Schlechte Urlaubssaison: Türkische Bürgermeister wollen Schulferien verlängern

An der türkischen Ägäis gibt es derzeit eine ungewöhnliche Forderung, um die bislang eher enttäuschende Urlaubssaison 2015 doch noch zum Positiven zu wenden. Drei Bürgermeister haben sich hierzu an das Ministerium für Kultur und Bildung gewandt. Sie verlangen, den Schulstart um zwei Wochen nach hinten zu schieben.

Die schlechte Tourismussituation zeichnet sich seit Monaten ab. (Foto: Flickr/ Yacht by M.Kemal CC BY 2.0)

Die schlechte Tourismussituation zeichnet sich seit Monaten ab. (Foto: Flickr/ Yacht by M.Kemal CC BY 2.0)

Die findigen Bürgermeister stammen aus drei Distrikten in der Provinz Muğla. In einer gemeinsamen Erklärung fordern für, das Schuljahr zwei Wochen starten zu lassen. Auf diese Weise hoffen die Stadtoberhäupter noch einmal einen Schwung an zusätzlichen Touristen in ihren Gemeinden begrüßen zu können. Denn in diese Zeit fällt auch das Eid al-Ahde (Opferfest) mit viereinhalb Feiertagen.

CHP-Bürgermeister Mehmet Kocadon aus Bodrum, CHP-Bürgermeister Ali Acar aus Marmaris und DP-Bürgermeister Behçet Saatcı aus Fethiye haben sich in einer gemeinsamen Sitzung über die schlechte Besuchersituation in der Urlaubsregion ausgetauscht. Den Start des Schuljahres 2015/2016 vom 14. September zwei Wochen nach hinten zu verschieben, scheint für sie die praktikabelste Lösung.

Wir fordern, dass die Schulen erst nach den Eid al-Ahd Ferien geöffnet werden. Wir glauben, dass sich dies positiv auf unseren heimischen Tourismus und unsere Wirtschaft auswirken wird. Gleichzeitig schaffen wir so die Möglichkeit, einer teilweise Erholung der Tourismusunternehmen, die große Verluste hinnehmen mussten und ermöglichen es den  Familien ihre Ferien im Voraus zu planen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus der Erklärung der Bürgermeister.

Die schlechte wirtschaftliche Lage Russlands, der Krieg im Nachbarland Syrien, die jüngsten Terroranschläge innerhalb der Türkei durch die Terrororganisation PKK und die türkischen Militär-Operationen gegen die PKK-Lager im Nordirak und in der Türkei haben derzeit allesamt einen negativen Effekt auf die Einnahmen aus dem Tourismus im ganzen Land.

Abzusehen war die Lage jedoch schon viel früher. Bereits im Frühjahr hatte die türkische Regierung verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung des Tourismussektors angeboten (mehr hier). Doch offenbar blieb es bislang bei einem Angebot. Branchenvertreter würden daher selbst aktiv werden, um die Saison 2015 anzukurbeln und insbesondere russische Touristen ins Land zu locken, so die Hürriyet. So halten es einige Branchenvertreter mittlweile für unvermeidlich Hotelpreise zu senken und All-inclusive-Angebote zu erweitern, um Umsatzverluste zu minimieren.

Noch hat die Türkei ein gutes Polster. Sie erhöhte ihre Tourismus-Einnahmen von acht Milliarden US-Dollar im Jahr 2000 auf 34 Milliarden Dollar im Jahr 2014 und wurde in dieser Zeit zum zwölft größten Tourismusverdiener der Welt. Die Branche kann also einige Verluste in diesem Jahr kompensieren. Allzu lange darf der Abwärtstrend allerdings nicht dauern.

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