Terroristen der Zukunft: Dreijähriges Kind aus London soll potentieller Extremist sein

Hunderte Londoner Kinder und Jugendliche wurden in den vergangenen Monaten als potenzielle künftige Extremisten oder als für eine Radikalisierung gefährdet eingestuft. In dieser Gruppe soll sich auch ein erst dreijähriges Kind befinden. Es weist angeblich bereits erste Anzeichen eines alarmierenden Verhaltens auf.

In Großbritannien stehen seit Anfang des Jahres sogar Kinder unter Beobachtung. (Foto: Flickr/ Kate and Orlando by Richard Leeming CC BY 2.0)

In Großbritannien stehen seit Anfang des Jahres sogar Kinder unter Beobachtung. (Foto: Flickr/ Kate and Orlando by Richard Leeming CC BY 2.0)

In der britischen Hauptstadt London gibt es derzeit 450 junge Menschen, die von den Behörden als zukünftige Terroristen eingestuft werden. Unter ihnen soll sich auch ein erst dreijähriges Kind befinden. Möglich wird eine solch frühe Einordnung durch ein neues Gesetz, das seit Anfang dieses Jahres auch Erzieherinnen und Kita-Personal in die Pflicht zur Beobachtung nimmt.

Das betroffene Kleinkind soll aus Tower Hamlets stammen und Teil einer größeren Familiengruppe sein. Bereits jetzt soll es ein alarmierendes Verhalten an den Tag legen. Das berichtet der Evening Standard unter Berufung auf eine Statistik der London Assembly. Details des potentiell bedrohlichen Verhaltens nannte das Blatt allerdings nicht.

Seit Beginn des Anti-Terror-Programms „Channel” sollen demnach insgesamt 1.069 Londoner eingewiesen worden sein. Dabei handelt es sich um eine Art „Umerziehungs-Programm” für Personen, die als potentiell extremistisch eingeschätzt werden und nun frühzeitig wieder auf den rechten Weg gebracht werden sollen. Landesweit gebe es dem Blatt zufolge 4000 registrierte Fälle. Damit entfällt also ein Viertel auf die Hauptstadt.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Jugendlichen: Seit September 2014 wurden 400 „Channel”-Überweisungen für Jugendliche und Kinder unter 18 Jahren vorgenommen. 450 junge Londoner seien zur Terror-Vorbeugung namens „Prevent Case Management” geschickt worden, die ebenfalls zum „Channel”-Programm gehört. 300 von ihnen waren noch nicht einmal 18 Jahre alt.

Das Blatt spricht in diesem Zusammenhang von einer „verstörenden Liste“, die „das bisher detaillierteste Bild zeichnet, mit was für einem Sicherheitsrisiko die Polizei und Geheimdienste in der Hauptstadt konfrontiert“ seien. Britische Experten würden gar befürchten, dass die Zahl der identifizierten Jugendlichen aufgrund der massiven IS-Propaganda und des britischen Engagements in Syrien noch weiter ansteige.

Seit Anfang des Jahres herrscht in Großbritannien erhöhte Aufmerksamkeit. Seither ist nämlich die so genannte „Counter-Terrorism and Security Bill 2014-15“ in Kraft. Nun werde unter anderem auch von Erzieherinnen und Kita-Personal verlangt „Kleinkinder anzuzeigen, bei denen Gefahr besteht, dass sie Terroristen werden könnten“, so der Telegraph. Sie hätten jetzt per Gesetz die Pflicht „zu verhindern, dass Menschen in den Terrorismus abrutschen“. Um gefährdete Kinder überhaupt zu identifizieren bzw. extremistischen Ideen entgegentreten zu können, würde das Personal auch entsprechend geschult werden.

Aufgrund von Bedenken wegen der familiären Situation habe sich die britische Polizei bereits 30 Mal an Familiengerichte gewandt, um zum Schutze kleiner Kinder die Unterbringung in einer Pflegestelle zu erwirken. Die Maßnahmen beinhalte auch den Einzug des Kinderreisepasses, so der Evening Standard.

Scotland Yard hat die aktuellen Zahlenübrigens begrüßt. Sie würden zeigen, dass die Londoner die Gefahren des Extremismus ebenso verstünden wie die Notwendigkeit darüber zu sprechen. Auch die eingesetzten Programme würden Sinn machen. „Je früher wir eingreifen können, um eine Radikalisierung zu verhindern, umso besser“, sagt etwa Kommandant Richard Walton von der Anti-Terror-Einheit.

Gleichzeitig wurden auch Rufe aus der Politik laut, dass der Kampf gegen den Extremismus künftig noch stärker durch Schulen und nicht von der Polizei geführt werden sollte. So forderte etwa London Assembly-Mitglied Murad Qureshi Unterricht und Bildung noch mehr Bedeutung beizumessen. Eine Wendung verspricht er sich etwa durch mehr Aufklärung über die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Geschichtsunterricht. So soll der von anderer Seite verbreiteten Propaganda entgegen getreten werden.


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