Simit und Breze an einem Tisch – Ein Nachbericht zu „Speed Speaking Atlasya“

Culture Clash kann Spaß machen, wenn beide Seiten mit Neugier aufeinander zugehen. Das zeigte der Event „Speed Speaking Atlasya“ in Augsburg eindrucksvoll.

Ausgelassene Stunden im Zeughaus Augsburg. (Foto: Michael Eichhammer)

Ausgelassene Stunden im Zeughaus Augsburg. (Foto: Michael Eichhammer)

Manche Menschen reden oder leben gar aneinander vorbei. Das muss nicht so sein, wie der Event „Speed Speaking Atlasya“ im Zeughaus Augsburg erfolgreich beweisen konnte. Schon auf dem Büffet-Tisch wurde das Motto des Abends sinnbildlich deutlich: Das türkische Gebäck Simit und die bayerische Breze waren ineinander verschränkt und zeigten „Hand in Hand“ wie ähnlich sie sich – aus der Nähe betrachtet – eigentlich sind. Deutsche und Türkischstämmige saßen sich an diesem Abend jeweils in Zweiergruppen an einem Tisch gegenüber, um in lockerer Atmosphäre die andere Sprache und Kultur kennenzulernen oder auch, um bereits vorhandene Sprachkenntnisse zu vertiefen. Vokabeln auswendig lernen kann man in jedem Sprachkurs, doch „Speed Speaking Atlasya“ will mehr sein: eine lebendige Sprach- und Kulturbrücke. Integration war an diesem Abend keine Einbahnstraße – sondern ein runder Tisch.

Nach jeweils fünf Minuten wurden Plätze getauscht, so dass sich immer wieder neue Gesprächspartner gegenüber saßen. Dass das Sprachniveau in der jeweils anderen Sprache äußerst unterschiedlich ausfiel, machte sich nie unangenehm bemerkbar – denn wenn neugierige und offene Menschen aufeinander treffen, findet sich ein Weg der Verständigung. Management-Trainer Hans beispielsweise hatte bisher „null Türkischkenntnisse“, war aber „begeistert von den türkischen Mitbewohnern, dem Essen und der Herzlichkeit, mit der ich aufgenommen wurde.“ Auch Toni, Lehrer am Bayernkolleg, wollte an diesem Abend zum ersten Mal in die türkische Sprache reinschnuppern. „Die Methode erwies sich als verblüffend effektiv“, sagt er über das Atlasya-Konzept. „Sehr rasch kann man auf diese Weise auch ohne Unterrichtsvermittlung Wortschatz und Sprachstrukturen in der Praxis erwerben.“ Er gibt allerdings zu: „Man muss konzentriert sein.“ Deshalb hatten sich die kommunikationsfreudigen Teilnehmer auch immer wieder kleine Pausen verdient. Zeit, um die mit Liebe zum Detail gestalteten Deko-Elemente zu würdigen. Zudem wurde ein vierzigminütiger Film gezeigt, der schöne Orte sowohl in der Türkei als auch in Deutschland präsentierte. Die Sprach- und Kulturinteressierten bekamen dank diverser Sponsoren Gelegenheit, landestypische Spezialitäten zu kosten – von Simit über Baklava und Börek bis zu türkischem Kaffee, Tee und Ayran.

Mit dem Event „Speed Speaking“ wollte Özlem Degirmenci-Eichhammer, die den Event mit ihren Mitarbeiter(inne)n vom Atlas Sprachinstitut organisierte, eine Sprachbrücke zwischen den Kulturen bauen, aber auch „beweisen, dass man mit Spaß am besten lernt.“ Mission geglückt: Der Abend hatte mehr von einem gemeinsamen, fröhlichen Fest als von einem Sprachkurs. Am Ende bekamen alle Gesprächspartner eine Teilnahmebestätigung und eine weiße Blume überreicht. Insgesamt waren das über 40 Blumen. Eine stattliche Teilnehmerzahl für eine Debüt-Veranstaltung und ein schönes Signal des gegenseitigen Interesses der Kulturen.

(Foto: Michael Eichhammer)

(Foto: Michael Eichhammer)

Die Augsburgerin Veronika gibt zu, dass sich ihre Türkischkenntnisse vor diesem Abend auf „Merhaba“ („Hallo“) beschränkten, doch kann sie sich nun „vorstellen, einen Sprachkurs zu machen, denn ich fahre bestimmt noch öfter in die Türkei.“ Einen solchen Sprachkurs beim Atlas Sprachinstitut besucht Lisa bereits seit Januar. Sie war schon oft in Istanbul und verrät: „Besonders spaßig war, dass ich heute im Gespräch mit Menschen aus Istanbul feststellen durfte, dass ich Dingen in der Stadt kenne, die die Istanbuler nicht kannten und umgekehrt.“ Beispielsweise Kerim, der in Istanbul aufgewachsen ist und an der Universität Augsburg Deutsch als Zweitsprache studiert. „Ich war positiv überrascht, dass Deutsche auch Türkisch sprechen und Interesse haben an der Türkischen Sprache“, sagt er. Auch die türkischstämmige Lehrerin Lale war „verblüfft, dass so viele Menschen türkisch lernen.“ Normalerweise sei sie ein Mensch, der ungern mit fremden Personen redet, „aber die Atmosphäre war so locker und familiär, dass es mir großen Spaß gemacht hat.“

Auch die Veranstalterin war äußerst zufrieden mit dem Event: „Für mich war es wunderschön, zu sehen, dass mein Team und ich die Leute mit unserer Leidenschaft für Sprache und Kultur angesteckt haben und wir aufzeigen konnten, dass die Vielfalt viele Chancen mit sich bringt und wir voneinander lernen können.“ Mitarbeiterin Nathalie freute sich, „wie viel gegenseitiges Interesse zwischen Deutschen und Türken eigentlich besteht.“ Sie ist überzeugt: „Häufig hält nur Unsicherheit die Menschen davon ab, sich der anderen Sprache und Kultur zu öffnen.“ An diesem Abend sei es „gelungen, einen ´geschützten Raum´ zu schaffen, in dem der Sprach- und Kulturaustausch ohne Ängste und Unsicherheiten stattfinden konnte.“

Vor der Gründung des eigenen Instituts lehrte Degirmenci-Eichhammer an Universitäten und Schulen in der Türkei sowie in Deutschland an diversen Sprachschulen sowie an der Universität Augsburg. „Die Deutschen, die bei Özlem Degirmenci-Eichhammer lernen, sind sehr gut in der türkischen Grammatik“, stellt eine türkische Dame namens Zuhal fest. „Das bedeutet, dass ihre Lehrerin und ihr System sehr gut sind, denn Türkisch ist eine sehr schwierig zu erlernende Sprache.“ Eine weitere Gemeinsamkeit mit der deutschen Sprache. Es gibt zwischen Türken und Deutschen eben noch viel mehr Ähnlichkeiten als die von Breze und Simit. Davon kann man sich bald wieder überzeugen, denn nach dem positiven Feedback steht in Sachen „Speed Speaking Atlasya“ schon jetzt fest: Fortsetzung folgt!

Text: Michael Eichhammer

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