Lage in der Türkei: Auswärtiges Amt warnt vor terroristischen Anschlägen und Entführungen

Wer sich dieser Tage zu einer Reise in bestimmte Gebiete innerhalb der Türkei entschließt, sollte besonders wachsam sein. Seit dem Anschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç warnt das Auswärtige Amt vor weiteren terroristischen Anschlägen und Entführungen von ausländischen Staatsangehörigen besonders in Grenznähe. Auch so mancher türkischer Reiseunternehmer macht sich bereits Sorgen.

Wer sich dieser Tage zu einer Reise in die Türkei aufmacht, sollte besonders umsichtig sein. (Foto: Flickr/ always on the look by Georgie Pauwels CC BY 2.0)

Wer sich dieser Tage zu einer Reise in die Türkei aufmacht, sollte besonders umsichtig sein. (Foto: Flickr/ always on the look by Georgie Pauwels CC BY 2.0)

Angesichts des jüngsten Anschlags in der Türkei und den sich daraus ergebenden Ereignissen hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für das Land aktualisiert. In bestimmten Regionen wird nun zu erhöhter Vorsicht gemahnt.

In einem aktuellen Hinweis heißt es hierzu:

„Es besteht die Gefahr von weiteren terroristischen Anschlägen und Entführungen von ausländischen Staatsangehörigen besonders in Grenznähe. In der Nähe der syrischen Stadt Kobani/ Ain al-Arab und an anderen Orten gingen zudem in letzter Zeit wiederholt Granaten aus Syrien auf türkischem Gebiet nieder.

Angesichts der angespannten Situation wird dringend empfohlen, sich nicht in der Nähe der Grenzen zu Syrien und Irak aufzuhalten und insbesondere Grenzanlagen zu meiden (siehe auch Hinweise unter ‚Reisen über Land‘.) Es wird geraten, die Medienberichterstattung zur aktuellen Lage zu verfolgen.“

In den Provinzen Hatay, Kilis, Gaziantep, Sanliurfa, Diyarbakir, Mardin, Batman, Bitlis, Bingöl, Siirt, Mus, Tunceli,  Sirnak, Hakkari und Van bestehe überdies ein erhöhtes Risiko für Reisende. Die aktuelle Berichterstattung sollte auch hierzu aufmerksam verfolgt werden.

Deutsche, die sich längerfristig bzw. dauerhaft im Land aufhielten, hätten außerdem die Möglichkeit, sich elektronisch in der Deutschenliste der deutschen Auslandsvertretung zu registrieren unter: Externer Link, öffnet in neuem Fensterservice.diplo.de. Auch bei kurzfristigen Aufenthalten in den Provinzen Diyarbakir, Mardin, Batman, Bitlis, Bingöl, Siirt, Mus, Tunceli,  Sirnak, Hakkari und Van werde eine Registrierung nahe gelegt.

Weiter heißt es:

„Das Auswärtige Amt empfiehlt weiterhin, belebte Plätze im innerstädtischen Bereich, Verkehrsmittel des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs sowie Regierungs- und Militäreinrichtungen zu meiden bzw. die Anwesenheiten an solchen Orten auf das unbedingt erforderliche Maß einzuschränken.

In Bereichen nahe der syrischen Grenze ist mit verstärktem Militär- und Gendarmerieaufkommen (Jandarma) zu rechnen. Es wird aufgrund der aktuellen Auseinandersetzungen im türkisch-syrischen Grenzgebiet empfohlen, sich nicht in der Nähe der türkisch-syrischen Grenze und in grenznahen Ortschaften aufzuhalten, insbesondere türkisch-syrische Grenzanlagen zu meiden und diese auch nicht zu fotografieren.“

Der Anschlag in Suruç mit 32 Todesopfern am vergangenen Montag macht auch so manchem türkischen Reiseunternehmer Sorgen. Und das, obwohl der kurdisch geprägte Ort an der syrischen Grenze kein Ziel für Touristen ist.

Gerade in der Hauptsaison zwischen April und Oktober könnte eine schwierige Sicherheitslage dennoch geschäftsschädigend sein, befürchtet Eyüp Yildiz, Chef des Reiseunternehmens Argent Tours in Istanbul. «Wenn es einen Bombenanschlag oder Ähnliches gibt, denken die Menschen, das könnte überall in der Türkei passieren», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Noch habe er zwar keine Stornierungen, aber das Geschäft laufe in den letzen drei Jahren wegen des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien insgesamt schlechter. Im Vergleich zum Juli vergangenen Jahres habe er weniger Buchungen zu verzeichnen. Sein Unternehmen konzentriere sich vor allem auf Reisen nach Istanbul, in den westtürkischen Badeort Bodrum und auf Kulturreisen.

Statistisch gesehen ist und bleibt die Türkei ein beliebtes Reiseziel. 2014 kamen laut türkischem Statistikamt 41,4 Millionen Besucher ins Land, im Vergleich zu 39,2 Millionen im Vorjahr. Auch im ersten Quartal des Jahres 2015 gibt es einen leichten Aufwärtstrend: 5,3 Millionen Touristen waren es im Vergleich zu 5,1 Millionen im ersten Quartal des Vorjahres. Im Jahr 2014 brachte der Tourismus Einnahmen von rund 34,3 Milliarden US-Dollar (rund 31,6 Mrd Euro).

Die Türkei ist auch ein beliebtes Reiseland der Deutschen. Und auch nach dem Anschlag in Suruç geben die Reisegesellschaften Entwarnung. Es habe nach dem Attentat keine Stornierungen gegeben, sagte die Sprecherin des Unternehmens DER Touristik in Köln, Anne Schmidt, der Deutschen Presse-Agentur. Der Buchungstrend der Türkei sei ungebrochen und die Preise attraktiv. Auch beim größten deutschen Reisekonzern Tui habe das Attentat keinen Einfluss auf die Türkei Buchungen, sagte die Sprecherin von Tui-Deutschland, Susanne Stünckel, der Deutschen Presse-Agentur. Nach Spanien sei die Türkei das beliebteste Urlaubsland der Tui-Gäste. Vor allem die türkische Reviera sei beliebt. Der türkische Unternehmer Yildiz dagegen hofft auf eine stabilerer Lage. «Die Türkei muss zeigen, dass sie ein sicheres Land ist», sagte er.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat am Sonntag mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavusoglu zur Lage in der Türkei telefoniert. Er erklärte danach:

„Die Türkei hat eine mehr als 900 km lange Grenze zu Syrien und befindet sich allein schon deshalb in einer schwierigen Lage. Ich habe meinem türkischen Amtskollegen gestern bei unserem Telefonat mein Verständnis dafür ausgesprochen, dass die Türkei gegen diejenigen vorgeht, die für die schrecklichen Terroranschläge der letzten Tage verantwortlich sind. Gleichzeitig habe ich unterstrichen, dass der so mühsam aufgebaute Friedensprozess mit den Kurden jetzt nicht zum Erliegen kommen darf – dies würde eine ohnehin komplizierte Lage nur noch schwieriger machen!

In unserem Gespräch hat mir der türkische Außenminister zugesichert, dass die türkische Regierung ein Interesse daran hat, dass der Friedensprozess fortgesetzt wird. Wir werden dazu und auch was unsere gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen ISIS angeht mit der Türkei weiterhin eng im Gespräch bleiben. Unser aller Ziel ist es, dass sich ISIS nicht weiter in der Region ausbreitet. Das ist auch eine Bedingung dafür, dass wir in Syrien einer politischen Lösung näher kommen können.“

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