Lizenz zum Töten: Türkischer Prediger gibt IS-Anhänger zum Abschuss frei

Der türkische TV-Prediger Ahmet Mahmut Ünlü hat es erneut in die Schlagzeilen geschafft. Nur wenige Tage, nachdem er sich in die Oralsex-Debatte eingeschaltet hat, schaltet er sich nun offenbar in den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein. Der Kleriker gab eine Fatwa heraus, in der er die Lizenz zur Tötung von IS-Anhängern ausspricht.

Ahmet Mahmut Ünlü meldete sich am 23. Juli im Rahmen seiner täglichen Kolumne für die Vahdet zu Wort. Darin verweist er mit einem Zitat des Propheten Muhammad auf die heutigen IS-Anhänger.

Ünlü schreibt: „Wenn ihr über sie rennt, schlachtet sie, als würdet ihr mit den Menschen in Ad und İrem [zwei Orte, die  von Gott zerstört wurden] kämpfen. Denjenigen, die sie töten, wird vergeben und diejenigen, die von ihnen getötet werden, werden Märtyrer sein.“ Nach Ansicht Ünlüs handelt es sich bei IS-Anhängern um „Höllenhunde“, so die türkische Zeitung Hürriyet. Er selbst wurde Anfang des Jahres von der Terrormiliz bedroht. Auch damals gab er sich trotzig: „Wenn ich auf Gottes Liste stehe, werde ich sowieso sterben. Wenn ich nicht auf dieser Liste bin, so kann ISIL nicht eingreifen.“

Mitte Juli sorgte die Debatte, ob gläubigen Muslimen Oralsex erlaubt sei, für internationales Amüsement.  Ünlü widersprach damals einem Kollegen, der dies nicht für gestattet hielt.

Ahmet Mahmut Ünlü zufolge gebe es im Koran überhaupt keine Verse, die Oralsex als Sünde bezeichnen würden. Er erklärt: „Brüder, lasst uns offen sprechen. Die schafiitische Rechtsschule erlaubt den Akt.“ Diese Rechtsschule, so der Gelehrte weiter, betrachte den menschlichen Samen als reine Substanz. Zwar bezeichne die hanafitische Schule den Samen als unrein, sie füge aber hinzu, dass die Kleidung durch das Abwischen des Samens gereinigt werden könne, wenn er getrocknet sei.

Die Debatte, so lässt Ünlü durchblicken, könne er durchaus verstehen – auch, dass einige diese Praktik für unangemessen halten. Doch keine islamische Rechtsprechung bezeichne das als Haram, also als nach dem islamischen Gesetz verboten. Wie könne Demircan also behaupten, es sei Haram? Er fragt sich, was wohl dessen Quelle sei. Immerhin gebe es selbst im konservativen Indonesien und Malaysia Kleriker, die nichts dagegen einzuwenden hätten.

Ünlü gilt in der türkischen TV-Landschaft in der Tat als liberaler und humorvoller Geist. Immer wieder tauchen in seinen Predigten auch sexuelle Themen auf. Überflügelt wurde er in jüngster Zeit allerdings von dem selbsternannten Medien-Evangelisten Mücahid Cihad Han. Er warnte seine männlichen Zuschauer im Mai davor, sich mit der Hand einen „runterzuholen“. Denn die vergewaltigte Hand werde am Tag des Jüngsten Gerichts vor ihren Peiniger treten und Zeugnis ablegen. Noch dubioser ist: Die Hand wird zu diesem Zeitpunkt schwanger sein (mehr hier).

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