125 Millionen Dollar Unterstützung: Türken sollen Recycling lernen

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung will sich an der Finanzierung von türkischen Projekten zur Förderung Abfallverwertung beteiligen. Angesetzt wurde offenbar ein Budget von 125 Millionen US-Dollar. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft in der Türkei voranzubringen.

Mit dem Geld wolle die Bank bis zu zwölf Investitionsprojekte unterstützen. Weitere Hilfen könnten später vom „Clean Technology Fund“ kommen. (Foto: Flickr/ recycle these cups by Eric CC BY 2.0)

Mit dem Geld wolle die Bank bis zu zwölf Investitionsprojekte unterstützen. Weitere Hilfen könnten später vom „Clean Technology Fund“ kommen. (Foto: Flickr/ recycle these cups by Eric CC BY 2.0)

Die Initiative namens „Near-Zero Waste“ wurde an diesem Donnerstag vom Aufsichtsgremium der Bank verabschiedet. Erreicht werden soll eine tiefgreifende Umgestaltung der türkischen Abfallwirtschaft. Mit der Investition soll die Türkei in eine wettbewerbsfähigere und ressourceneffizientere Kreislaufwirtschaft überführt werden.

Das neue Projekt umfasst die Finanzierung von Recycoling-Investitionen in die Infrastruktur, Biomasse- und Biogasanlagen, Technologien, die Reduktion von Verpackungsabfällen und der Einsatz alternativer Kraftstoffe in Schlüsselenergieintensiven Sektoren, so die türkische Nachrichtenagentur Anadolu.

„Mit unserem Near-Zero Waste Programm wollen wir die Kreislaufwirtschaft in der Türkei voranzubringen und als Starthilfe für den Markt der nachhaltigen Abfallwirtschaft fungieren“, so Jean-Patrick Marquet, EBWE-Direktor für die Türkei. Bei der EBRD sei man überzeugt, als Vorbild agieren zu können, um so weitere Unternehmen von den entsprechenden Vorteilen überzeugen zu können.

Dass sich der Einsatz der Bank bewähre, habe bereits das vorangegangene SisecamEBWE Gemeinschaftsprojekt gezeigt. Hier wurde Bruchglas recycelt und daraus neues Glas erzeugt.

Wie lukrativ der Markt tatsächlich ist, zeigte das Portal GTAI bereits Ende des Jahres 2013 auf. Dort hieß es zum Thema:

„Private Unternehmen und kommunale Gebietskörperschaften in der Türkei investieren immer mehr in Abfallmanagementprojekte. In den kommenden Jahren rechnet das Umweltministerium mit Ausgaben von rund 8 Mrd. Euro in diesem Bereich. Um Vorhaben der Recyclingindustrie besser fördern zu können, hat die Regierung einen Strategie- und Aktionsplan geschaffen. Für ausländische Unternehmen dürften sich interessante Kooperationschancen ergeben.“

Demnach besäße der türkische Recyclingmarkt ein immenses Wachstumspotenzial.  Nach damaligen Stand wurden nur sieben Prozent aller anfallenden Abfälle im Land wiederverwertet, so die Angaben der türkischen Recycling-Föderation (Geri Dönüsümcüler Birligi Federasyonu). Eine kommerzielle Recyclingindustrie sei noch kaum vorhanden, lautete das Fazit. Expertenschätzungen zufolge erreiche der Abfallverwertungsmarkt ein jährliches Umsatzvolumen von circa fünf Milliarden Euro. Weil die Branche jedoch noch in den Kinderschuhen stecke, seien verlässliche Statistiken nur schwer erhältlich.

Nach Angaben des TAYCED-Präsidenten fallen in der Türkei jährlich 1,2 Mio. t industrielle sowie 100.000 t medizinische und 530.000 t elektronische Abfälle an. Im Verpackungsbereich besteht nach Angaben des Verbandes der Kunststoffindustrie PAGEV ein jährliches Abfallpotenzial von 2,8 Mio. t, wovon wegen unzureichender Erfassung nur 800.000 t dokumentiert werden können, so das Portal weiter. Allerdings würden bei Verpackungsmaterialien nach Angaben der Recycling-Föderation mit rund 20 Prozent eine Recyclingquote erreicht, die deutlich über der durchschnittlichen Rate von sieben Prozent liege. So seien zum Beispiel nach Angaben des Ministeriums für Umwelt und Stadtentwicklung 2012 insgesamt 82.688 t PET-Flaschen eingesammelt und wiederverwertet worden. Den wirtschaftlichen Beitrag habe das Ministerium mit 124 Mio. Türkische Lira (46 Mio. Euro; 1 Euro = 2,72 TL) beziffert.

Derzeit wird noch ein erheblicher Teil der verwertbaren Abfälle informell eingesammelt und an interessierte Abnehmer verkauft. Landesweit ist von rund 500.000 ‚Straßensammlern‘ die Rede, die täglich ihre Runden drehen und nach verwertbarem Material Ausschau halten. Mit der Verbreitung moderner Abfallentsorgungssysteme sollen diese Aktivitäten zunehmend auf industrieller Basis organisiert und betrieben werden, so GTAI. Die Städte und Kommunen seien bei diesem Modernisierungsprozess die treibende Kraft. Bereits in den zurückliegenden zehn Jahren sei die Zahl der Menschen, die geordnete Müllentsorgungsdienste erhalten, von 19 Mio. auf 55 Mio. erhöht worden. Damit sei die Grundlage für die industrielle Verwertung der Abfälle verbessert worden. Mit Stand des Jahres 2013 fielen in der Türkei pro Jahr rund 25 Mio. t Haushaltsabfälle an.

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