«Patriot»-Einsatz in der Türkei: Mehr als 40 Prozent der Soldaten zu lange vor Ort

Beim nun auslaufenden Bundeswehr-Einsatz im Südosten der Türkei haben Hunderte Soldaten länger Dienst schieben müssen als eigentlich vorgesehen. In mehr als 40 Prozent der Fälle konnte die Karenzzeit zwischen zwei Einsätzen nicht eingehalten werden. Grund ist der immense Bedarf an raren Spezialkräften.

In der schriftlichen Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Frage des Bundestagsabgeordneten Alexander Neu (Linke) heißt es, seit Beginn des Einsatzes 2013 hätten 41 Prozent der insgesamt 2316 Soldaten die sogenannte Karenzzeit nicht einhalten können. Normalerweise sollte zwischen zwei viermonatigen Einsätzen im Ausland eine Pause von 20 Monaten liegen.

Ein Grund für die Verlängerung der Einsatzzeiten sind die Spezialkenntnisse, die für den 24-Stunden-Betrieb des derzeit noch im türkischen Kahramanmaras stationierten «Patriot»-Abwehrsystems benötigt werden. Nach Angaben aus der Luftwaffe braucht man dafür ständig 27 Soldaten mit einer speziellen Ausbildung, das sogenannte Feuerleitpersonal. Die Luftwaffe hält dafür aber lediglich 130 Soldaten bereit, von denen einige zudem wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen nicht infrage kommen. «Wir sind im Prinzip nur dafür ausgelegt, ein Jahr durchhaltefähig zu sein», sagte ein ehemaliger Teilnehmer des Einsatzes.

Die Bundesregierung hatte am Samstag angekündigt, dass die «Patriot»-Raketenabwehreinheit wegen der inzwischen nur noch geringen Bedrohung durch Syrien bis Ende Januar 2016 aus der Türkei abgezogen wird.

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