Gutachten: Am Minenunglück von Soma hat der Betreiber Schuld

Ein Gutachten hat festgestellt, dass die Firma, die das Kohlebergwerk in Soma betrieben hat, zu 100 Prozent für das Grubenunglück im vergangenen Jahr verantwortlich zu machen ist. Die Experten werfen dem Unternehmen Fahrlässigkeit vor. Damals kamen insgesamt 301 Menschen ums Leben.

Der Bericht, der von Experten der Sozialversicherungsanstalt (SGK) in Izmir vorbereitet wurde, benennt eine Reihe von Fällen, in denen in der Mine Fahrlässigkeit vorgefunden wurde. Der Minenbetreiber Soma Kömürcülük A.Ş. habe sich darum aber nicht gekümmert, heißt es in den türkischen Medien.

Die Anwälte der Opfer würden nun voraussichtlich verlangen, dass das zuständige Gericht das Gutachten in den laufenden Prozess aufnehme, so die türkische Zeitung Hürriyet.
Das Grubenunglück am 13. Mai 2014 forderte insgesamt 301 Menschenleben und gilt seither als die verheerendste Industriekatastrophe in der Geschichte der Türkei. Mittlerweile ist klar, dass die Kumpel nach einer Explosion an einer Kohlenmonoxidvergiftung starben.

Im aktuellen Report heißt es, dass sich der Unfall aufgrund eines Mangels an angemessenen Sicherheitsmaßnahmen ereignete.

Amnesty International erhob damals ebenfalls schwere Vorwürfe. Und sagte: Zu dieser Katastrophe hätte es nicht kommen müssen. Auch der aktuelle Report sieht das so. Wären die Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, hätte das Unglück vermieden werden können. So sei das System, das die Kohle und die Arbeiter in der Mine transportierte, feuerfest gewesen. Außerdem habe es nicht genügend Material gegeben, um dieses für Löscharbeiten in den Galerien zu verwenden, erklärt der Bericht. Automatische Systeme, die Rauch oder Wärme entdeckten, hätten gefehlt. Alte Galerien seien zudem nicht kontrolliert worden. Brandschutzübungen hätte es ebenfalls nicht gegeben. Für den Fall eines Brandes war die Mine nicht einmal in der Theorie vorbereitet.

Die Menschenrechtsorganisation erhob damals den Zeigefingerübrigens auch gen Ankara. Die Regierung habe mit dem Leben der Leute gespielt.

In einer Erklärung der Organisation zu den dramatischen Ereignissen in der Westtürkei sagte Andrew Gardner, Türkei-Experte von Amnesty International:

Das war eine Tragödie, die hätte vermieden werden sollen. Die lange Geschichte von Todesfällen in Bergwerken in der Türkei wirft Fragen über die Sicherheit der Arbeitnehmer auf. Die Tatsache, dass die Regierung die letzten Anrufe von Parlamentariern, die schweren Arbeitsunfälle zu untersuchen, abgelehnt hat, ist schockierend. Sie spielen mit dem Leben der Menschen.

Im Jahr 2013 wollte die türkische Oppositionspartei CHP die Arbeitsunfälle in der Mine von Soma untersuchen lassen, so die Menschenrechtsorganisation weiter. Der Antrag sei von allen drei Oppositionsparteien unterstützt worden. Doch die AKP habe dagegen gestimmt. Zwei Wochen später sei der Antrag schließlich abgelehnt worden.

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