Ex-Chef-Archäologe von Palmyra enthauptet: IS-Terroristen sind „barbarische Mörder“

Der Grausamkeit der Terrormiliz IS fällt ein prominenter Archäologe zum Opfer. Trotz des IS-Vormarsches weigerte sich der 81-Jährige Asaad, die historische Oasenstadt Palmyra zu verlassen.

Die Ermordung des früheren Chef-Archäologen der antiken Wüstenstadt Palmyra in Syrien, Khaled Asaad, durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist im Westen scharf verurteilt worden. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer, erklärte am Mittwoch, «diese menschenverachtende Tat ist durch nichts zu rechtfertigen.» Sie sei auch ein Angriff auf die kulturelle Identität der Menschen vor Ort und der Menschheit insgesamt.

Unesco-Chefin Irina Bokowa erklärte, sie sei betrübt, empört und verurteile diese schreckliche Tat. «Sie haben ihn umgebracht, weil er sein starkes Engagement für Palmyra nicht verraten wollte», sagte die Leiterin der Kulturorganisation der Vereinten Nationen.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, sprach von «barbarischen Mördern». Asaad habe sein Leben dem Schutz der Kulturgüter Syriens gewidmet. Die Versuche des IS die reiche syrische Geschichte auszulöschen, würden letztlich fehlschlagen.

Die Terrormiliz habe Asaad am Dienstag vor Dutzenden Zuschauern auf einem öffentlichen Platz des Ortes getötet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch der oberste syrische Archäologe, Mamun Abdulkarim, bestätigte die Ermordung des 81-Jährigen. Sein Tod sei «eine Tragödie», sagte er am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben der Menschenrechtler kreuzigten die IS-Extremisten den Leichnam an einem Strommast und klemmten den Kopf zwischen die Füße. Die oppositionelle Nachrichtenseite Zaman al-Wasl hatte zuvor gemeldet, die Extremisten hätten den Toten an einer antiken Säule aufgehängt. Laut Aktivisten befestigten die IS-Anhänger an dem Leichnam ein Schild, auf dem sie ihn als «Direktor der Götzen» und «Komplizen des syrischen Geheimdienstes» bezeichneten.

Asaad hatte 40 Jahre lang die archäologischen Stätten in der zentralsyrischen Stadt geleitet, so die dpa. Er sei der beste Experte für die dortigen Altertümer gewesen und habe sich trotz des IS-Vormarsches geweigert zu fliehen, sagte Abdulkarim.

Palmyras gut erhaltene Ruinen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Die einstige Handelsmetropole gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten.

Der IS hatte Palmyra Ende Mai von Truppen des syrischen Regimes eingenommen. Seitdem herrscht weltweit große Sorge, dass die Extremisten die historischen Stätten als «Zeugnisse der Vielgötterei» zerstören könnten, wie sie es schon im Nordirak getan haben. Laut Abdulkarim zertrümmerten sie bisher eine rund 2000 Jahre alte Löwen-Statue. Die historischen Stätten sollen zudem vermint sein.

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