Geburtsgeld: Türkische Babys erhalten erstes Gold vom Staat

In der Türkei wurden in diesem Juli nun die ersten Geburtsgelder für Neugeborene ausgezahlt. Ankara hat die ersten Zahlen an insgesamt 78.000 Frauen geleistet. Damit bleibt die türkische Regierung ganz nah an der türkischen Tradition. Auch Verwandte begrüßen den neuen Erdenbürger mit Gold.

Bis 2023 werde der Anteil der Kinder innerhalb der türkischen Gesamtbevölkerung bereits auf 25.7 Prozent zurückgehen. (Foto: Flickr/ Baby by gabi menashe CC BY 2.0)

Bis 2023 werde der Anteil der Kinder innerhalb der türkischen Gesamtbevölkerung bereits auf 25.7 Prozent zurückgehen. (Foto: Flickr/ Baby by gabi menashe CC BY 2.0)

Mit Stichtag 15. Mai 2015 trat in der Türkei die Regelung für die Zahlung von Geburtsgeld in Kraft. Im Rahmen dessen erhalten türkische Staatsbürger für ihre Neugeborenen Geld vom Staat. Gebrauch davon gemacht haben gleich eine Vielzahl von Eltern.

Ankara zahlt für das erste Kind 300, umgerechnet 110 US-Dollar, für das zweite Kind 400 und für das dritte Kind 600 Türkische Lira. Die Zahlung gelte für alle Kinder, die ab dem Stichtag 15. Mai 2015 auf die Welt kommen, so das Nachrichtenportal Vaybee.

Türkische Eltern, die von der Kindergeldzahlung der türkischen Regierung profitieren wollten, müssten sich allerdings an das Amt für Familie und Soziales, die sozialen Dienstzentren oder Konsulate der Türkei im Ausland wenden. Das Geburtsgeld werde für jedes Kind nur einmal gezahlt und geht in der Regel auf das Konto der Mutter. Ist diese verstorben, springen die Väter oder andere Personen mit entsprechender Vormundschaft ein.

Nach Angaben des Ministeriums für Familien- und Sozialpolitik haben in gerade einmal zwei Wochen 120.000 Menschen einen entsprechenden Antrag gestellt, so die türkische Zeitung Sabah. Die Zahlungen  an die Familien seien jetzt ohne Abzüge geleistet worden. Ziel der Reegierung ist es, in den kommenden Jahren so einen Anreiz für weitere Kinder zu schaffen. Insgesamt seien kurz vor dem Eid al-Fitr rund 24 Millionen Türkische Lira ausbezahlt worden.

Der Anteil der Kinder in Bezug auf die gesamte Bevölkerung der Türkei wird nach Schätzungen des türkischen Statistik Instituts (TÜİK) in nächsten vier Jahrzehnten von 30 Prozent im Jahr 2012 auf nur noch 19,1 Prozent im Jahr 2050 fallen. Damit erreicht die türkische Bevölkerung eine Zusammensetzung, wie sie bereits 2010 innerhalb der EU anzutreffen war.

Bis 2023 werde der Anteil der Kinder innerhalb der türkischen Gesamtbevölkerung bereits auf 25.7 Prozent zurückgehen. Bis 2050, so die TÜİK-Prognose, werde dann das Niveau um 19.1 Prozent erreicht, um bis 2075 noch einmal bis auf 17.6 Prozent abzufallen. Derzeit hätten noch mehr als die Hälfte der türkischen Familien, nämlich 54,2 Prozent, mindestens ein Kind. Mit einer Bevölkerungszahl von nahezu 100 Millionen Menschen im Jahr 2050, das ist bereits bekannt, würde die Türkei dann aber auf Rang 20 der 187 bevölkerungsreichsten Nationen abrutschen (mehr hier).

Noch 2010 lag die Rate der Kinder innerhalb der Gesamtbevölkerung bei den Ländern der Europäischen Union bei 19 Prozent, während dieser Wert in der Türkei in gleichen Jahr noch wesentlich höher, bei 30,8 Prozent lag.

Erst 2012 erreichte die türkische Bevölkerung 75.6 Millionen Menschen. Schon in dieser Zeit sank die Wachstumsrate von 0.13 Prozent im Jahr 2011 auf 0.12 Prozent im vergangenen Jahr. 2012 gab es demnach 22.6 Millionen Kinder unter 18 Jahren, so das TÜİK weiter. 27.3 Prozent der Kleinen seien damals vier Jahre oder jünger gewesen. 27.1 Prozent waren zwischen fünf und neun Jahren. Ein Anteil von 28.6 Prozent war zwischen zehn und 14, 16.9 Prozent zwischen 15 und 17.

Die höchste Kinderrate mit 49 Prozent liegt derzeit in der südöstlichen Provinz Şırnak. In der Türkei gibt es jährlich 1,2 Millionen Neugeborene. Die häufigsten Namen für Neugeborene sind Berat für Jungen und für Mädchen Zeynep. Die Rate der Todgeburten sank von 13,8 pro 1.000 Geburten auf 11,6 Prozent im Jahr 2012. Seit 1920 gibt es in der Türkei den „Tag des Kindes“ an jedem 23. April (mehr hier).

 

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