Grünen-Chef Özdemir: Kehrtwende der Türkei im Kampf gegen IS war überfällig

Der Parteivorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, hat die Kehrtwende der türkischen Regierung im Konflikt mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begrüßt. Die Entscheidung komme aber reichlich spät, sagte Özdemir am Freitag. Die Türkei habe den Kampf gegen den IS lange erschwert, kritisierte er.

Im Gespräch mit Sabine Dahl von rbb inforadio hofft Özdemir, dass die Türkei ihre Haltung nun endgültig geändert habe. Lange habe die Türkei auf die Strategie gesetzt, der Feind meines Feindes ist mein Freund. Alles, was helfe, den syrischen Diktator Assad zu beseitigen, sei gut. Seit Anfang der Woche scheint nun jedoch alles anders.

«Wenn die Türkei jetzt endlich verstanden hat, dass sie da eine Schlange mit erzeugt hat, und das jetzt offensichtlich außer Kontrolle gerät, weil die Türkei selber Opfer wird von Angriffen von IS, dann ist das zu begrüßen», so Özdemir zu den jüngsten Reaktionen Ankaras von diesem Freitag. Seiner Ansicht nach habe der Anschlag von vergangenem Montag mit mehr als 30 Toten das Umdenken in Ankara ausgelöst.

Türkische Kampfflugzeuge flogen am Freitagmorgen erstmals Angriffe auf Stellungen der IS-Terrormiliz im benachbarten Syrien. Zugleich erlaubte die Türkei dem Nato-Partner USA, den strategisch wichtigen Stützpunkt Incirlik für Luftangriffe auf die Terrormiliz zu nutzen (mehr hier).

«Dass der Stützpunkt Incirlik jetzt benutzt werden darf, und dass die türkische Luftwaffe selber Angriffe gegen den IS fliegt, könnte ein game changer (Spielwende) sein», gab Özdemir zu Bedenken. Er hoffe, dass die Türkei das erkenne. Zudem solle die Situation genutzt werden, um das Verhältnis zu den Kurden zu ändern. «Eins ist klar, der Kampf gegen IS wird allein durch Luftschläge nicht erfolgreich sein, wenn nicht die Kurden ebenfalls gestärkt werden.» IS müsse gestoppt werden. IS sei eine Geisel der Menschheit.

Nur zwei Stunden nach dem Bombenanschlag von Suruç hatte der Grünen-Politiker Cem Özdemir in einer Twitter-Mitteilung die AKP angeprangert. Der IS sei der gemeinsame Feind von Türken und Kurden. Das begreife die AKP nicht (mehr hier).

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