Yemeksepeti.com: Mitarbeiter bekommen nach Firmenverkauf 27 Millionen US-Dollar

Unverhoffter Geldsegen für die Mitarbeiter der führenden türkischen Bestellservice-Kette yemeksepeti.com. Nach dem Verkauf im vergangenen Mai schüttet ihr Chef nun 27 Millionen US-Dollar an sie aus. Das Unternehmen will damit ganz bewusst ein Exempel statuieren.

In 15 Jahren ist yemeksepeti.com zu einem echten Erfolgsmodell geworden. (Screenshot yemeksepeti.com)

In 15 Jahren ist yemeksepeti.com zu einem echten Erfolgsmodell geworden. (Screenshot yemeksepeti.com)

In der Regel verheißt der Verkauf eines Unternehmens für die Mitarbeiter nichts Gutes. Im Fall von Yemeksepeti.com scheint sich das Blatt allerdings zum Besten gewendet zu haben. Im vergangenen Mai wurde das Unternehmen für 589 Millionen US-Dollar verkauft. Jetzt kommt CEO Nevzat Aydın mit einer überraschenden Nachricht um die Ecke. Die mehr als 100 Mitarbeiter erhalten Boni in Gesamthöhe von 27 Millionen US-Dollar.

„Wir haben 27 Millionen US-Dollar des Geldes, das wir dabei verdient haben, mit unseren 114 Mitarbeitern geteilt“, so Aydın gegenüber der türkischen Zeitung Hürriyet. Vorangegagen war im Mai dieses Jahres der Verkauf des Unternehmens an das in Berlin gegründete Portal Delivery Hero, dem internationalen Ableger von Lieferheld. Der Deal galt als der bislang größte in der Firmengeschichte von Delivery Hero. Der größte Teil der Summe sei damals in bar ausbezahlt worden, so CEO Niklas Östberg gegenüber Gründerszene, der Rest per Aktientausch. Die neue Tochter wird seither vom CEO und Mitgründer Nevzat Aydin geführt, der Delivery Hero in Berlin auch als Berater des Aufsichtsrates unterstützt.

Wie Aydın dem türkischen Blatt nun weiter erklärt, solle durch das Teilen des Geldes mit den Mitarbeitern „ein schlechtes Beispiel“ für andere Firmenbosse gesetzt werden. Dem CEO ist völlig klar: „Sie werden uns hassen, aber so ist das nun einmal.“ Auch wenn es es diesbezüglich keine Haftungen oder Versprechungen gebe, teilte man die 27 Millionen aus den eigenen Aktienanteilen.

Aydın zufolge sei das in der Türkei eine Premiere. Entschieden habe man sich dafür aber ganz bewusst. Schließlich habe man den bisherigen Erfolg auch gemeinsam erreicht.

Heruntergebrochen bedeutet die Entscheidung rund 200.000 Dollar für jeden Mitarbeiter. Einige hätten laut Aydın sehr emotional darauf reagiert. Es habe Tränen gegeben, andere hätten geschrien und auch Dankesbriefe hätten das Unternehmen erreicht. Für den Firmenboss ist das nur allzu verständlich. Das Geld habe direkten Einfluss auf das Leben der Menschen. Damit könnten Häuser oder Autos gekauft werden, was mit einem Monatslohn von 3.000 bis 5.000 Türkischen Lira sonst nur schwer möglich gewesen wäre.

Der Deal war auch die bislang größte Übernahme eines türkischen Technologieunternehmens und Aydın zufolge das Ergebnis von „Geduld“. Heute ist er sich sicher. Hätte man noch ein Jahr länger gewartet, wäre die Summe wahrscheinlich noch höher ausgefallen. Zuvor musste die Firma allerdings auch lernen, Nein zu sagen. So steigerten sich in der gut 15-jährigen Firmengeschichte die Angebote von einst drei Millionen auf nun fast 600 Millionen US-Dollar.

Als das Unternehmen im Jahr 2000 gegründet wurde, habe man gerade einmal 80.000 US-Dollar investiert. Viele seien skeptisch gewesen, dass die Idee auch tatsächlich funktioniere. Mittlerweile ist das Unternehmen profitabel, auch in Griechenland unter Clickdelivery.gr aktiv und betreibt weitere Bestellplattformen im Nahen Osten. Unter den Marken Foodonclick.com und Ifood.jo operiert Yemeksepeti in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Saudi-Arabien, Libanon, Oman, Katar und Jordanien, so gruenderszene.de. 100.000 Bestellungen gehen dem CEO zufolge pro Tag ein. Insgesamt gibt es mehr als drei Millionen Transaktionen pro Monat.

Mehr zum Thema:

Welle der Solidarität: Türkische Bürger ordern Lebensmittel für Gezi-Park-Demonstranten

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.