Amnesty International: Die meisten syrischen Flüchtlinge bleiben für immer in der Türkei

Für die meisten syrischen Flüchtlinge wird die Türkei wohl nicht nur ein Zufluchtsort auf Zeit bleiben. Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International prognostiziert, werde das Gros nicht mehr nach Syrien zurückkehren können. Gleichzeitig lobte sie die bisherigen Bemühungen der Türkei, forderte diese aber nun auf, den Flüchtlingen das Leben langfristig zu erleichtern.

Die Türkei und die internationale Gemeinschaft müssen zusammenarbeiten, um die Situation für Flüchtlinge zu verbessern. (Foto: Flickr/ Syrian children by Freedom House CC BY 2.0)

Die Türkei und die internationale Gemeinschaft müssen zusammenarbeiten, um die Situation für Flüchtlinge zu verbessern. (Foto: Flickr/ Syrian children by Freedom House CC BY 2.0)

Andrew Gardner, Türkei-Experte von Amnesty International, ist der Ansicht, dass ein erheblicher Teil der in der Türkei befindlichen syrischen Flüchtlinge nicht in der Lage sein wird, wieder in die Heimat zurück zu kehren. Gleichzeitig drängt er darauf, dass die türkische Regierung diese Entwicklung künftig ins Auge fassen sollte.

In einem Gespräch mit Voice of America Radio erklärte Gardner, dass derzeit 1,8 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei lebten. 200.000 seien in Flüchtlingslagern untergebracht und mehr als 1,5 Millionen in vorübergehenden Einrichtungen unter staatlicher Kontrolle. In der Lage in naher Zukunft nach Syrien zurückzukehren seien sie aber nicht, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Die türkischen Bemühungen jetzt, aber auch in der Zukunft seien von „entscheidender Bedeutung“, so Gardner. „Die Türkei sollte Maßnahmen gegen potentielle Angriffe durch die IS unternehmen, die auf syrische Einwanderer in der Türkei zielen könnten.“ Gleichzeitig lobte er die seit nunmehr vier Jahren aufrecht erhaltene Politik der „offenen Tür“ gegenüber den Flüchtlingen aus dem krisengebeutelten Nachbarstaat. Im Zuge dessen sei es seiner Ansicht nach jedoch wichtig, dass Ankara den Flüchtlingen einen rechtlichen Status gewährleiste. „Um diese Leute sollte sich gekümmert und ihre Eingliederung in die Gesellschaft gewährleistet werden. Viele syrische Familien sind in überfüllten Häusern untergebracht, unter Bedingungen, unter denen es keine Luft und keine Toiletten gibt.“

Nach Ansicht von Gardner sei hier auch die internationale Gemeinschaft gefragt, die der Türkei helfend zur Seite stehen müsste, um diese Situation zu verändern. Entsprechend misst er der Zusammenarbeit der Türkei mit der internationalen Gemeinschaft in dieser Hinsicht größte Bedeutung bei.

Eine Hochzeit im südostanatolischen Kilis lieferte unterdessen jedoch den Beweis dafür, wie solidarisch sich die Türken mit ihren syrischen Nachbarn zeigen. Statt eine rauschende Party mit Familie und Freunden zu feiern, gab es ein Festessen für Tausende syrische Flüchtlinge. Das Bild der Frischvermählten beim Verteilen geht gerade um die Welt (mehr hier).

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