Magere Urlaubssaison: Türkei verschiebt Schulbeginn um zwei Wochen

Drei Bürgermeister von der türkischen Ägäis haben mit ihrer Forderung, die Schulferien um zwei Wochen zu verlängern, um die bislang mauen Tourismusumsätze anzukurbeln, Erfolg gehabt. Der türkische Premier Ahmet Davutoğlu ließ nun ganz offiziell verlauten, dass der Schulbeginn nicht am 14., sondern am 28. September sei. Entsprechend wurde auch das Ende des Schuljahres auf den 17. Juni 2016 verschoben.

Deutlich weniger Touristen als 2014: Die türkische Regierung teilt die Sorgen der Tourismusbranche. (Foto: Flickr/ Cirali beach by Natalie Sayin CC BY 2.0)

Deutlich weniger Touristen als 2014: Die türkische Regierung teilt die Sorgen der Tourismusbranche. (Foto: Flickr/ Cirali beach by Natalie Sayin CC BY 2.0)

Die findigen Bürgermeister stammen aus drei Distrikten in der Provinz Muğla. In einer gemeinsamen Erklärung forderten sie das Ministerium für Kultur und Bildung auf, das Schuljahr zwei Wochen später starten zu lassen. Auf diese Weise hofften die Stadtoberhäupter noch einmal einen Schwung an zusätzlichen Touristen in ihren Gemeinden begrüßen zu können. Denn in diese Zeit fällt auch das Eid al-Ahde (Opferfest) mit viereinhalb Feiertagen vom 24. bis 27. September.

CHP-Bürgermeister Mehmet Kocadon aus Bodrum, CHP-Bürgermeister Ali Acar aus Marmaris und DP-Bürgermeister Behçet Saatcı aus Fethiye haben sich in einer gemeinsamen Sitzung über die schlechte Besuchersituation in der Urlaubsregion ausgetauscht. Den Start des Schuljahres 2015/2016 vom 14. September zwei Wochen nach hinten zu verschieben, scheint für sie die praktikabelste Lösung. Das sieht nun auch die türkische Regierung so, wie die Zeitung Hürriyet berichtet.

Die schlechte wirtschaftliche Lage Russlands, der Krieg im Nachbarland Syrien, die jüngsten Terroranschläge innerhalb der Türkei durch die Terrororganisation PKK und die türkischen Militär-Operationen gegen die PKK-Lager im Nordirak und in der Türkei haben derzeit allesamt einen negativen Effekt auf die Einnahmen aus dem Tourismus im ganzen Land.

Die ausländische Ankünfte sanken in den ersten sechs Monaten um 2,25 Prozent auf 14,89 Millionen Personen. Das geht aus Daten des Tourismus-Ministeriums hervor. Auch die türkischen Tourismus-Einnahmen fielen im zweiten Quartal des Jahres entsprechend um satte 13,8 Prozent auf 7,73 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres, so das türkische Statistikinstituts (TurkStat).

Wir fordern, dass die Schulen erst nach den Eid al-Ahd Ferien geöffnet werden. Wir glauben, dass sich dies positiv auf unseren heimischen Tourismus und unsere Wirtschaft auswirken wird. Gleichzeitig schaffen wir so die Möglichkeit, einer teilweise Erholung der Tourismusunternehmen, die große Verluste hinnehmen mussten und ermöglichen es den  Familien ihre Ferien im Voraus zu planen“, zitierte die türkische Zeitung Hürriyet aus der Erklärung der Bürgermeister. Dieser Aufruf sei später auch von vielen Tourismus-Organisationen, einschließlich der türkische Hotel- und Gaststättenvereinigung (TUROB), unterstützt worden.

TUROB-Präsident Timur Bayindir erklärte, der Rückgang der Touristenzahlen um fast fünf Prozent gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres sei alarmierend.

„Wir erwarten, dass auch bei den offiziellen Zahlen für Juli und August zu dramatischen Rückgängen kommt. Nach unseren Prognosen, wird die Türkei das Jahr mit geringeren Touristenzahlen im Vergleich zum Jahr 2014 abschließen und es scheint unwahrscheinlich, dass es in Anbetracht der aktuellen Situation [nur] im einstelligen Bereich bleiben wird.

Abzusehen war die derzeitige Lage übrigens schon eine ganze Weile. Bereits im Frühjahr hatte die türkische Regierung verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung des Tourismussektors angeboten (mehr hier). Doch offenbar blieb es bislang bei einem Angebot. Branchenvertreter würden daher selbst aktiv werden, um die Saison 2015 anzukurbeln und insbesondere russische Touristen ins Land zu locken, so die Hürriyet. So halten es einige Branchenvertreter mittlweile für unvermeidlich Hotelpreise zu senken und All-inclusive-Angebote zu erweitern, um Umsatzverluste zu minimieren.

Noch hat die Türkei ein gutes Polster. Sie erhöhte ihre Tourismus-Einnahmen von acht Milliarden US-Dollar im Jahr 2000 auf 34 Milliarden Dollar im Jahr 2014 und wurde in dieser Zeit zum zwölft größten Tourismusverdiener der Welt. Die Branche kann also einige Verluste in diesem Jahr kompensieren. Allzu lange darf der Abwärtstrend allerdings nicht dauern.

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