Türkei schränkt Tierversuche für kosmetische Produkte ein

In die türkische Kosmetik-Verordnung wurde ein neuer Artikel aufgenommen. Dieser verbietet jegliche Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe oder Rezepturen für Endpunkte, wenn es stattdessen eine valide alternative Methode gibt. In Kraft treten soll der neue Artikel Anfang 2016.

An Tieren getestete Kosmetik soll vom türkischen Markt verbannt werden. (Foto: Flickr/ Lipstick by Greta Ceresini CC BY 2.0)

An Tieren getestete Kosmetik soll vom türkischen Markt verbannt werden. (Foto: Flickr/ Lipstick by Greta Ceresini CC BY 2.0)

Die türkische Arzneimittel- und Medizinverwaltung hat das Verbot über eine Änderung der Verordnung erlassen und im vergangenen Monat im Amtsblatt veröffentlicht. Es besagt, dass Produkte, die mit Hilfe von Tierversuchen hergestellt würden, nun nicht mehr auf dem türkischen Markt erlaubt seien, falls es hierfür entsprechende alternative Methoden gebe, die auf EU- oder OECD-Ebene anerkannt wären. Die Änderung verbietet darüber hinaus die Vermarktung von Fertigprodukten, die an Tieren getestet wurden.

Die Änderungen treten am 15. Januar in Kraft, berichtet das Fachportal Chemical Watch.

Das Verbot wird als Schritt der Türkei gewertet, seine Vorschriften mit der EU in Einklang zu bringen und seinen Status als Beitrittskandidat zu fördern, so die Humane Society International (HSI) Wahlkampfleiterin Claire Mansfield. Diese moniert jedoch: Es ist enttäuschend, dass sie diese regulatorischen Änderungen nicht vollständig mit der EU angleichen und ein echtes Verbot erlassen.

Nach Ansicht der HSI sei ein Verbot in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit von Alternativen nicht im Einklang mit den EU-Vorschriften. Die Europäische Union verhängn ein Vermarktungsverbot für an Tieren getestet Kosmetik, unabhängig vom Status der Alternativen. Ein Verbot der fertigen Produkte würde zudem wenig Wirkung auf das Leid der Tiere haben. Denn die Mehrheit der Tests fänden ohnehin für einzelne Inhaltsstoffe statt, so die NGO.

Am 11. März 2013 trat die letzte Stufe des geschichtsträchtigen Verkaufsverbots von an Tieren getesteten Kosmetikinhaltsstoffen in Kraft. „Damit muss jedes internationale Unternehmen, das seine Körperpflegeprodukte in der EU vermarkten möchte, künftig von Tierversuchen sowohl für die Endprodukte als auch ihre Inhaltsstoffe absehen“, informiert die Tierschutzorganisation PETA.

Diese kommentiert:

„Das EU-Verbot bringt die Auffassung der Öffentlichkeit zum Ausdruck, dass das Wohl der Tiere wichtiger ist als Kosmetikprodukte. Für Kosmetika-Versuche werden Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Ratten und andere Tiere in kleinen, kahlen Käfigen gehalten. Chemische Substanzen werden ihnen in die Augen getropft, eingeflößt und auf der geschädigten Haut aufgetragen. Dabei erhalten die Tiere in der Regel keine Schmerzmittel. Wenn ihre ausgemergelten Körper nicht länger für Versuchszwecke nützlich sind, werden die Tiere getötet.“

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