Modellversuch Islamischer Religionsunterricht im Saarland“ startet an ausgewählten Grundschulen in Saarbrücken und Völklingen in der 1. Klasse und soll nach und nach bis zur 4. Klasse fortgeführt werden. Islamischen Religionsunterricht gibt es in unterschiedlicher Form bereits in mehreren Bundesländern.

„Muslimische Kinder im Saarland erhalten nun die Möglichkeit, sich auch im schulischen Kontext mit ihrer Religion zu befassen. Wir tragen damit den vielfältigen Lebenswelten in unseren Schulen Rechnung. Das neue Angebot ist für die Suche eines jungen Menschen nach der eigenen Identität genauso wichtig wie die Werteerziehung, die der islamische Religionsunterricht leisten soll“, so Bildungsminister Ulrich Commerçon bei der Vorstellung des Modellversuchs.

Folgende Standorte wurden ausgewählt:  in Saarbrücken die Grundschulen Kirchberg und Füllengarten, eventuell zusätzlich die Grundschule Dellengarten, in Völklingen die Grundschulen Bergstraße und die Grundschule Haydnstraße. Diese Schulen haben einen im Landesvergleich hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit islamischer Religionszugehörigkeit. Die Teilnahme am Unterricht erfolgt nach Anmeldung durch die Erziehungsberechtigten und ist für die angemeldeten Schülerinnen und Schüler verpflichtend.

Der Lehrplan orientiert sich an den Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Inhalte des Unterrichts müssen vereinbar sein mit dem Grundgesetz, der saarländischen Landesverfassung und den schulrechtlichen Vorschriften. Der islamische Religionsunterricht unterliegt wie anderer Religionsunterricht auch der staatlichen Schulaufsicht.

Der Unterricht ist im Grundschulbereich so gestaltet, dass Schülerinnen und Schüler sowohl der sunnitischen als auch der schiitischen Glaubensrichtung unterrichtet werden können. Für den Unterricht werden, solange noch keine für den Islamischen Religionsunterricht speziell ausgebildeten Lehrkräfte mit Staatsexamen zur Verfügung stehen,  Lehrkräfte oder Quereinsteiger muslimischen Glaubens über ein Ausbildungsprogramm sowohl vorbereitend als auch begleitend qualifiziert.

Diese Maßnahmen finden zum großen Teil über bereits existierende Module im Studienseminar und Fortbildungen am Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) statt. Die Bevollmächtigung der Lehrkräfte aus religiöser Sicht erfolgt durch die Gemeinschaft der mit dem Ministerium für Bildung und Kultur kooperierenden islamischen Verbände und Vereine statt. Das Bildungsministerium prüft die fachlichen, rechtlichen und pädagogischen Voraussetzungen und stellt die Lehrkräfte ein.

Derzeit stehen zwei Lehrkräfte für das 1. Jahr des Modellversuchs zur Verfügung. Für das Schuljahr 2016/2017 wird eine weitere Lehrkraft eingeplant

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